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@@ -19672,3 +19672,556 @@ Kohelet Koh 25 12 11 Worte von Gelehrten sind wie Ochsenstecken, /Sprüche aus S
Kohelet Koh 25 12 12 Im Übrigen, mein Sohn, lass dich warnen! Es nimmt kein Ende mit dem vielen Bücherschreiben und viel Studieren ermüdet den Leib.
Kohelet Koh 25 12 13 Hast du alles gehört, so lautet der Schluss: Fürchte Gott und achte auf seine Gebote! Das allein hat jeder Mensch nötig.
Kohelet Koh 25 12 14 Denn Gott wird jedes Tun vor das Gericht bringen, das über alles Verborgene urteilt, es sei gut oder böse.
Hohelied Hld 26 1 1 Das Hohelied Salomos.
Hohelied Hld 26 1 2 Mit Küssen seines Mundes bedecke er mich. /Süßer als Wein ist deine Liebe.
Hohelied Hld 26 1 3 Köstlich ist der Duft deiner Salben, /dein Name hingegossenes Salböl; /darum lieben dich die Mädchen.
Hohelied Hld 26 1 4 Zieh mich her hinter dir! Lass uns eilen! /Der König führt mich in seine Gemächer. Jauchzen lasst uns, deiner uns freuen, /deine Liebe höher rühmen als Wein. /Dich liebt man zu Recht.
Hohelied Hld 26 1 5 Braun bin ich, doch schön, /ihr Töchter Jerusalems, wie die Zelte von Kedar, /wie Salomos Decken.
Hohelied Hld 26 1 6 Schaut mich nicht so an, /weil ich gebräunt bin. /Die Sonne hat mich verbrannt. Meiner Mutter Söhne waren mir böse, /ließen mich Weinberge hüten; /den eigenen Weinberg konnte ich nicht hüten.
Hohelied Hld 26 1 7 Du, den meine Seele liebt, /sag mir: Wo weidest du die Herde? /Wo lagerst du am Mittag? Wozu soll ich erst umherirren /bei den Herden deiner Gefährten?
Hohelied Hld 26 1 8 Wenn du das nicht weißt, /du schönste der Frauen, dann folge den Spuren der Schafe, /dann weide deine Zicklein /dort, wo die Hirten lagern.
Hohelied Hld 26 1 9 Mit der Stute an Pharaos Wagen /vergleiche ich dich, meine Freundin.
Hohelied Hld 26 1 10 Schön sind deine Wangen zwischen den Kettchen, /dein Hals in der Perlenschnur.
Hohelied Hld 26 1 11 Machen wir dir noch goldene Kettchen, /kleine Silberkugeln daran.
Hohelied Hld 26 1 12 Solange der König an der Tafel liegt, /gibt meine Narde ihren Duft.
Hohelied Hld 26 1 13 Mein Geliebter ruht wie ein Beutel mit Myrrhe /an meiner Brust.
Hohelied Hld 26 1 14 Eine Hennablüte ist mein Geliebter mir /aus den Weinbergen von En-Gedi.
Hohelied Hld 26 1 15 Schön bist du, meine Freundin, /ja, du bist schön. /Zwei Tauben sind deine Augen.
Hohelied Hld 26 1 16 Schön bist du, mein Geliebter, verlockend. /Frisches Grün ist unser Lager,
Hohelied Hld 26 1 17 Zedern sind die Balken unseres Hauses, /Zypressen die Wände.
Hohelied Hld 26 2 1 Ich bin eine Blume auf den Wiesen des Scharon, /eine Lilie der Täler.
Hohelied Hld 26 2 2 Eine Lilie unter Disteln /ist meine Freundin unter den Mädchen.
Hohelied Hld 26 2 3 Ein Apfelbaum unter Waldbäumen /ist mein Geliebter unter den Burschen. In seinem Schatten begehre ich zu sitzen. /Wie süß schmeckt seine Frucht meinem Gaumen!
Hohelied Hld 26 2 4 In das Weinhaus hat er mich geführt. /Sein Zeichen über mir heißt Liebe.
Hohelied Hld 26 2 5 Stärkt mich mit Traubenkuchen, /erquickt mich mit Äpfeln; /denn ich bin krank vor Liebe.
Hohelied Hld 26 2 6 Seine Linke liegt unter meinem Kopf, /seine Rechte umfängt mich.
Hohelied Hld 26 2 7 Bei den Gazellen und Hirschen auf der Flur /beschwöre ich euch, Jerusalems Töchter: Stört die Liebe nicht auf, /weckt sie nicht, /bis es ihr selbst gefällt.
Hohelied Hld 26 2 8 Horch! Mein Geliebter! /Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge, /hüpft über die Hügel.
Hohelied Hld 26 2 9 Der Gazelle gleicht mein Geliebter, /dem jungen Hirsch. Ja, draußen steht er /an der Wand unsres Hauses; er blickt durch die Fenster, /späht durch die Gitter.
Hohelied Hld 26 2 10 Der Geliebte spricht zu mir: /Steh auf, meine Freundin, /meine Schöne, so komm doch!
Hohelied Hld 26 2 11 Denn vorbei ist der Winter, /verrauscht der Regen.
Hohelied Hld 26 2 12 Auf der Flur erscheinen die Blumen; /die Zeit zum Singen ist da. Die Stimme der Turteltaube /ist zu hören in unserem Land.
Hohelied Hld 26 2 13 Am Feigenbaum reifen die ersten Früchte; /die blühenden Reben duften. Steh auf, meine Freundin, /meine Schöne, so komm doch!
Hohelied Hld 26 2 14 Meine Taube im Felsennest, /versteckt an der Steilwand, dein Gesicht lass mich sehen, /deine Stimme hören! Denn süß ist deine Stimme, /lieblich dein Gesicht.
Hohelied Hld 26 2 15 Fangt uns die Füchse, /die kleinen Füchse! Sie verwüsten die Weinberge, /unsre blühenden Reben.
Hohelied Hld 26 2 16 Der Geliebte ist mein /und ich bin sein; /er weidet in den Lilien.
Hohelied Hld 26 2 17 Wenn der Tag verweht /und die Schatten wachsen, komm du, mein Geliebter, /der Gazelle gleich, dem jungen Hirsch /auf den Balsambergen.
Hohelied Hld 26 3 1 Des Nachts auf meinem Lager suchte ich ihn, /den meine Seele liebt. /Ich suchte ihn und fand ihn nicht.
Hohelied Hld 26 3 2 Aufstehen will ich, die Stadt durchstreifen, /die Gassen und Plätze, /ihn suchen, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.
Hohelied Hld 26 3 3 Mich fanden die Wächter /bei ihrer Runde durch die Stadt. Habt ihr ihn gesehen, /den meine Seele liebt?
Hohelied Hld 26 3 4 Kaum war ich an ihnen vorüber, /fand ich ihn, den meine Seele liebt. Ich packte ihn, ließ ihn nicht mehr los, /bis ich ihn ins Haus meiner Mutter brachte, /in die Kammer derer, die mich geboren hat.
Hohelied Hld 26 3 5 Bei den Gazellen und Hirschen der Flur /beschwöre ich euch, Jerusalems Töchter: Stört die Liebe nicht auf, /weckt sie nicht, /bis es ihr selbst gefällt.
Hohelied Hld 26 3 6 Wer ist sie, /die da aus der Steppe heraufsteigt /in Säulen von Rauch, umwölkt von Myrrhe und Weihrauch, /von allen Wohlgerüchen der Händler?
Hohelied Hld 26 3 7 Sieh da, das ist Salomos Sänfte; sechzig Helden geleiten sie, /Israels Helden,
Hohelied Hld 26 3 8 alle vertraut mit dem Schwert, /geschult für den Kampf; jeder trägt sein Schwert an der Hüfte /gegen die Schrecken der Nacht.
Hohelied Hld 26 3 9 Einen Tragsessel ließ König Salomo zimmern /aus Holz vom Libanon,
Hohelied Hld 26 3 10 die Pfosten in Silber, /die Lehne in Gold, der Sitz in Purpur, /das Innere mit Steinen belegt.
Hohelied Hld 26 3 11 Ihr Töchter Jerusalems, kommt heraus /und schaut, ihr Töchter Zions, /König Salomo mit der Krone! Damit hat ihn seine Mutter gekrönt /am Tage seiner Hochzeit, /an dem Tag seiner Herzensfreude.
Hohelied Hld 26 4 1 Schön bist du, meine Freundin, /ja, du bist schön. Hinter dem Schleier /deine Augen wie Tauben. Dein Haar gleicht einer Herde von Ziegen, /die herabzieht von Gileads Bergen.
Hohelied Hld 26 4 2 Deine Zähne sind wie eine Herde /frisch geschorener Schafe, /die aus der Schwemme steigen. Jeder Zahn hat sein Gegenstück, /keinem fehlt es.
Hohelied Hld 26 4 3 Rote Bänder sind deine Lippen; /lieblich ist dein Mund. Dem Riss eines Granatapfels gleicht deine Schläfe /hinter dem Schleier.
Hohelied Hld 26 4 4 Wie der Turm Davids ist dein Hals, /in Schichten von Steinen erbaut; tausend Schilde hängen daran, /lauter Waffen von Helden.
Hohelied Hld 26 4 5 Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein, /wie die Zwillinge einer Gazelle, /die in den Lilien weiden.
Hohelied Hld 26 4 6 Wenn der Tag verweht und die Schatten wachsen, /will ich zum Myrrhenberg gehen, /zum Weihrauchhügel.
Hohelied Hld 26 4 7 Alles an dir ist schön, meine Freundin; /kein Makel haftet dir an.
Hohelied Hld 26 4 8 Komm doch mit mir, meine Braut, vom Libanon, /weg vom Libanon komm du mit mir! Weg vom Gipfel des Amana, /von den Höhen des Senir und Hermon; weg von den Lagern der Löwen, /den Bergen der Panther.
Hohelied Hld 26 4 9 Verzaubert hast du mich, /meine Schwester Braut; /ja verzaubert mit einem (Blick) deiner Augen, /mit einer Perle deiner Halskette.
Hohelied Hld 26 4 10 Wie schön ist deine Liebe, /meine Schwester Braut; wie viel süßer ist deine Liebe als Wein, /der Duft deiner Salben köstlicher als alle Balsamdüfte.
Hohelied Hld 26 4 11 Von deinen Lippen, Braut, tropft Honig; /Milch und Honig ist unter deiner Zunge. Der Duft deiner Kleider ist wie des Libanon Duft.
Hohelied Hld 26 4 12 Ein verschlossener Garten ist meine Schwester Braut, /ein verschlossener Garten, /ein versiegelter Quell.
Hohelied Hld 26 4 13 Ein Lustgarten sprosst aus dir, /Granatbäume mit köstlichen Früchten, /Hennadolden, Nardenblüten,
Hohelied Hld 26 4 14 Narde, Krokus, Gewürzrohr und Zimt, /alle Weihrauchbäume, Myrrhe und Aloe, /allerbester Balsam.
Hohelied Hld 26 4 15 Die Quelle des Gartens bist du, /ein Brunnen lebendigen Wassers, /Wasser vom Libanon.
Hohelied Hld 26 4 16 Nordwind, erwache! Südwind, herbei! /Durchweht meinen Garten, /lasst strömen die Balsamdüfte! Mein Geliebter komme in seinen Garten /und esse von den köstlichen Früchten.
Hohelied Hld 26 5 1 Ich komme in meinen Garten, Schwester Braut; /ich pflücke meine Myrrhe, den Balsam; esse meine Wabe samt dem Honig, /trinke meinen Wein und die Milch. Freunde, esst und trinkt, /berauscht euch an der Liebe!
Hohelied Hld 26 5 2 Ich schlief, doch mein Herz war wach. /Horch, mein Geliebter klopft: Mach auf, meine Schwester und Freundin, /meine Taube, du Makellose! Mein Kopf ist voll Tau, /aus meinen Locken tropft die Nacht.
Hohelied Hld 26 5 3 Ich habe mein Kleid schon abgelegt - /wie soll ich es wieder anziehen? Die Füße habe ich gewaschen - /soll ich sie wieder beschmutzen?
Hohelied Hld 26 5 4 Mein Geliebter streckte die Hand durch die Luke; /da bebte mein Herz ihm entgegen.
Hohelied Hld 26 5 5 Ich stand auf, dem Geliebten zu öffnen. /Da tropften meine Hände von Myrrhe am Griff des Riegels.
Hohelied Hld 26 5 6 Ich öffnete meinem Geliebten: /Doch der Geliebte war weg, verschwunden. /Mir stockte der Atem: Er war weg. Ich suchte ihn, ich fand ihn nicht. /Ich rief ihn, er antwortete nicht.
Hohelied Hld 26 5 7 Da fanden mich die Wächter bei ihrer Runde durch die Stadt; /sie schlugen, sie verletzten mich. Den Mantel entrissen sie mir, /die Wächter der Mauern.
Hohelied Hld 26 5 8 Ich beschwöre euch, Jerusalems Töchter: /Wenn ihr meinen Geliebten findet, sagt ihm, /ich bin krank vor Liebe.
Hohelied Hld 26 5 9 Was hat dein Geliebter den andern voraus, /du schönste der Frauen? Was hat dein Geliebter den andern voraus, /dass du so uns beschwörst?
Hohelied Hld 26 5 10 Mein Geliebter ist weiß und rot, /ist ausgezeichnet vor Tausenden.
Hohelied Hld 26 5 11 Sein Haupt ist reines Gold. /Seine Locken sind Rispen, rabenschwarz.
Hohelied Hld 26 5 12 Seine Augen sind wie Tauben an Wasserbächen; /(die Zähne,) in Milch gebadet, sitzen fest.
Hohelied Hld 26 5 13 Seine Wangen sind wie Balsambeete, /darin Gewürzkräuter sprießen, seine Lippen wie Lilien; /sie tropfen von flüssiger Myrrhe.
Hohelied Hld 26 5 14 Seine Finger sind wie Stäbe aus Gold, /mit Steinen aus Tarschisch besetzt. Sein Leib ist wie eine Platte aus Elfenbein, /mit Saphiren bedeckt.
Hohelied Hld 26 5 15 Seine Schenkel sind Marmorsäulen, /auf Sockeln von Feingold. Seine Gestalt ist wie der Libanon, /erlesen wie Zedern.
Hohelied Hld 26 5 16 Sein Mund ist voll Süße; /alles ist Wonne an ihm. Das ist mein Geliebter, /ja, das ist mein Freund, /ihr Töchter Jerusalems.
Hohelied Hld 26 6 1 Wohin ist dein Geliebter gegangen, /du schönste der Frauen? Wohin wandte sich dein Geliebter? /Wir wollen ihn suchen mit dir.
Hohelied Hld 26 6 2 In seinen Garten ging mein Geliebter /zu den Balsambeeten, um in den Gartengründen zu weiden, /um Lilien zu pflücken.
Hohelied Hld 26 6 3 Meinem Geliebten gehöre ich /und mir gehört der Geliebte, /der in den Lilien weidet.
Hohelied Hld 26 6 4 Schön wie Tirza bist du, meine Freundin, /lieblich wie Jerusalem, /prächtig wie Himmelsbilder.
Hohelied Hld 26 6 5 Wende deine Augen von mir, /denn sie verwirren mich. Dein Haar gleicht einer Herde von Ziegen, /die von Gilead herabziehen.
Hohelied Hld 26 6 6 Deine Zähne sind wie eine Herde von Mutterschafen, /die aus der Schwemme steigen. Jeder Zahn hat sein Gegenstück, /keinem fehlt es.
Hohelied Hld 26 6 7 Dem Riss eines Granatapfels gleicht deine Schläfe /hinter deinem Schleier.
Hohelied Hld 26 6 8 Sechzig Königinnen (hat Salomo), /achtzig Nebenfrauen /und Mädchen ohne Zahl.
Hohelied Hld 26 6 9 Doch einzig ist meine Taube, die Makellose, /die Einzige ihrer Mutter, /die Erwählte ihrer Gebärerin. Erblicken sie die Mädchen, /sie preisen sie; /Königinnen und Nebenfrauen rühmen sie.
Hohelied Hld 26 6 10 Wer ist, die da erscheint wie das Morgenrot, /wie der Mond so schön, strahlend rein wie die Sonne, /prächtig wie Himmelsbilder?
Hohelied Hld 26 6 11 In den Nussgarten stieg ich hinab, /um nach dem Sprossen der Palme zu sehen, um zu sehen, ob der Weinstock treibt, /die Granatbäume blühen.
Hohelied Hld 26 6 12 Da entführte mich meine Seele, /ich weiß nicht wie, /zu den Wagen meines edlen Volkes.
Hohelied Hld 26 7 1 Wende dich, wende dich, Schulammit! /Wende dich, wende dich, /damit wir dich betrachten. Was wollt ihr an Schulammit sehen? /Den Lager-Tanz!
Hohelied Hld 26 7 2 Wie schön sind deine Schritte in den Sandalen, /du Edelgeborene. Deiner Hüften Rund ist wie Geschmeide, /gefertigt von Künstlerhand.
Hohelied Hld 26 7 3 Dein Schoß ist ein rundes Becken, /Würzwein mangle ihm nicht. Dein Leib ist ein Weizenhügel, /mit Lilien umstellt.
Hohelied Hld 26 7 4 Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein, /wie die Zwillinge einer Gazelle.
Hohelied Hld 26 7 5 Dein Hals ist ein Turm aus Elfenbein. /Deine Augen sind wie die Teiche zu Heschbon /beim Tor von Bat-Rabbim. Deine Nase ist wie der Libanonturm, /der gegen Damaskus schaut.
Hohelied Hld 26 7 6 Dein Haupt gleicht oben dem Karmel; /wie Purpur sind deine Haare; /ein König liegt in den Ringeln gefangen.
Hohelied Hld 26 7 7 Wie schön bist du und wie reizend, /du Liebe voller Wonnen!
Hohelied Hld 26 7 8 Wie eine Palme ist dein Wuchs; /deine Brüste sind wie Trauben.
Hohelied Hld 26 7 9 Ich sage: Ersteigen will ich die Palme; /ich greife nach den Rispen. Trauben am Weinstock seien mir deine Brüste, /Apfelduft sei der Duft deines Atems,
Hohelied Hld 26 7 10 dein Mund köstlicher Wein, /der glatt in mich eingeht, /der Lippen und Zähne mir netzt.
Hohelied Hld 26 7 11 Ich gehöre meinem Geliebten /und ihn verlangt nach mir.
Hohelied Hld 26 7 12 Komm, mein Geliebter, wandern wir auf das Land, /schlafen wir in den Dörfern.
Hohelied Hld 26 7 13 Früh wollen wir dann zu den Weinbergen gehen /und sehen, ob der Weinstock schon treibt, ob die Rebenblüte sich öffnet, /ob die Granatbäume blühen. /Dort schenke ich dir meine Liebe.
Hohelied Hld 26 7 14 Die Liebesäpfel duften; /an unsrer Tür warten alle köstlichen Früchte, frische und solche vom Vorjahr; /für dich hab ich sie aufgehoben, Geliebter.
Hohelied Hld 26 8 1 Ach, wärst du doch mein Bruder, /genährt an der Brust meiner Mutter. Träfe ich dich dann draußen, /ich würde dich küssen; /niemand dürfte mich deshalb verachten.
Hohelied Hld 26 8 2 Führen wollte ich dich, /in das Haus meiner Mutter dich bringen, /die mich erzogen hat. Würzwein gäbe ich dir zu trinken, /Granatapfelmost.
Hohelied Hld 26 8 3 Seine Linke liegt unter meinem Kopf, /seine Rechte umfängt mich.
Hohelied Hld 26 8 4 Ich beschwöre euch, Jerusalems Töchter: /Was stört ihr die Liebe auf, /warum weckt ihr sie, /ehe ihr selbst es gefällt?
Hohelied Hld 26 8 5 Wer ist sie, /die aus der Steppe heraufsteigt, /auf ihren Geliebten gestützt? Unter dem Apfelbaum hab ich dich geweckt, /dort, wo deine Mutter dich empfing, /wo deine Gebärerin in Wehen lag.
Hohelied Hld 26 8 6 Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz, /wie ein Siegel an deinen Arm! Stark wie der Tod ist die Liebe, /die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt. Ihre Gluten sind Feuergluten, /gewaltige Flammen.
Hohelied Hld 26 8 7 Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; /auch Ströme schwemmen sie nicht weg. Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses, /nur verachten würde man ihn.
Hohelied Hld 26 8 8 Wir haben eine kleine Schwester, /noch ohne Brüste. Was tun wir mit unsrer Schwester, /wenn jemand um sie wirbt?
Hohelied Hld 26 8 9 Ist sie eine Mauer, /bauen wir silberne Zinnen auf ihr. Ist sie eine Tür, /versperren wir sie mit einem Zedernbrett.
Hohelied Hld 26 8 10 Ich bin eine Mauer, /meine Brüste gleichen Türmen. Da hab ich in seinen Augen /Gefallen gefunden.
Hohelied Hld 26 8 11 Salomo besaß einen Weinberg in Baal-Hamon; /den Weinberg übergab er Hütern. Für seine Frucht würde jeder /tausend Silberstücke bezahlen.
Hohelied Hld 26 8 12 Mein eigener Weinberg liegt vor mir. /Die tausend lass ich dir, Salomo, /und zweihundert noch denen, /die seine Früchte hüten.
Hohelied Hld 26 8 13 Die du in den Gärten weilst, /auf deine Stimme lauschen die Freunde; /lass sie mich hören!
Hohelied Hld 26 8 14 Fort, fort, mein Geliebter, /der Gazelle gleich, dem jungen Hirsch /auf den Balsambergen.
Weisheit Weish 27 1 1 Liebt Gerechtigkeit, ihr Herrscher der Erde, /denkt in Frömmigkeit an den Herrn, /sucht ihn mit reinem Herzen!
Weisheit Weish 27 1 2 Denn er lässt sich finden von denen, die ihn nicht versuchen, /und zeigt sich denen, die ihm nicht misstrauen.
Weisheit Weish 27 1 3 Verkehrte Gedanken trennen von Gott; /wird seine Macht herausgefordert, /dann weist sie die Toren zurück.
Weisheit Weish 27 1 4 In eine Seele, die auf Böses sinnt, /kehrt die Weisheit nicht ein, /noch wohnt sie in einem Leib, /der sich der Sünde hingibt.
Weisheit Weish 27 1 5 Denn der heilige Geist, der Lehrmeister, flieht vor der Falschheit, /er entfernt sich von unverständigen Gedanken /und wird verscheucht, wenn Unrecht naht.
Weisheit Weish 27 1 6 Die Weisheit ist ein menschenfreundlicher Geist, /doch lässt sie die Reden des Lästerers nicht straflos; /denn Gott ist Zeuge seiner heimlichen Gedanken, /untrüglich durchschaut er sein Herz /und hört seine Worte.
Weisheit Weish 27 1 7 Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis /und er, der alles zusammenhält, kennt jeden Laut.
Weisheit Weish 27 1 8 Darum bleibt keiner verborgen, der Böses redet, /das Strafurteil geht nicht an ihm vorüber.
Weisheit Weish 27 1 9 Die Pläne des Frevlers werden untersucht; /der Herr erfährt von seinen Reden /und bestraft seine Vergehen.
Weisheit Weish 27 1 10 Denn das eifersüchtige Ohr hört alles, /kein leises Murren bleibt ihm verborgen.
Weisheit Weish 27 1 11 Hütet euch also vor unnützem Murren /und verwehrt eurer Zunge das Verleumden! /Denn euer heimliches Reden verhallt nicht ungehört /und ein Mund, der lügt, tötet die Seele.
Weisheit Weish 27 1 12 Jagt nicht dem Tod nach in den Irrungen eures Lebens /und zieht nicht durch euer Handeln das Verderben herbei!
Weisheit Weish 27 1 13 Denn Gott hat den Tod nicht gemacht /und hat keine Freude am Untergang der Lebenden.
Weisheit Weish 27 1 14 Zum Dasein hat er alles geschaffen /und heilbringend sind die Geschöpfe der Welt. /Kein Gift des Verderbens ist in ihnen, /das Reich des Todes hat keine Macht auf der Erde; /
Weisheit Weish 27 1 15 denn die Gerechtigkeit ist unsterblich.
Weisheit Weish 27 1 16 Die Frevler aber holen winkend und rufend den Tod herbei /und sehnen sich nach ihm wie nach einem Freund; /sie schließen einen Bund mit ihm, /weil sie es verdienen, ihm zu gehören.
Weisheit Weish 27 2 1 Sie tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen: Kurz und traurig ist unser Leben; /für das Ende des Menschen gibt es keine Arznei /und man kennt keinen, der aus der Welt des Todes befreit.
Weisheit Weish 27 2 2 Durch Zufall sind wir geworden /und danach werden wir sein, als wären wir nie gewesen. /Der Atem in unserer Nase ist Rauch /und das Denken ist ein Funke, /der vom Schlag des Herzens entfacht wird;
Weisheit Weish 27 2 3 verlöscht er, dann zerfällt der Leib zu Asche /und der Geist verweht wie dünne Luft.
Weisheit Weish 27 2 4 Unser Name wird bald vergessen, /niemand denkt mehr an unsere Taten. /Unser Leben geht vorüber wie die Spur einer Wolke /und löst sich auf wie ein Nebel, /der von den Strahlen der Sonne verscheucht /und von ihrer Wärme zu Boden gedrückt wird.
Weisheit Weish 27 2 5 Unsere Zeit geht vorüber wie ein Schatten, /unser Ende wiederholt sich nicht; /es ist versiegelt und keiner kommt zurück.
Weisheit Weish 27 2 6 Auf, lasst uns die Güter des Lebens genießen /und die Schöpfung auskosten, /wie es der Jugend zusteht.
Weisheit Weish 27 2 7 Erlesener Wein und Salböl sollen uns reichlich fließen, /keine Blume des Frühlings darf uns entgehen.
Weisheit Weish 27 2 8 Bekränzen wir uns mit Rosen, ehe sie verwelken;
Weisheit Weish 27 2 9 keine Wiese bleibe unberührt /von unserem ausgelassenen Treiben. /Überall wollen wir Zeichen der Fröhlichkeit zurücklassen; /das ist unser Anteil, das fällt uns zu.
Weisheit Weish 27 2 10 Lasst uns den Gerechten unterdrücken, /der in Armut lebt, /die Witwe nicht schonen /und das graue Haar des betagten Greises nicht scheuen!
Weisheit Weish 27 2 11 Unsere Stärke soll bestimmen, was Gerechtigkeit ist; /denn das Schwache erweist sich als unnütz.
Weisheit Weish 27 2 12 Lasst uns dem Gerechten auflauern! /Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. /Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor /und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung.
Weisheit Weish 27 2 13 Er rühmt sich, die Erkenntnis Gottes zu besitzen, /und nennt sich einen Knecht des Herrn.
Weisheit Weish 27 2 14 Er ist unserer Gesinnung ein lebendiger Vorwurf, /schon sein Anblick ist uns lästig;
Weisheit Weish 27 2 15 denn er führt ein Leben, /das dem der andern nicht gleicht, /und seine Wege sind grundverschieden.
Weisheit Weish 27 2 16 Als falsche Münze gelten wir ihm; /von unseren Wegen hält er sich fern wie von Unrat. /Das Ende der Gerechten preist er glücklich /und prahlt, Gott sei sein Vater.
Weisheit Weish 27 2 17 Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, /und prüfen, wie es mit ihm ausgeht.
Weisheit Weish 27 2 18 Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, /dann nimmt sich Gott seiner an /und entreißt ihn der Hand seiner Gegner.
Weisheit Weish 27 2 19 Roh und grausam wollen wir mit ihm verfahren, /um seine Sanftmut kennen zu lernen, /seine Geduld zu erproben.
Weisheit Weish 27 2 20 Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; /er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt.
Weisheit Weish 27 2 21 So denken sie, aber sie irren sich; /denn ihre Schlechtigkeit macht sie blind.
Weisheit Weish 27 2 22 Sie verstehen von Gottes Geheimnissen nichts, /sie hoffen nicht auf Lohn für die Frömmigkeit /und erwarten keine Auszeichnung für untadelige Seelen.
Weisheit Weish 27 2 23 Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen /und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht.
Weisheit Weish 27 2 24 Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt /und ihn erfahren alle, die ihm angehören.
Weisheit Weish 27 3 1 Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand /und keine Qual kann sie berühren.
Weisheit Weish 27 3 2 In den Augen der Toren sind sie gestorben, /ihr Heimgang gilt als Unglück,
Weisheit Weish 27 3 3 ihr Scheiden von uns als Vernichtung; /sie aber sind in Frieden.
Weisheit Weish 27 3 4 In den Augen der Menschen wurden sie gestraft; /doch ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit.
Weisheit Weish 27 3 5 Ein wenig nur werden sie gezüchtigt; /doch sie empfangen große Wohltat. /Denn Gott hat sie geprüft /und fand sie seiner würdig.
Weisheit Weish 27 3 6 Wie Gold im Schmelzofen hat er sie erprobt /und sie angenommen als ein vollgültiges Opfer.
Weisheit Weish 27 3 7 Beim Endgericht werden sie aufleuchten /wie Funken, die durch ein Stoppelfeld sprühen.
Weisheit Weish 27 3 8 Sie werden Völker richten /und über Nationen herrschen /und der Herr wird ihr König sein in Ewigkeit.
Weisheit Weish 27 3 9 Alle, die auf ihn vertrauen, /werden die Wahrheit erkennen /und die Treuen werden bei ihm bleiben in Liebe. /Denn Gnade und Erbarmen wird seinen Erwählten zuteil.
Weisheit Weish 27 3 10 Die Frevler aber werden für ihre Pläne bestraft, /sie, die den Gerechten missachtet haben /und vom Herrn abgefallen sind.
Weisheit Weish 27 3 11 Unglücklich sind alle, /die Weisheit und Belehrung verachten; /leer ist ihre Hoffnung, vergeblich sind ihre Mühen /und wertlos ihre Taten.
Weisheit Weish 27 3 12 Ihre Frauen sind unverständig /und ihre Kinder böse, /fluchbeladen ist ihr Geschlecht.
Weisheit Weish 27 3 13 Selig ist die Kinderlose, die unschuldig blieb /und kein Lager der Sünde kannte; /sie wird gleich einer Mutter geehrt, /wenn die Seelen ihren Lohn empfangen.
Weisheit Weish 27 3 14 Selig ist auch der Kinderlose, /der sich nicht frevelhaft verging /und gegen den Herrn nichts Böses plante; /besondere Gnade wird seiner Treue zuteil /und ein gar köstlicher Anteil am Tempel des Herrn.
Weisheit Weish 27 3 15 Denn ruhmreich ist der Lohn guter Mühe /und unvergänglich die Wurzel der Klugheit.
Weisheit Weish 27 3 16 Doch die Kinder von Ehebrechern verkümmern /und die Nachkommen einer sündigen Verbindung schwinden dahin.
Weisheit Weish 27 3 17 Auch wenn sie lange leben, gelten sie nichts /und ehrlos ist am Ende ihr Alter.
Weisheit Weish 27 3 18 Sterben sie früh, so haben sie keine Hoffnung /und keinen Trost am Tag des Gerichts;
Weisheit Weish 27 3 19 denn schlimm ist das Ende eines schuldhaften Geschlechts.
Weisheit Weish 27 4 1 Besser ist Kinderlosigkeit mit Tugend; unsterblich ist ihr Ruhm, /sie steht in Ehren bei Gott und bei den Menschen.
Weisheit Weish 27 4 2 Ist sie zugegen, ahmt man sie nach; /ist sie entschwunden, sehnt man sie herbei. /In der Ewigkeit triumphiert sie, /geschmückt mit dem Kranz, /Siegerin im Wettstreit um einen edlen Preis.
Weisheit Weish 27 4 3 Doch die große Kinderschar der Frevler bringt keinen Nutzen; /sie ist ein unechtes Gewächs, /treibt keine Wurzeln in die Tiefe /und fasst keinen sicheren Grund.
Weisheit Weish 27 4 4 Breitet es auch eine Zeit lang üppig seine Zweige aus, /so wird es doch vom Wind hin und her geschüttelt /und von der Gewalt der Stürme entwurzelt.
Weisheit Weish 27 4 5 Die Äste, die noch schwach sind, werden geknickt; /ihre Frucht ist unbrauchbar, unreif und ungenießbar, /zu gar nichts geeignet.
Weisheit Weish 27 4 6 Denn die Kinder eines sündigen Beischlafs /treten im Gericht als Zeugen auf /für die Schlechtigkeit ihrer Eltern.
Weisheit Weish 27 4 7 Der Gerechte aber, kommt auch sein Ende früh, /geht in Gottes Ruhe ein.
Weisheit Weish 27 4 8 Denn ehrenvolles Alter besteht nicht in einem langen Leben /und wird nicht an der Zahl der Jahre gemessen.
Weisheit Weish 27 4 9 Mehr als graues Haar bedeutet für die Menschen die Klugheit /und mehr als Greisenalter wiegt ein Leben ohne Tadel.
Weisheit Weish 27 4 10 Er gefiel Gott und wurde von ihm geliebt; /da er mitten unter Sündern lebte, wurde er entrückt.
Weisheit Weish 27 4 11 Er wurde weggenommen, /damit nicht Schlechtigkeit seine Einsicht verkehrte /und Arglist seine Seele täuschte.
Weisheit Weish 27 4 12 Denn der Reiz des Bösen verdunkelt das Gute /und der Taumel der Begierde verdirbt den arglosen Sinn.
Weisheit Weish 27 4 13 Früh vollendet, hat der Gerechte doch ein volles Leben gehabt;
Weisheit Weish 27 4 14 da seine Seele dem Herrn gefiel, /enteilte sie aus der Mitte des Bösen. /Die Leute sahen es, ohne es zu verstehen; /sie nahmen es sich nicht zu Herzen,
Weisheit Weish 27 4 15 dass Gnade und Erbarmen seinen Auserwählten zuteil wird, /Belohnung seinen Heiligen.
Weisheit Weish 27 4 16 Der Gerechte, der entschlafen ist, /verurteilt die Frevler, die noch leben, /die früh vollendete Jugend /das hohe Alter des Ungerechten.
Weisheit Weish 27 4 17 Die Frevler sehen das Ende des Weisen, /verstehen aber nicht, was der Herr mit ihm wollte /und warum er ihn in Sicherheit brachte.
Weisheit Weish 27 4 18 Sie sehen es und gehen darüber hinweg; /doch der Herr lacht über sie.
Weisheit Weish 27 4 19 Dann werden sie verachtete Leichen sein, /ewiger Spott bei den Toten. /Sie werden verstummen, /wenn er sie kopfüber hinabstürzt /und aus ihren Grundfesten reißt. /Sie werden völlig vernichtet und erleiden Qualen; /die Erinnerung an sie verschwindet.
Weisheit Weish 27 4 20 Zitternd kommen sie zum Gericht über ihre Sünden; /ihre Vergehen treten ihnen entgegen und überführen sie.
Weisheit Weish 27 5 1 Dann wird der Gerechte voll Zuversicht dastehen vor denen, die ihn bedrängt /und seine Mühen verachtet haben.
Weisheit Weish 27 5 2 Wenn sie ihn sehen, packt sie entsetzliche Furcht /und sie geraten außer sich /über seine unerwartete Rettung.
Weisheit Weish 27 5 3 Jetzt denken sie anders; /seufzend und voll Angst sagen sie zueinander:
Weisheit Weish 27 5 4 Dieser war es, den wir einst verlachten, /verspotteten und verhöhnten, wir Toren. /Sein Leben hielten wir für Wahnsinn /und sein Ende für ehrlos.
Weisheit Weish 27 5 5 Jetzt zählt er zu den Söhnen Gottes, /bei den Heiligen hat er sein Erbteil.
Weisheit Weish 27 5 6 Also sind wir vom Weg der Wahrheit abgeirrt; /das Licht der Gerechtigkeit strahlte uns nicht /und die Sonne ging nicht für uns auf.
Weisheit Weish 27 5 7 Bis zum Überdruss gingen wir die Pfade des Unrechts /und des Verderbens /und wanderten durch weglose Wüsten, /aber den Weg des Herrn erkannten wir nicht.
Weisheit Weish 27 5 8 Was nützte uns der Übermut, /was brachten uns Reichtum und Prahlerei?
Weisheit Weish 27 5 9 All das ist vorbei wie ein Schatten, /wie eine flüchtige Nachricht.
Weisheit Weish 27 5 10 Wie wenn ein Schiff durch die wogende Flut fährt: /Ist es vorübergezogen, so ist von ihm keine Spur mehr zu finden, /kein Pfad seines Kiels in den Wellen.
Weisheit Weish 27 5 11 Wie wenn ein Vogel durch die Luft fliegt: /Kein Zeichen findet sich von seiner Bahn, er peitscht die leichte Luft mit seinem Flügelschlag /und durchschneidet sie mit gewaltig rauschenden Schwingen, /doch bleibt kein Zeichen seines Weges in ihr zurück.
Weisheit Weish 27 5 12 Oder wie wenn ein Pfeil auf das Ziel geschossen wird: /Die geteilte Luft strömt sofort wieder zusammen, /sodass man seine Bahn nicht mehr erkennt.
Weisheit Weish 27 5 13 So sind wir ins Dasein getreten, um hinzuschwinden; /wir hatten keinerlei Tugend aufzuweisen, /sondern wurden von unserer Schlechtigkeit verschlungen.
Weisheit Weish 27 5 14 Ja, die Hoffnung des Frevlers ist wie die Spreu, die der Wind verweht, /wie der Gischt, den der Sturm verjagt, /wie der Rauch, den der Wind zerstäubt; /sie schwindet wie die Erinnerung an einen flüchtigen Gast.
Weisheit Weish 27 5 15 Die Gerechten aber leben in Ewigkeit, /der Herr belohnt sie, der Höchste sorgt für sie.
Weisheit Weish 27 5 16 Darum werden sie aus der Hand des Herrn /das Reich der Herrlichkeit empfangen und die Krone der Schönheit. Denn er wird sie mit seiner Rechten behüten /und mit seinem Arm beschützen.
Weisheit Weish 27 5 17 Er rüstet sich mit seinem Eifer /und macht die Schöpfung zur Waffe, mit der er die Feinde bestraft.
Weisheit Weish 27 5 18 Als Panzer zieht er Gerechtigkeit an /und als Helm setzt er strenges Gericht auf.
Weisheit Weish 27 5 19 Als Schild nimmt er unüberwindliche Heiligkeit /
Weisheit Weish 27 5 20 und grimmigen Zorn schärft er zum Schwert; /zusammen mit ihm kämpft die ganze Welt gegen die Toren.
Weisheit Weish 27 5 21 Treffsicher fahren die Blitzespfeile dahin; /abgeschossen aus den Wolken wie von einem wohlgerundeten Bogen, /fliegen sie auf ihr Ziel.
Weisheit Weish 27 5 22 Eine Steinschleuder entsendet Hagelkörner, /die voll von göttlichem Zorn sind. Das Wasser des Meeres wütet gegen die Feinde /und Ströme schlagen grimmig über ihnen zusammen.
Weisheit Weish 27 5 23 Der Atem des Allmächtigen erhebt sich gegen sie /und trägt sie wie ein Sturm davon. So bringt die Gesetzlosigkeit Verheerung über die ganze Erde /und das böse Tun stürzt die Throne der Mächtigen.
Weisheit Weish 27 6 1 Hört also, ihr Könige, und seid verständig, /lernt, ihr Gebieter der ganzen Welt!
Weisheit Weish 27 6 2 Horcht, ihr Herrscher der Massen, /die ihr stolz seid auf Völkerscharen!
Weisheit Weish 27 6 3 Der Herr hat euch die Gewalt gegeben, /der Höchste die Herrschaft, /er, der eure Taten prüft und eure Pläne durchforscht.
Weisheit Weish 27 6 4 Ihr seid Diener seines Reichs, /aber ihr habt kein gerechtes Urteil gefällt, das Gesetz nicht bewahrt /und die Weisung Gottes nicht befolgt.
Weisheit Weish 27 6 5 Schnell und furchtbar wird er kommen und euch bestrafen; /denn über die Großen ergeht ein strenges Gericht.
Weisheit Weish 27 6 6 Der Geringe erfährt Nachsicht und Erbarmen, /doch die Mächtigen werden gerichtet mit Macht.
Weisheit Weish 27 6 7 Denn der Herrscher des Alls scheut niemand /und weicht vor keiner Größe zurück. Er hat Klein und Groß erschaffen /und trägt gleiche Sorge für alle;
Weisheit Weish 27 6 8 den Mächtigen aber droht strenge Untersuchung.
Weisheit Weish 27 6 9 An euch also, ihr Herrscher, richten sich meine Worte, /damit ihr Weisheit lernt und nicht sündigt.
Weisheit Weish 27 6 10 Wer das Heilige heilig hält, wird geheiligt, /und wer sich darin unterweisen lässt, findet Schutz.
Weisheit Weish 27 6 11 Verlangt also nach meinen Worten; /sehnt euch danach und ihr werdet gute Belehrung empfangen.
Weisheit Weish 27 6 12 Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit; /wer sie liebt, erblickt sie schnell, /und wer sie sucht, findet sie.
Weisheit Weish 27 6 13 Denen, die nach ihr verlangen, /gibt sie sich sogleich zu erkennen.
Weisheit Weish 27 6 14 Wer sie am frühen Morgen sucht, braucht keine Mühe, /er findet sie vor seiner Türe sitzen.
Weisheit Weish 27 6 15 Über sie nachzusinnen ist vollkommene Klugheit; /wer ihretwegen wacht, wird schnell von Sorge frei.
Weisheit Weish 27 6 16 Sie geht selbst umher, um die zu suchen, die ihrer würdig sind; /freundlich erscheint sie ihnen auf allen Wegen /und kommt jenen entgegen, die an sie denken.
Weisheit Weish 27 6 17 Ihr Anfang ist aufrichtiges Verlangen nach Bildung; /das eifrige Bemühen um Bildung aber ist Liebe.
Weisheit Weish 27 6 18 Liebe ist Halten ihrer Gebote; /Erfüllen der Gebote sichert Unvergänglichkeit, /
Weisheit Weish 27 6 19 und Unvergänglichkeit bringt in Gottes Nähe.
Weisheit Weish 27 6 20 So führt das Verlangen nach Weisheit zur Herrschaft hinauf.
Weisheit Weish 27 6 21 Ihr Herrscher der Völker, wenn ihr Gefallen an Thronen und Zeptern habt, /dann ehrt die Weisheit, damit ihr ewig herrscht.
Weisheit Weish 27 6 22 Ich will verkünden, was die Weisheit ist und wie sie wurde, /und will euch kein Geheimnis verbergen. Ich will ihre Spur vom Anfang der Schöpfung an verfolgen, /ihre Kenntnis will ich verbreiten /und nicht an der Wahrheit vorbeigehen.
Weisheit Weish 27 6 23 Verzehrender Neid soll mich nicht auf meinem Weg begleiten; /denn er hat mit der Weisheit nichts gemein.
Weisheit Weish 27 6 24 Eine große Anzahl von Weisen ist Heil für die Welt, /ein kluger König ist Wohlstand für das Volk.
Weisheit Weish 27 6 25 Lasst euch also durch meine Worte unterweisen; /es wird euch von Nutzen sein.
Weisheit Weish 27 7 1 Auch ich bin ein sterblicher Mensch wie alle anderen, /Nachkomme des ersten, aus Erde gebildeten Menschen. Im Schoß der Mutter wurde ich zu Fleisch geformt, /
Weisheit Weish 27 7 2 zu dem das Blut in zehn Monaten gerann durch den Samen des Mannes /und die Lust, die im Beischlaf hinzukam.
Weisheit Weish 27 7 3 Geboren atmete auch ich die gemeinsame Luft, /ich fiel auf die Erde, die Gleiches von allen erduldet, /und Weinen war mein erster Laut wie bei allen.
Weisheit Weish 27 7 4 In Windeln und mit Sorgen wurde ich aufgezogen; /
Weisheit Weish 27 7 5 kein König trat anders ins Dasein.
Weisheit Weish 27 7 6 Alle haben den einen gleichen Eingang zum Leben; /gleich ist auch der Ausgang.
Weisheit Weish 27 7 7 Daher betete ich und es wurde mir Klugheit gegeben; /ich flehte und der Geist der Weisheit kam zu mir.
Weisheit Weish 27 7 8 Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, /Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr.
Weisheit Weish 27 7 9 Keinen Edelstein stellte ich ihr gleich; /denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand /und Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm.
Weisheit Weish 27 7 10 Ich liebte sie mehr als Gesundheit und Schönheit /und zog ihren Besitz dem Lichte vor; /denn niemals erlischt der Glanz, /der von ihr ausstrahlt.
Weisheit Weish 27 7 11 Zugleich mit ihr kam alles Gute zu mir, /unzählbare Reichtümer waren in ihren Händen.
Weisheit Weish 27 7 12 Ich freute mich über sie alle, /weil die Weisheit lehrt, sie richtig zu gebrauchen, /wusste aber nicht, dass sie auch deren Ursprung ist.
Weisheit Weish 27 7 13 Uneigennützig lernte ich und neidlos gebe ich weiter; /ihren Reichtum behalte ich nicht für mich.
Weisheit Weish 27 7 14 Ein unerschöpflicher Schatz ist sie für die Menschen; /alle, die ihn erwerben, erlangen die Freundschaft Gottes. /Sie sind empfohlen durch die Gaben der Unterweisung.
Weisheit Weish 27 7 15 Mir aber gewähre Gott, nach meiner Einsicht zu sprechen /und zu denken, wie die empfangenen Gaben es wert sind; denn er ist der Führer der Weisheit /und hält die Weisen auf dem rechten Weg.
Weisheit Weish 27 7 16 Wir und unsere Worte sind in seiner Hand, /auch alle Klugheit und praktische Erfahrung.
Weisheit Weish 27 7 17 Er verlieh mir untrügliche Kenntnis der Dinge, /sodass ich den Aufbau der Welt und das Wirken der Elemente verstehe,
Weisheit Weish 27 7 18 Anfang und Ende und Mitte der Zeiten, /die Abfolge der Sonnenwenden und den Wandel der Jahreszeiten,
Weisheit Weish 27 7 19 den Kreislauf der Jahre und die Stellung der Sterne,
Weisheit Weish 27 7 20 die Natur der Tiere und die Wildheit der Raubtiere, /die Gewalt der Geister und die Gedanken der Menschen, /die Verschiedenheit der Pflanzen und die Kräfte der Wurzeln.
Weisheit Weish 27 7 21 Alles Verborgene und alles Offenbare habe ich erkannt; /denn es lehrte mich die Weisheit, die Meisterin aller Dinge.
Weisheit Weish 27 7 22 In ihr ist ein Geist, /gedankenvoll, heilig, einzigartig, mannigfaltig, zart, beweglich, /durchdringend, unbefleckt, klar, /unverletzlich, das Gute liebend, scharf,
Weisheit Weish 27 7 23 nicht zu hemmen, wohltätig, menschenfreundlich, /fest, sicher, ohne Sorge, alles vermögend, alles überwachend /und alle Geister durchdringend, /die denkenden, reinen und zartesten.
Weisheit Weish 27 7 24 Denn die Weisheit ist beweglicher als alle Bewegung; /in ihrer Reinheit durchdringt und erfüllt sie alles.
Weisheit Weish 27 7 25 Sie ist ein Hauch der Kraft Gottes /und reiner Ausfluss der Herrlichkeit des Allherrschers; /darum fällt kein Schatten auf sie.
Weisheit Weish 27 7 26 Sie ist der Widerschein des ewigen Lichts, /der ungetrübte Spiegel von Gottes Kraft, /das Bild seiner Vollkommenheit.
Weisheit Weish 27 7 27 Sie ist nur eine und vermag doch alles; /ohne sich zu ändern, erneuert sie alles. Von Geschlecht zu Geschlecht tritt sie in heilige Seelen ein /und schafft Freunde Gottes und Propheten;
Weisheit Weish 27 7 28 denn Gott liebt nur den, /der mit der Weisheit zusammenwohnt.
Weisheit Weish 27 7 29 Sie ist schöner als die Sonne /und übertrifft jedes Sternbild. /Sie ist strahlender als das Licht;
Weisheit Weish 27 7 30 denn diesem folgt die Nacht, /doch über die Weisheit siegt keine Schlechtigkeit.
Weisheit Weish 27 8 1 Machtvoll entfaltet sie ihre Kraft von einem Ende zum andern /und durchwaltet voll Güte das All.
Weisheit Weish 27 8 2 Sie habe ich geliebt und gesucht von Jugend auf, /ich suchte sie als Braut heimzuführen /und fand Gefallen an ihrer Schönheit.
Weisheit Weish 27 8 3 Im Umgang mit Gott beweist sie ihren Adel, /der Herr über das All gewann sie lieb.
Weisheit Weish 27 8 4 Eingeweiht in das Wissen Gottes, /bestimmte sie seine Werke.
Weisheit Weish 27 8 5 Ist Reichtum begehrenswerter Besitz im Leben, /was ist dann reicher als die Weisheit, die in allem wirkt?
Weisheit Weish 27 8 6 Wenn Klugheit wirksam ist, /wer in aller Welt ist ein größerer Meister als sie?
Weisheit Weish 27 8 7 Wenn jemand Gerechtigkeit liebt, /in ihren Mühen findet er die Tugenden. Denn sie lehrt Maß und Klugheit, /Gerechtigkeit und Tapferkeit, /die Tugenden, die im Leben der Menschen nützlicher sind als alles andere.
Weisheit Weish 27 8 8 Wenn jemand nach reicher Erfahrung strebt: /sie kennt das Vergangene und errät das Kommende, sie versteht, die Worte schön zu formen und Rätselhaftes zu deuten; /sie weiß im Voraus Zeichen und Wunder /und kennt den Ausgang von Perioden und Zeiten.
Weisheit Weish 27 8 9 So beschloss ich, sie als Lebensgefährtin heimzuführen; /denn ich wusste, dass sie mir guten Rat gibt /und Trost in Sorge und Leid.
Weisheit Weish 27 8 10 Mit ihr werde ich Ruhm beim Volke haben /und trotz meiner Jugend vom Alter geehrt sein.
Weisheit Weish 27 8 11 Ich werde als scharfsinniger Richter gelten /und in den Augen der Mächtigen Staunen erregen.
Weisheit Weish 27 8 12 Schweige ich, so warten sie in Spannung, /spreche ich, so merken sie auf, /rede ich länger, so legen sie die Hand auf den Mund.
Weisheit Weish 27 8 13 Mit ihr werde ich Unsterblichkeit erlangen /und ewigen Ruhm bei der Nachwelt hinterlassen.
Weisheit Weish 27 8 14 Völker werde ich sorgsam leiten /und Nationen werden mir untertan sein.
Weisheit Weish 27 8 15 Schreckliche Tyrannen werden mich fürchten, wenn sie von mir hören; /in der Volksversammlung werde ich mich als tüchtig und im Krieg als tapfer erweisen.
Weisheit Weish 27 8 16 Komme ich nach Hause, /dann werde ich bei ihr ausruhen; denn der Umgang mit ihr hat nichts Bitteres, /das Leben mit ihr kennt keinen Schmerz, /sondern nur Frohsinn und Freude.
Weisheit Weish 27 8 17 Als ich dies bei mir überlegte und in meinem Herzen erwog, /dass das Leben mit der Weisheit Unsterblichkeit bringt,
Weisheit Weish 27 8 18 die Freundschaft mit ihr reine Freude /und die Mühen ihrer Hände unerschöpflichen Reichtum, dass stete Gemeinschaft mit ihr Klugheit bringt /und das Zwiegespräch mit ihr Ruhm -, /da ging ich auf die Suche nach ihr, um sie heimzuführen.
Weisheit Weish 27 8 19 Ich war ein begabtes Kind und hatte eine gute Seele erhalten,
Weisheit Weish 27 8 20 oder vielmehr: gut, wie ich war, kam ich in einen unverdorbenen Leib.
Weisheit Weish 27 8 21 Ich erkannte aber, dass ich die Weisheit nur als Geschenk Gottes erhalten könne - und schon hier war es die Klugheit, die mich erkennen ließ, wessen Gnadengeschenk sie ist. Daher wandte ich mich an den Herrn und sprach zu ihm aus ganzem Herzen:
Weisheit Weish 27 9 1 Gott der Väter und Herr des Erbarmens, /du hast das All durch dein Wort gemacht.
Weisheit Weish 27 9 2 Den Menschen hast du durch deine Weisheit erschaffen, /damit er über deine Geschöpfe herrscht.
Weisheit Weish 27 9 3 Er soll die Welt in Heiligkeit und Gerechtigkeit leiten /und Gericht halten in rechter Gesinnung.
Weisheit Weish 27 9 4 Gib mir die Weisheit, die an deiner Seite thront, /und verstoß mich nicht aus der Schar deiner Kinder!
Weisheit Weish 27 9 5 Ich bin ja dein Knecht, der Sohn deiner Magd, /ein schwacher Mensch, dessen Leben nur kurz ist, /und gering ist meine Einsicht in Recht und Gesetz.
Weisheit Weish 27 9 6 Wäre einer auch vollkommen unter den Menschen, /er wird kein Ansehen genießen, wenn ihm deine Weisheit fehlt.
Weisheit Weish 27 9 7 Du bist es, der mich zum König deines Volkes /und zum Richter deiner Söhne und Töchter erwählt hat.
Weisheit Weish 27 9 8 Du hast befohlen, einen Tempel auf deinem heiligen Berg zu bauen /und einen Altar in der Stadt deiner Wohnung, /ein Abbild des heiligen Zeltes, das du von Anfang an entworfen hast.
Weisheit Weish 27 9 9 Mit dir ist die Weisheit, die deine Werke kennt /und die zugegen war, als du die Welt erschufst. Sie weiß, was dir gefällt /und was recht ist nach deinen Geboten.
Weisheit Weish 27 9 10 Sende sie vom heiligen Himmel /und schick sie vom Thron deiner Herrlichkeit, damit sie bei mir sei und alle Mühe mit mir teile /und damit ich erkenne, was dir gefällt.
Weisheit Weish 27 9 11 Denn sie weiß und versteht alles; /sie wird mich in meinem Tun besonnen leiten /und mich in ihrem Lichtglanz schützen.
Weisheit Weish 27 9 12 Dann wird dir mein Handeln gefallen; /ich werde dein Volk gerecht regieren /und des Throns meines Vaters würdig sein.
Weisheit Weish 27 9 13 Denn welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen, /oder wer begreift, was der Herr will?
Weisheit Weish 27 9 14 Unsicher sind die Berechnungen der Sterblichen /und hinfällig unsere Gedanken;
Weisheit Weish 27 9 15 denn der vergängliche Leib beschwert die Seele /und das irdische Zelt belastet den um vieles besorgten Geist.
Weisheit Weish 27 9 16 Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, /und finden nur mit Mühe, was doch auf der Hand liegt; /wer kann dann ergründen, was im Himmel ist?
Weisheit Weish 27 9 17 Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben /und deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast?
Weisheit Weish 27 9 18 So wurden die Pfade der Erdenbewohner gerade gemacht /und die Menschen lernten, was dir gefällt;
Weisheit Weish 27 9 19 durch die Weisheit wurden sie gerettet.
Weisheit Weish 27 10 1 Sie hat den Urvater der Welt nach seiner Erschaffung behütet, als er noch allein war; sie hat ihn aus seiner Sünde befreit
Weisheit Weish 27 10 2 und ihm die Kraft gegeben, über alles zu herrschen.
Weisheit Weish 27 10 3 Ein Ungerechter aber, der in seinem Zorn von ihr abfiel, ging durch seine Leidenschaft zugrunde, die ihn zum Brudermord trieb.
Weisheit Weish 27 10 4 Die Weisheit hat die Erde, die seinetwegen überflutet wurde, wieder gerettet und den Gerechten auf wertlosem Holz durch die Wasser gesteuert.
Weisheit Weish 27 10 5 Als die Völker, einmütig nur in ihrer Schlechtigkeit, durch die Verwirrung ihrer Sprache getrennt wurden, erwählte sie den Gerechten und behütete ihn, sodass er vor Gott ohne Tadel war und trotz der Liebe zu seinem Kind stark blieb.
Weisheit Weish 27 10 6 Als die Frevler zugrunde gingen, rettete sie einen Gerechten, sodass er vor dem Feuer fliehen konnte, das auf die fünf Städte fiel;
Weisheit Weish 27 10 7 von ihrer Schlechtigkeit zeugen heute noch rauchendes Ödland und Pflanzen, die zur Unzeit Früchte tragen, und eine Salzsäule ragt als Denkmal einer ungläubigen Seele empor.
Weisheit Weish 27 10 8 Jene, die an der Weisheit achtlos vorübergingen, erlitten nicht nur Schaden, weil sie das Gute nicht erkannten, sondern sie hinterließen auch den Lebenden ein Mahnmal ihrer Torheit, damit nicht verborgen bleibe, worin sie sich verfehlt hatten.
Weisheit Weish 27 10 9 Die Weisheit aber rettete ihre Diener aus jeglicher Mühsal.
Weisheit Weish 27 10 10 Einen Gerechten, der vor dem Zorn des Bruders floh, geleitete sie auf geraden Wegen, zeigte ihm das Reich Gottes und enthüllte ihm heilige Geheimnisse. Sie machte ihn reich bei seiner harten Arbeit und vermehrte den Ertrag seiner Mühen.
Weisheit Weish 27 10 11 Sie half ihm gegen die Habsucht seiner Unterdrücker und verschaffte ihm Wohlstand.
Weisheit Weish 27 10 12 Sie beschützte ihn vor seinen Feinden und gab ihm Sicherheit vor seinen Verfolgern. In einem harten Kampf verlieh sie ihm den Siegespreis, damit er erkannte, dass Gottesfurcht stärker als alles andere ist.
Weisheit Weish 27 10 13 Einen Gerechten, der verkauft worden war, ließ sie nicht im Stich, sondern bewahrte ihn vor der Sünde.
Weisheit Weish 27 10 14 Sie stieg mit ihm in den Kerker hinab und verließ ihn während seiner Gefangenschaft nicht, bis sie ihm das königliche Zepter brachte und Gewalt über seine Bedrücker. Sie überführte alle, die ihn beschuldigt hatten, als Lügner und verlieh ihm ewigen Ruhm.
Weisheit Weish 27 10 15 Sie hat ein heiliges Volk, ein untadeliges Geschlecht, aus der Gewalt einer Nation gerettet, die es unterdrückte.
Weisheit Weish 27 10 16 Sie ging in die Seele eines Dieners des Herrn ein und widerstand schrecklichen Königen durch Zeichen und Wunder.
Weisheit Weish 27 10 17 Sie gab den Heiligen den Lohn ihrer Mühen und geleitete sie auf wunderbarem Weg. Sie wurde ihnen am Tag zum Schutz und in der Nacht zum Sternenlicht.
Weisheit Weish 27 10 18 Sie führte sie durch das Rote Meer und geleitete sie durch gewaltige Wasser.
Weisheit Weish 27 10 19 Ihre Feinde aber ließ sie in der Flut ertrinken und spülte sie aus der Tiefe des Abgrunds ans Land.
Weisheit Weish 27 10 20 Darum plünderten die Gerechten die Frevler aus, sie priesen, Herr, deinen heiligen Namen und lobten einmütig deine schützende Hand.
Weisheit Weish 27 10 21 Denn die Weisheit hat den Mund der Stummen geöffnet und die Zungen der Unmündigen hat sie beredt gemacht.
Weisheit Weish 27 11 1 Sie ließ alles gelingen, was sie unter der Führung des heiligen Propheten unternahmen.
Weisheit Weish 27 11 2 Sie zogen durch eine unbewohnte Wüste und schlugen in unwegsamen Gegenden ihre Zelte auf.
Weisheit Weish 27 11 3 Sie leisteten ihren Feinden Widerstand und wehrten ihre Gegner ab.
Weisheit Weish 27 11 4 Als sie dürsteten und dich anriefen, wurde ihnen Wasser aus schroffem Fels gegeben, sodass sie ihren Durst stillen konnten aus hartem Gestein.
Weisheit Weish 27 11 5 Denn was ihren Feinden zur Strafe wurde, das empfingen sie als Wohltat in ihrer Not.
Weisheit Weish 27 11 6 Der ständig fließende Strom wurde durch schmutziges Blut getrübt.
Weisheit Weish 27 11 7 So wurden jene für den befohlenen Kindermord gestraft. Diesen aber gabst du wider Erwarten reichlich Wasser,
Weisheit Weish 27 11 8 nachdem du ihnen vorher durch ihren Durst gezeigt hattest, wie ihre Gegner von dir bestraft wurden.
Weisheit Weish 27 11 9 Denn als sie geprüft und, wenn auch nur milde, zurechtgewiesen wurden, da erkannten sie, wie die Frevler im Zorn gerichtet und gepeinigt worden waren.
Weisheit Weish 27 11 10 Sie hast du wie ein mahnender Vater auf die Probe gestellt, die Frevler aber wie ein strenger König gerichtet und verurteilt.
Weisheit Weish 27 11 11 Fern von den Gerechten wurden sie ebenso geplagt wie damals, als sie ihnen noch nahe waren;
Weisheit Weish 27 11 12 denn zweifaches Leid und Seufzen brachte ihnen die Erinnerung an das Vergangene:
Weisheit Weish 27 11 13 Als sie nämlich hörten, dass ihre eigene Bestrafung jenen sogar zur Wohltat geworden war, da erkannten sie das Wirken des Herrn.
Weisheit Weish 27 11 14 Den sie einst ausgesetzt und weggeworfen, den sie mit Hohn abgewiesen hatten, den mussten sie am Ende von allem bestaunen, nachdem sie einen viel schlimmeren Durst gelitten hatten als die Gerechten.
Weisheit Weish 27 11 15 Zur Strafe für ihre frevlerische Torheit, in die sie sich verirrt hatten, als sie vernunftloses Gewürm und armseliges Ungeziefer verehrten, sandtest du ihnen eine Menge vernunftloser Tiere.
Weisheit Weish 27 11 16 Sie sollten erkennen: Man wird mit dem gestraft, womit man sündigt.
Weisheit Weish 27 11 17 Für deine allmächtige Hand, die aus ungeformtem Stoff die Welt gestaltet hat, wäre es keine Schwierigkeit gewesen, eine Menge von Bären gegen sie zu senden oder grimmige Löwen
Weisheit Weish 27 11 18 oder unbekannte, neu geschaffene, wuterfüllte Tiere, die Feuer sprühenden Atem aushauchen oder zischenden Dampf ausstoßen oder schreckliche Funken aus den Augen sprühen.
Weisheit Weish 27 11 19 Nicht nur ihre verderbliche Gewalt hätte sie zermalmen, schon ihr Furcht erregender Anblick hätte sie vernichten können.
Weisheit Weish 27 11 20 Aber abgesehen davon hätten sie durch einen einzigen Hauch fallen können, verfolgt von deinem Strafgericht und fortgeweht vom Sturm deiner Macht. Du aber hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet.
Weisheit Weish 27 11 21 Denn du bist immer imstande, deine große Macht zu entfalten. Wer könnte der Kraft deines Arms widerstehen?
Weisheit Weish 27 11 22 Die ganze Welt ist ja vor dir wie ein Stäubchen auf der Waage, wie ein Tautropfen, der am Morgen zur Erde fällt.
Weisheit Weish 27 11 23 Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst, und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit sie sich bekehren.
Weisheit Weish 27 11 24 Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen.
Weisheit Weish 27 11 25 Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre?
Weisheit Weish 27 11 26 Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.
Weisheit Weish 27 12 1 Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist.
Weisheit Weish 27 12 2 Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach; du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden, damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden und an dich glauben, Herr.
Weisheit Weish 27 12 3 Du hast auch die früheren Bewohner deines heiligen Landes gehasst,
Weisheit Weish 27 12 4 weil sie abscheuliche Verbrechen verübten, Zauberkünste und unheilige Festbräuche;
Weisheit Weish 27 12 5 sie waren erbarmungslose Kindermörder und verzehrten beim Opfermahl Menschenfleisch und Menschenblut. Darum beschlossest du, mitten im Gelage die Teilnehmer
Weisheit Weish 27 12 6 und deren Eltern, die mit eigener Hand hilflose Wesen töteten, durch die Hände unserer Väter zu vernichten;
Weisheit Weish 27 12 7 denn das Land, das dir vor allen anderen teuer ist, sollte eine seiner würdige Bevölkerung von Gotteskindern erhalten.
Weisheit Weish 27 12 8 Doch selbst mit jenen gingst du schonend um, weil sie Menschen waren; du sandtest deinem Heer Hornissen voraus, um sie nach und nach zu vernichten.
Weisheit Weish 27 12 9 Obgleich du die Macht hattest, in einer Schlacht die Frevler den Gerechten in die Hand zu geben oder sie durch wilde Tiere oder ein unerbittliches Wort mit einem Schlag auszurotten,
Weisheit Weish 27 12 10 vollzogst du doch erst nach und nach die Strafe und ließest so Zeit für die Umkehr. Dabei wusstest du genau, dass ihr Ursprung böse und ihre Schlechtigkeit angeboren war und dass sich ihr Denken in Ewigkeit nicht ändern werde;
Weisheit Weish 27 12 11 sie waren schon von Anfang an ein verfluchter Stamm. Keine Furcht vor irgendjemand hat dich dazu bestimmt, sie für ihre Sünden ohne Strafe zu lassen.
Weisheit Weish 27 12 12 Denn wer darf sagen: Was hast du getan? Wer vermag sich deinem Urteilsspruch zu widersetzen? Wer könnte dich anklagen wegen des Untergangs von Völkern, die du selbst geschaffen hast? Wer wollte gegen dich auftreten als Anwalt schuldiger Menschen?
Weisheit Weish 27 12 13 Denn es gibt keinen Gott außer dir, der für alles Sorge trägt; daher brauchst du nicht zu beweisen, dass du gerecht geurteilt hast.
Weisheit Weish 27 12 14 Kein König und kein Herrscher kann dich zur Rede stellen wegen der Menschen, die du gestraft hast.
Weisheit Weish 27 12 15 Gerecht, wie du bist, verwaltest du das All gerecht und hältst es für unvereinbar mit deiner Macht, den zu verurteilen, der keine Strafe verdient.
Weisheit Weish 27 12 16 Deine Stärke ist die Grundlage deiner Gerechtigkeit und deine Herrschaft über alles lässt dich gegen alles Nachsicht üben.
Weisheit Weish 27 12 17 Stärke beweist du, wenn man an deine unbeschränkte Macht nicht glaubt, und bei denen, die sie kennen, strafst du die trotzige Auflehnung.
Weisheit Weish 27 12 18 Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde und behandelst uns mit großer Nachsicht; denn die Macht steht dir zur Verfügung, wann immer du willst.
Weisheit Weish 27 12 19 Durch solches Handeln hast du dein Volk gelehrt, dass der Gerechte menschenfreundlich sein muss, und hast deinen Söhnen die Hoffnung geschenkt, dass du den Sündern die Umkehr gewährst.
Weisheit Weish 27 12 20 Du hast die Feinde deiner Kinder, auch wenn sie den Tod verdienten, sehr nachsichtig und nur nach und nach gestraft und ihnen Zeit und Möglichkeit gegeben, sich von ihrer Schlechtigkeit abzuwenden.
Weisheit Weish 27 12 21 Aber wie viel umsichtiger noch hast du deine Söhne bestraft, deren Vätern du Gutes verheißen hast, als du mit ihnen unter Eid den Bund schlossest.
Weisheit Weish 27 12 22 Während du uns erziehst, geißelst du unsere Feinde zehntausendfach, damit wir als Richter deine Güte uns zum Vorbild nehmen und auf Erbarmen hoffen, wenn wir selber vor dem Gericht stehen.
Weisheit Weish 27 12 23 Du hast jene, die in Torheit und Unrecht dahinlebten, mit ihren eigenen Gräueln gepeinigt.
Weisheit Weish 27 12 24 Allzu weit waren sie in die Irre gegangen, als sie die allerhässlichsten und verachtetsten Tiere für Götter hielten und wie unverständige Kinder sich täuschen ließen.
Weisheit Weish 27 12 25 Darum hast du ihnen wie unvernünftigen Kindern eine Strafe gesandt, die sie zum Gespött machte.
Weisheit Weish 27 12 26 Wer sich aber durch eine Strafe, die ihn zum Gespött macht, nicht warnen lässt, der wird eine Strafe erleiden, die der Macht Gottes entspricht.
Weisheit Weish 27 12 27 In ihren Leiden wurden sie zornig über die Tiere, die sie für Götter hielten und mit denen sie jetzt gestraft wurden. So erfuhren sie jenen, von dem sie vorher nichts wissen wollten, und erkannten ihn als den wahren Gott; deshalb war ja auch die äußerste Strafe über sie gekommen.
Weisheit Weish 27 13 1 Töricht waren von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Beim Anblick der Werke erkannten sie den Meister nicht,
Weisheit Weish 27 13 2 sondern hielten das Feuer, den Wind, die flüchtige Luft, den Kreis der Gestirne, die gewaltige Flut oder die Himmelsleuchten für weltbeherrschende Götter.
Weisheit Weish 27 13 3 Wenn sie diese, entzückt über ihre Schönheit, als Götter ansahen, dann hätten sie auch erkennen sollen, wie viel besser ihr Gebieter ist; denn der Urheber der Schönheit hat sie geschaffen.
Weisheit Weish 27 13 4 Und wenn sie über ihre Macht und ihre Kraft in Staunen gerieten, dann hätten sie auch erkennen sollen, wie viel mächtiger jener ist, der sie geschaffen hat;
Weisheit Weish 27 13 5 denn von der Größe und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen.
Weisheit Weish 27 13 6 Dennoch verdienen jene nur geringen Tadel. Vielleicht suchen sie Gott und wollen ihn finden, gehen aber dabei in die Irre.
Weisheit Weish 27 13 7 Sie verweilen bei der Erforschung seiner Werke und lassen sich durch den Augenschein täuschen; denn schön ist, was sie schauen.
Weisheit Weish 27 13 8 Doch auch sie sind unentschuldbar:
Weisheit Weish 27 13 9 Wenn sie durch ihren Verstand schon fähig waren, die Welt zu erforschen, warum fanden sie dann nicht eher den Herrn der Welt?
Weisheit Weish 27 13 10 Unselig aber sind jene, die auf Totes ihre Hoffnung setzen und Werke von Menschenhand als Götter bezeichnen, Gold und Silber, kunstvolle Gebilde und Tiergestalten oder einen nutzlosen Stein, ein Werk uralter Herkunft.
Weisheit Weish 27 13 11 Da sägte ein Holzschnitzer einen geeigneten Baum ab, entrindete ihn ringsum geschickt, bearbeitete ihn sorgfältig und machte daraus ein nützliches Gerät für den täglichen Gebrauch.
Weisheit Weish 27 13 12 Die Abfälle seiner Arbeit verwendete er, um sich die Nahrung zu bereiten, und aß sich satt.
Weisheit Weish 27 13 13 Was dann noch übrig blieb und zu nichts brauchbar war, ein krummes, knotiges Stück Holz, das nahm er, schnitzte daran so eifrig und fachgemäß, wie man es tut, wenn man am Abend von der Arbeit abgespannt ist, formte es zum Bild eines Menschen
Weisheit Weish 27 13 14 oder machte es einem armseligen Tier ähnlich, beschmierte es mit Mennig und roter Schminke, überstrich alle schadhaften Stellen,
Weisheit Weish 27 13 15 machte ihm eine würdige Wohnstatt, stellte es an der Wand auf und befestigte es mit Eisen.
Weisheit Weish 27 13 16 So sorgte er dafür, dass es nicht herunterfiel, wusste er doch, dass es sich nicht helfen kann; es ist ein Bild und braucht Hilfe.
Weisheit Weish 27 13 17 Aber wenn er um Besitz, Ehe und Kinder betet, dann schämt er sich nicht, das Leblose anzureden. Um Gesundheit ruft er das Kraftlose an,
Weisheit Weish 27 13 18 Leben begehrt er vom Toten. Hilfe erfleht er vom ganz Hilflosen und gute Reise von dem, was nicht einmal den Fuß bewegen kann.
Weisheit Weish 27 13 19 Für seine Arbeit, für Gewinn und Erfolg seines Handwerks bittet er um Kraft von einem, dessen Hände völlig kraftlos sind.
Weisheit Weish 27 14 1 Ein anderer, der sich zu einer Seefahrt rüstet, auf der er wilde Wogen durchqueren wird, ruft ein Holz an, das gebrechlicher ist als das Fahrzeug, das ihn trägt.
Weisheit Weish 27 14 2 Das Fahrzeug hat der Erwerbstrieb ersonnen und die Weisheit eines Künstlers hergestellt.
Weisheit Weish 27 14 3 Deine Vorsehung, Vater, steuert es; denn du hast auch im Meer einen Weg gebahnt und in den Wogen einen sicheren Pfad.
Weisheit Weish 27 14 4 Damit zeigst du, dass du imstande bist, aus jeder Lage zu retten, so dass auch jemand, der keine Erfahrung hat, ein Schiff besteigen kann.
Weisheit Weish 27 14 5 Du willst, dass die Werke deiner Weisheit nicht ungenutzt bleiben. Darum vertrauen Menschen ihr Leben sogar einem winzigen Holz an und fahren wohlbehalten auf einem Floss durch die Brandung.
Weisheit Weish 27 14 6 So hat auch in der Urzeit beim Untergang der übermütigen Riesen die Hoffnung der Welt sich auf ein Floss geflüchtet und, durch deine Hand gesteuert, der Welt den Samen eines neuen Geschlechtes hinterlassen.
Weisheit Weish 27 14 7 Denn Segen ruht auf dem Holz, durch das Gerechtigkeit geschieht.
Weisheit Weish 27 14 8 Fluch hingegen trifft das von Händen geformte Holz und seinen Bildner, ihn, weil er es bearbeitet hat, jenes, weil es Gott genannt wurde, obwohl es vergänglich ist.
Weisheit Weish 27 14 9 Denn Gott sind in gleicher Weise Frevler wie Frevel verhasst;
Weisheit Weish 27 14 10 mit dem Bildner wird sein Werk der Strafe verfallen.
Weisheit Weish 27 14 11 Darum kommt auch über die Götzenbilder der Völker das Gericht, weil sie in Gottes Schöpfung zum Gräuel geworden sind, zum Anstoß für die Seelen der Menschen und zur Schlinge für die Füße der Toren.
Weisheit Weish 27 14 12 Mit dem Gedanken an Götzenbilder beginnt der Abfall und ihre Erfindung führt zur Sittenverderbnis.
Weisheit Weish 27 14 13 Weder waren sie von Anfang an da, noch werden sie ewig bleiben.
Weisheit Weish 27 14 14 Durch die eitle Ruhmsucht der Menschen sind sie in die Welt gekommen; darum ist ihnen auch ein jähes Ende zugedacht.
Weisheit Weish 27 14 15 Bedrückt durch allzu frühe Trauer ließ ein Vater von seinem Kind, das gar schnell hinweggerafft wurde, ein Bildnis machen; so ehrte er einen toten Menschen als Gott und führte bei seinen Leuten geheime Kulte und festliche Bräuche ein.
Weisheit Weish 27 14 16 Im Lauf der Zeit verfestigte sich die frevelhafte Sitte und wurde schließlich als Gesetz befolgt;
Weisheit Weish 27 14 17 die Standbilder erhielten auf Anordnung der Herrscher göttliche Verehrung. Konnten die Menschen einen König nicht unmittelbar ehren, weil er weit weg wohnte, dann vergegenwärtigten sie den Fernen; sie machten von dem verehrten König ein Bildnis, das allen sichtbar war, um dem Abwesenden, als ob er gegenwärtig wäre, mit Eifer zu huldigen.
Weisheit Weish 27 14 18 Der Ehrgeiz des Künstlers führte dazu, dass auch jene, die den König gar nicht kannten, ihm göttliche Verehrung erwiesen.
Weisheit Weish 27 14 19 Wohl um dem Herrscher zu gefallen, bot er seine ganze Kunst auf, um ihn schöner darzustellen, als er war.
Weisheit Weish 27 14 20 Von der Anmut des Bildes hingerissen, betete die Menge den, der noch kurz zuvor nur als Mensch geehrt wurde, jetzt wie einen Gott an.
Weisheit Weish 27 14 21 Der Welt ist dies zum Verhängnis geworden: Die Menschen haben, unter dem Druck von Unglück oder Herrschermacht, Stein und Holz den Namen beigelegt, der mit niemand geteilt werden kann.
Weisheit Weish 27 14 22 Als ob es nicht genug wäre, in der Erkenntnis Gottes zu irren, nennen sie in dem heftigen Zwiespalt, den die Unwissenheit in ihr Leben bringt, so große Übel auch noch Frieden.
Weisheit Weish 27 14 23 Bei kindermörderischen Festbräuchen, heimlichen Kulten oder wilden Gelagen mit fremdartigen Sitten
Weisheit Weish 27 14 24 halten sie weder Leben noch Ehe rein, sondern einer tötet heimtückisch den andern oder beleidigt ihn durch Ehebruch.
Weisheit Weish 27 14 25 Alles ist ein wirres Gemisch von Blut und Mord, Diebstahl und Betrug, Verdorbenheit, Untreue, Aufruhr und Meineid;
Weisheit Weish 27 14 26 es herrscht Umkehrung der Werte, undankbare Vergesslichkeit, Befleckung der Seelen, widernatürliche Unzucht, Zerrüttung der Ehen, Ehebruch und Zügellosigkeit.
Weisheit Weish 27 14 27 Die Verehrung der namenlosen Götzenbilder ist aller Übel Anfang, Ursache und Höhepunkt.
Weisheit Weish 27 14 28 Sie rasen im Freudentaumel, weissagen Lügen, leben in Ungerechtigkeit oder schwören leichthin einen Meineid.
Weisheit Weish 27 14 29 Im Vertrauen auf leblose Götzen fürchten sie nicht, dass ihre Meineide ihnen schaden könnten.
Weisheit Weish 27 14 30 Jedoch für beides wird sie die gerechte Strafe treffen: dass sie sich von Gott eine verkehrte Vorstellung machten, indem sie Götzenbilder verehrten, und dass sie unter Missachtung der Heiligkeit des Eides hinterlistig und ungerecht schworen.
Weisheit Weish 27 14 31 Es ist nie die Macht derer, bei denen sie schworen, sondern immer die den Sündern gebührende Strafe, die die Vergehen der Frevler verfolgt.
Weisheit Weish 27 15 1 Du aber, unser Gott, bist gütig, wahrhaftig und langmütig; voll Erbarmen durchwaltest du das All.
Weisheit Weish 27 15 2 Auch wenn wir sündigen, gehören wir dir, da wir deine Stärke kennen; doch wir wollen nicht sündigen, da wir wissen, dass wir dein Eigentum sind.
Weisheit Weish 27 15 3 Denn es ist vollendete Gerechtigkeit, dich zu verstehen; und deine Stärke zu kennen ist die Wurzel der Unsterblichkeit.
Weisheit Weish 27 15 4 Die arglistige Erfindung der Menschen hat uns nicht verführt, die unfruchtbare Arbeit der Maler, eine mit bunten Farben besudelte Gestalt.
Weisheit Weish 27 15 5 Ihr Anblick erregt die Sehnsucht der Toren und weckt in ihnen das Verlangen nach der leblosen Gestalt eines toten Bildes.
Weisheit Weish 27 15 6 Liebhaber des Bösen und solcher Hoffnungen würdig sind alle, die es anfertigen, die nach ihm verlangen und die es anbeten.
Weisheit Weish 27 15 7 Der Töpfer knetet mühsam den weichen Ton, um daraus Gefäße zu unserem Gebrauch zu formen. Aus dem gleichen Lehm bildet er solche, die sauberen Zwecken dienen, und solche für das Gegenteil, alle in gleicher Weise; über den Gebrauch eines jeden entscheidet der Töpfer.
Weisheit Weish 27 15 8 Aus dem gleichen Lehm formt er in verkehrter Mühe auch einen nichtigen Gott, er, der vor kurzem aus Erde entstand und bald dorthin zurückkehrt, woher er genommen ist, wenn seine Seele, das ihm anvertraute Darlehen, zurückgefordert wird.
Weisheit Weish 27 15 9 Doch es kümmert ihn nicht, dass er dahinschwinden wird und nur ein kurzes Leben hat. Er wetteifert mit Goldschmieden und Silbergießern, er ahmt Kupferschmiede nach und sieht seinen Ruhm darin, Trugbilder zu formen.
Weisheit Weish 27 15 10 Asche ist sein Herz, noch weniger wert als Erdenstaub seine Hoffnung, und sein Leben ist wertloser als Lehm.
Weisheit Weish 27 15 11 Seinen eigenen Bildner hat er nämlich nicht erkannt, den, der ihm eine wirkende Seele eingehaucht und Lebensatem eingeblasen hat.
Weisheit Weish 27 15 12 Nein, er hält unser Leben für ein Kinderspiel, das Dasein für einen einträglichen Jahrmarkt; er sagt, man müsse aus allem, auch aus Schlechtem, Gewinn ziehen.
Weisheit Weish 27 15 13 Denn er weiß besser als alle, dass er sündigt, wenn er aus dem gleichen Erdenstoff nicht nur zerbrechliche Gefäße, sondern auch Götzenbilder fertigt.
Weisheit Weish 27 15 14 Ganz unverständig aber und ärmer als eines Kindes Seele waren die Feinde, die dein Volk knechteten.
Weisheit Weish 27 15 15 Sie hielten alle Götzen der Völker für Götter, Götter, die weder ihre Augen gebrauchen können, um zu sehen, noch ihre Nase, um die Luft zu atmen, noch ihre Ohren, um zu hören, noch die Finger ihrer Hände, um zu tasten, und deren Füße nicht gehen können.
Weisheit Weish 27 15 16 Ein Mensch hat sie gemacht, einer, dem der Geist nur geliehen ist, hat sie gebildet; kein Mensch hat die Kraft, einen Gott zu bilden, der auch nur ihm selber ähnlich wäre.
Weisheit Weish 27 15 17 Als Sterblicher schafft er mit frevelhaften Händen nur Totes. Er ist besser als seine angebeteten Gebilde; denn er bekam einmal Leben, diese aber nie.
Weisheit Weish 27 15 18 Sie verehren sogar die widerlichsten Tiere, die dümmsten im Vergleich mit den anderen,
Weisheit Weish 27 15 19 solche, die nicht einmal schön sind, sodass man an ihnen Gefallen finden könnte, soweit das beim Anblick von Tieren möglich ist, die zudem Gottes Lob und seinen Segen verloren haben.
Weisheit Weish 27 16 1 Darum wurden sie mit Recht durch ähnliche Tiere gezüchtigt und durch eine Menge von Ungeziefer gequält.
Weisheit Weish 27 16 2 Während sie auf solche Weise gezüchtigt wurden, hast du deinem Volk eine Wohltat erwiesen und mit den Wachteln seinem heftigen Verlangen eine fremdartige Nahrung gegeben.
Weisheit Weish 27 16 3 Während jenen in ihrem Hunger die Esslust verging wegen der Hässlichkeit der gegen sie gesandten Tiere, bekamen diese nach nur kurzer Entbehrung sogar eine fremdartige Speise.
Weisheit Weish 27 16 4 Über jene Unterdrücker sollte unabwendbarer Hunger kommen; diese aber sollten nur kurz spüren, wie ihre Feinde gequält wurden.
Weisheit Weish 27 16 5 Auch damals, als die schreckliche Wut wilder Tiere über sie hereinbrach und sie durch die Bisse tückischer Schlangen umkamen, dauerte dein Zorn nicht bis ans Ende.
Weisheit Weish 27 16 6 Zur Warnung wurden sie nur kurz in Schrecken versetzt und bekamen ein Rettungszeichen, damit sie sich an die Vorschrift deines Gesetzes erinnerten.
Weisheit Weish 27 16 7 Wer sich dorthin wandte, wurde nicht durch das gerettet, was er anschaute, sondern durch dich, den Retter aller.
Weisheit Weish 27 16 8 Dadurch hast du unsere Feinde überzeugt, dass du es bist, der aus allem Übel erlöst.
Weisheit Weish 27 16 9 Denn sie wurden durch die Bisse der Heuschrecken und der Stechfliegen getötet, ohne dass es ein Heilmittel für sie gab; sie verdienten es ja, durch solches Ungeziefer gezüchtigt zu werden.
Weisheit Weish 27 16 10 Deine Söhne aber wurden nicht einmal durch die Zähne Gift spritzender Schlangen überwältigt; denn dein Erbarmen kam ihnen zu Hilfe und heilte sie.
Weisheit Weish 27 16 11 Sie wurden gebissen, aber schnell wieder gerettet, damit sie sich an deine Worte erinnerten; denn sie sollten nicht in tiefes Vergessen versinken, sondern sich ungehindert deiner Wohltaten erfreuen.
Weisheit Weish 27 16 12 Weder Kraut noch Wundpflaster machte sie gesund, sondern dein Wort, Herr, das alles heilt.
Weisheit Weish 27 16 13 Du hast Gewalt über Leben und Tod; du führst zu den Toren der Unterwelt hinab und wieder herauf.
Weisheit Weish 27 16 14 Ein Mensch kann zwar in seiner Schlechtigkeit töten; doch den entschwundenen Geist holt er nicht zurück und die weggenommene Seele kann er nicht befreien.
Weisheit Weish 27 16 15 Unmöglich ist es, deiner Hand zu entfliehen.
Weisheit Weish 27 16 16 Denn die Frevler, die behaupten, dich nicht zu kennen, wurden durch die Kraft deines Armes gezüchtigt: Ungewöhnliche Regengüsse, Hagelschauer und schreckliche Wolkenbrüche peitschten auf sie nieder und Feuer verzehrte sie.
Weisheit Weish 27 16 17 Das Seltsamste war, dass das Wasser, das sonst alles löscht, die Kraft des Feuers noch verstärkte; denn die Natur kämpft für die Gerechten.
Weisheit Weish 27 16 18 Das eine Mal wurde die Flamme gezähmt, damit sie nicht die Tiere verzehrte, die gegen die Ruchlosen gesandt waren; diese sollten sehen und erkennen, dass sie von Gottes Strafe verfolgt wurden.
Weisheit Weish 27 16 19 Das andere Mal brannte die Flamme mit ungewöhnlicher Kraft mitten im Wasser, um die Erzeugnisse des schuldbeladenen Landes zu vernichten.
Weisheit Weish 27 16 20 Dein Volk dagegen nährtest du mit der Speise der Engel und unermüdlich gabst du ihm fertiges Brot vom Himmel. Deine Gabe gewährte jeden Genuss und entsprach jedem Geschmack;
Weisheit Weish 27 16 21 sie offenbarte deine zarte Liebe zu deinen Kindern. Sie erfüllte das Verlangen eines jeden, der sie genoss, und verwandelte sich in alles, was einer wollte.
Weisheit Weish 27 16 22 Schnee und Eis hielten dem Feuer stand und schmolzen nicht. Deine Kinder sollten erkennen, dass nur die Früchte der Feinde vom Feuer vernichtet wurden, das im Hagel brannte und in den Regengüssen blitzte,
Weisheit Weish 27 16 23 und dass es umgekehrt sogar seine eigene Kraft vergaß, damit die Gerechten Nahrung hätten.
Weisheit Weish 27 16 24 Denn die Schöpfung, die dir, ihrem Schöpfer, dient, steigert ihre Kräfte, um die Schuldigen zu bestrafen, und hält sie zurück, um denen Gutes zu tun, die auf dich vertrauen.
Weisheit Weish 27 16 25 Darum diente sie auch damals deinem Geschenk, das alle ernährte, und verwandelte sich in alles, was die Bittenden wünschten.
Weisheit Weish 27 16 26 Deine geliebten Söhne, Herr, sollten daraus lernen: Nicht die verschiedenartigen Früchte ernähren den Menschen, sondern dein Wort erhält alle, die dir vertrauen.
Weisheit Weish 27 16 27 Denn dasselbe, das vom Feuer nicht vernichtet wurde, schmolz sogleich, wenn es ein flüchtiger Sonnenstrahl erwärmte.
Weisheit Weish 27 16 28 So sollte man erkennen, dass man, um dir zu danken, der Sonne zuvorkommen und sich noch vor dem Aufgang des Lichtes an dich wenden muss.
Weisheit Weish 27 16 29 Denn die Hoffnung des Undankbaren schmilzt wie winterlicher Reif und verrinnt wie unnützes Wasser.
Weisheit Weish 27 17 1 Groß und nicht zu ergründen sind deine Entscheide; darum verfiel in Irrtum, wer sich nicht belehren ließ.
Weisheit Weish 27 17 2 Denn die Frevler meinten, das heilige Volk knechten zu können; und jetzt lagen sie da, Gefangene der Finsternis, Gefesselte einer langen Nacht, eingeschlossen in den Häusern, von der ewigen Vorsehung verbannt.
Weisheit Weish 27 17 3 Sie glaubten, mit ihren geheimen Sünden unter der dunklen Decke der Vergessenheit verborgen zu sein; da packte sie furchtbares Entsetzen. Sie wurden durch Trugbilder aufgeschreckt und auseinander gejagt.
Weisheit Weish 27 17 4 Auch der geheimste Winkel, in den sie sich flüchteten, konnte sie nicht vor Furcht bewahren; Schrecken erregendes Getöse umbrauste sie, und düstere Gespenster mit finsteren Mienen tauchten auf.
Weisheit Weish 27 17 5 Keine Kraft irgendeines Feuers war stark genug, Licht zu bringen; nicht einmal der strahlende Glanz der Gestirne vermochte es, diese entsetzliche Nacht zu erhellen.
Weisheit Weish 27 17 6 Nur einen schaurigen Feuerherd, der sich von selbst entzündet hatte, sahen sie aufglühen; verschwand die Erscheinung, so hielten sie, außer sich vor Entsetzen, die Dinge, die sie sahen, für noch schlimmer.
Weisheit Weish 27 17 7 Da versagten die Gaukeleien der Zauberkunst und die Probe auf das prahlerische Wissen fiel schmählich aus.
Weisheit Weish 27 17 8 Jene, die immer versprachen, Furcht und Verwirrung von der kranken Seele zu bannen, krankten nun selber an einer lächerlichen Angst.
Weisheit Weish 27 17 9 Auch wenn nichts Schreckliches sie ängstigte, wurden sie durch raschelndes Getier und zischelnde Schlangen aufgescheucht und vergingen vor Furcht. Nicht einmal in die Luft wollten sie blicken, der man doch nirgends entfliehen kann.
Weisheit Weish 27 17 10 Denn die Schlechtigkeit bezeugt selbst ihr feiges Wesen, wenn sie gestraft wird. Unter dem Druck des Gewissens befürchtet sie immer das Schlimmste.
Weisheit Weish 27 17 11 Furcht ist ja nichts anderes als der Verzicht auf die von der Vernunft angebotene Hilfe.
Weisheit Weish 27 17 12 Je weniger man solche Hilfe erwartet, umso schlimmer erscheint es, die Ursache der Qual nicht zu kennen.
Weisheit Weish 27 17 13 In Wahrheit hatte jene Nacht keine Gewalt; aus den Tiefen der machtlosen Totenwelt war sie heraufgestiegen. Sie aber, die wie sonst schlafen wollten,
Weisheit Weish 27 17 14 wurden bald durch Schreckgespenster aufgescheucht, bald durch Mutlosigkeit gelähmt; denn plötzliche und unerwartete Furcht hatte sie befallen.
Weisheit Weish 27 17 15 So wurde jeder dort, wo er zu Boden sank, ein Gefangener, der in einen Kerker ohne Eisenfesseln eingeschlossen war.
Weisheit Weish 27 17 16 Ob Bauer oder Hirt oder ein Taglöhner, der einsam arbeitete, alle wurden überrascht und mussten sich dem unentrinnbaren Zwang fügen, alle wurden durch die gleiche Kette der Finsternis gefesselt.
Weisheit Weish 27 17 17 Das Pfeifen des Windes, der wohlklingende Gesang der Vögel auf den Zweigen der Bäume, das Rauschen ungestüm strömender Wasser, das wilde Donnern stürzender Felsen,
Weisheit Weish 27 17 18 das Laufen hüpfender Tiere, die man nicht sehen konnte, das laute Gebrüll wilder Raubtiere, das aus den Schluchten der Berge zurückgeworfene Echo: alles und jedes jagte ihnen lähmende Furcht ein.
Weisheit Weish 27 17 19 Die ganze Welt stand in strahlendem Licht und alle gingen ungehindert ihrer Arbeit nach.
Weisheit Weish 27 17 20 Nur über jene breitete sich drückende Nacht aus, Bild der Finsternis, die sie dereinst aufnehmen sollte. Doch mehr als unter der Finsternis litten sie unter ihrer eigenen Angst.
Weisheit Weish 27 18 1 Deinen Heiligen dagegen strahlte hellstes Licht. Die anderen hörten ihre Stimme, ohne sie selbst zu sehen, und priesen sie glücklich, mochten diese vorher noch so viel erduldet haben.
Weisheit Weish 27 18 2 Sie dankten ihnen, dass sie für das früher erlittene Unrecht keine Rache nahmen, und baten um Verzeihung für ihr feindliches Verhalten.
Weisheit Weish 27 18 3 Statt jener Finsternis gabst du den Deinen eine flammende Feuersäule als Führerin auf unbekanntem Weg, als freundliche Sonne auf ihrer ruhmvollen Wanderung.
Weisheit Weish 27 18 4 Jene hingegen hatten es verdient, des Lichtes beraubt und in Finsternis gefangen zu sein, weil sie einst deine Söhne eingeschlossen und gefangen hielten, durch die das unvergängliche Licht des Gesetzes der Welt gegeben werden sollte.
Weisheit Weish 27 18 5 Sie hatten beschlossen, die Kinder der Heiligen zu töten, und nur ein einziges Kind wurde ausgesetzt und gerettet. Zur Strafe hast du ihnen viele ihrer eigenen Kinder weggenommen und sie alle auf einmal in gewaltiger Wasserflut vernichtet.
Weisheit Weish 27 18 6 Jene Nacht wurde unseren Vätern vorher angekündigt; denn sie sollten zuversichtlich sein und sicher wissen, welchen eidlichen Zusagen sie vertrauen konnten.
Weisheit Weish 27 18 7 So erwartete dein Volk die Rettung der Gerechten und den Untergang der Feinde.
Weisheit Weish 27 18 8 Während du die Gegner straftest, hast du uns zu dir gerufen und verherrlicht.
Weisheit Weish 27 18 9 Denn im Verborgenen feierten die frommen Söhne der Guten ihr Opferfest; sie verpflichteten sich einmütig auf das göttliche Gesetz, dass die Heiligen in gleicher Weise Güter wie Gefahren teilen sollten, und sangen schon im Voraus die Loblieder der Väter.
Weisheit Weish 27 18 10 Da hallte ihnen das wirre Geschrei der Feinde entgegen und sie hörten die laute Klage über die toten Kinder.
Weisheit Weish 27 18 11 Das gleiche Urteil traf Herrn und Knecht; der Mann aus dem Volk und der König hatten das gleiche Leid zu tragen.
Weisheit Weish 27 18 12 Durch die gleiche Todesart hatten alle zusammen unzählige Tote. Es waren nicht genügend Lebende da, um sie zu begraben; denn mit einem Schlag waren die besten Nachkommen vernichtet worden.
Weisheit Weish 27 18 13 Bisher waren sie durch die Künste ihrer Zauberer ungläubig geblieben; jetzt aber mussten sie beim Untergang der Erstgeborenen bekennen: Dieses Volk ist Gottes Sohn.
Weisheit Weish 27 18 14 Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war,
Weisheit Weish 27 18 15 da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab als harter Krieger mitten in das dem Verderben geweihte Land.
Weisheit Weish 27 18 16 Es trug das scharfe Schwert deines unerbittlichen Befehls, trat hin und erfüllte alles mit Tod; es berührte den Himmel und stand auf der Erde.
Weisheit Weish 27 18 17 Plötzlich schreckten sie furchtbare Traumgesichte auf und ungeahnte Ängste überfielen sie.
Weisheit Weish 27 18 18 Einer stürzte hier, ein anderer dort halb tot zu Boden und bekannte, aus welchem Grund er sterben musste.
Weisheit Weish 27 18 19 Denn die erschreckenden Träume hatten es ihnen vorausgesagt; sie sollten nicht umkommen, ohne zu wissen, warum sie so Schlimmes erlitten.
Weisheit Weish 27 18 20 Auch die Gerechten lernten eine Probe des Todes kennen: Eine große Anzahl wurde in der Wüste dahingerafft; doch der Zorn hielt nicht lange an.
Weisheit Weish 27 18 21 Ein Mann ohne Tadel sprang als Vorkämpfer ein mit der Waffe seines heiligen Dienstes, mit Gebet und sühnendem Räucherwerk. Er trat dem Zorn entgegen, machte dem Unheil ein Ende und zeigte so, dass er dein Diener war.
Weisheit Weish 27 18 22 Er überwand die Not nicht durch Körperkraft und nicht durch Waffengewalt, sondern durch das Wort bezwang er den Strafenden, indem er ihn an die eidlich bekräftigten Bündnisse mit den Vätern erinnerte.
Weisheit Weish 27 18 23 Denn als die Toten sich schon häuften, trat er dazwischen, hielt seinen Ansturm auf und schnitt ihm den Weg zu den Lebenden ab.
Weisheit Weish 27 18 24 Auf seinem langen Gewand war die ganze Welt dargestellt, auf den vier Reihen der Edelsteine waren die ruhmreichen Namen der Väter eingeschnitten und auf seinem Stirnband dein hoheitsvoller Name.
Weisheit Weish 27 18 25 Davor wich der Verderber voll Furcht zurück; denn es genügte schon diese Probe des Zornes.
Weisheit Weish 27 19 1 Über die Frevler kam erbarmungsloser Zorn, bis sie vernichtet waren; denn Gott wusste im Voraus, wie sie sich verhalten würden:
Weisheit Weish 27 19 2 Sie selbst hatten den Abzug der Gerechten gestattet und sie sogar dazu gedrängt; dann aber änderten sie ihren Sinn und verfolgten sie.
Weisheit Weish 27 19 3 Sie waren noch mit der Bestattung der Toten beschäftigt und klagten an ihren Gräbern, als sie in ihrer Torheit einen anderen Entschluss fassten und denen wie Entlaufenen nachsetzten, denen sie flehentlich zugeredet hatten wegzugehen.
Weisheit Weish 27 19 4 Das selbst verschuldete Verhängnis trieb sie in diesen Untergang und ließ sie alles vergessen, was geschehen war; denn sie sollten über die bisherigen Plagen hinaus die äußerste Strafe erleiden.
Weisheit Weish 27 19 5 Deinem Volk aber sollte sich ein unerwarteter Weg eröffnen, während jene einen ungewöhnlichen Tod fanden.
Weisheit Weish 27 19 6 Das Wesen der ganzen Schöpfung wurde neu gestaltet; sie gehorchte deinen Befehlen, damit deine Kinder unversehrt bewahrt blieben.
Weisheit Weish 27 19 7 Man sah die Wolke, die das Lager überschattete, trockenes Land tauchte auf, wo zuvor Wasser war; es zeigte sich ein Weg ohne Hindernisse durch das Rote Meer, eine grüne Ebene stieg aus der gewaltigen Flut.
Weisheit Weish 27 19 8 Von deiner Hand behütet, zogen sie vollzählig hindurch und sahen staunenswerte Wunder.
Weisheit Weish 27 19 9 Sie weideten wie Rosse, hüpften wie Lämmer und lobten dich, Herr, ihren Retter.
Weisheit Weish 27 19 10 Denn sie dachten zudem auch an das, was im fremden Land geschehen war: wie Mücken nicht von Tieren, sondern von der Erde hervorgebracht wurden und wie der Fluss nicht Wassertiere, sondern eine Menge Frösche auswarf.
Weisheit Weish 27 19 11 Schließlich sahen sie auch Vögel auf eine neue Weise entstehen, als sie, um ihre Gier zu befriedigen, nach üppigen Speisen verlangten.
Weisheit Weish 27 19 12 Zu ihrem Trost entstiegen nämlich Wachteln dem Meer.
Weisheit Weish 27 19 13 Die Strafen kamen über die Sünder nicht ohne Warnung durch wuchtige Blitze. Mit Recht mussten sie für ihre bösen Taten leiden, weil sie einen so schlimmen Fremdenhass gezeigt hatten.
Weisheit Weish 27 19 14 Während andere die Unbekannten, die zu ihnen kamen, nicht aufnahmen, machten diese sogar Gäste, die ihre Wohltäter waren, zu Sklaven.
Weisheit Weish 27 19 15 Noch mehr: Gewiss wird auch jene eine Strafe treffen, weil sie Fremde feindselig empfangen hatten;
Weisheit Weish 27 19 16 diese aber haben Gäste, die sie festlich aufgenommen hatten und die schon die gleichen Bürgerrechte genossen, mit schwerem Frondienst geplagt.
Weisheit Weish 27 19 17 Wie jene an der Türe des Gerechten mit Blindheit geschlagen wurden, so auch diese, als sie von dichter Finsternis umgeben waren und jeder versuchte, seine Türe zu finden.
Weisheit Weish 27 19 18 Die Elemente verändern sich untereinander, wie auf einer Harfe die Töne den Rhythmus ändern und doch den gleichen Klang behalten. Dies lässt sich aus der Betrachtung der Geschehnisse deutlich erkennen.
Weisheit Weish 27 19 19 Landtiere verwandelten sich in Wassertiere und schwimmende Tiere stiegen ans Land.
Weisheit Weish 27 19 20 Das Feuer steigerte im Wasser die ihm eigene Kraft und das Wasser vergaß seine löschende Wirkung.
Weisheit Weish 27 19 21 Flammen verzehrten nicht das Fleisch der hinfälligen Tiere, die hineingerieten, noch schmolz im Feuer die eisartige, leicht schmelzende himmlische Speise.
Weisheit Weish 27 19 22 In allem hast du, Herr, dein Volk groß gemacht und verherrlicht; du hast es nicht im Stich gelassen, sondern bist ihm immer und überall beigestanden.
1 Genesis Gen 1 1 1 Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde;
19672 Kohelet Koh 25 12 12 Im Übrigen, mein Sohn, lass dich warnen! Es nimmt kein Ende mit dem vielen Bücherschreiben und viel Studieren ermüdet den Leib.
19673 Kohelet Koh 25 12 13 Hast du alles gehört, so lautet der Schluss: Fürchte Gott und achte auf seine Gebote! Das allein hat jeder Mensch nötig.
19674 Kohelet Koh 25 12 14 Denn Gott wird jedes Tun vor das Gericht bringen, das über alles Verborgene urteilt, es sei gut oder böse.
19675 Hohelied Hld 26 1 1 Das Hohelied Salomos.
19676 Hohelied Hld 26 1 2 Mit Küssen seines Mundes bedecke er mich. /Süßer als Wein ist deine Liebe.
19677 Hohelied Hld 26 1 3 Köstlich ist der Duft deiner Salben, /dein Name hingegossenes Salböl; /darum lieben dich die Mädchen.
19678 Hohelied Hld 26 1 4 Zieh mich her hinter dir! Lass uns eilen! /Der König führt mich in seine Gemächer. Jauchzen lasst uns, deiner uns freuen, /deine Liebe höher rühmen als Wein. /Dich liebt man zu Recht.
19679 Hohelied Hld 26 1 5 Braun bin ich, doch schön, /ihr Töchter Jerusalems, wie die Zelte von Kedar, /wie Salomos Decken.
19680 Hohelied Hld 26 1 6 Schaut mich nicht so an, /weil ich gebräunt bin. /Die Sonne hat mich verbrannt. Meiner Mutter Söhne waren mir böse, /ließen mich Weinberge hüten; /den eigenen Weinberg konnte ich nicht hüten.
19681 Hohelied Hld 26 1 7 Du, den meine Seele liebt, /sag mir: Wo weidest du die Herde? /Wo lagerst du am Mittag? Wozu soll ich erst umherirren /bei den Herden deiner Gefährten?
19682 Hohelied Hld 26 1 8 Wenn du das nicht weißt, /du schönste der Frauen, dann folge den Spuren der Schafe, /dann weide deine Zicklein /dort, wo die Hirten lagern.
19683 Hohelied Hld 26 1 9 Mit der Stute an Pharaos Wagen /vergleiche ich dich, meine Freundin.
19684 Hohelied Hld 26 1 10 Schön sind deine Wangen zwischen den Kettchen, /dein Hals in der Perlenschnur.
19685 Hohelied Hld 26 1 11 Machen wir dir noch goldene Kettchen, /kleine Silberkugeln daran.
19686 Hohelied Hld 26 1 12 Solange der König an der Tafel liegt, /gibt meine Narde ihren Duft.
19687 Hohelied Hld 26 1 13 Mein Geliebter ruht wie ein Beutel mit Myrrhe /an meiner Brust.
19688 Hohelied Hld 26 1 14 Eine Hennablüte ist mein Geliebter mir /aus den Weinbergen von En-Gedi.
19689 Hohelied Hld 26 1 15 Schön bist du, meine Freundin, /ja, du bist schön. /Zwei Tauben sind deine Augen.
19690 Hohelied Hld 26 1 16 Schön bist du, mein Geliebter, verlockend. /Frisches Grün ist unser Lager,
19691 Hohelied Hld 26 1 17 Zedern sind die Balken unseres Hauses, /Zypressen die Wände.
19692 Hohelied Hld 26 2 1 Ich bin eine Blume auf den Wiesen des Scharon, /eine Lilie der Täler.
19693 Hohelied Hld 26 2 2 Eine Lilie unter Disteln /ist meine Freundin unter den Mädchen.
19694 Hohelied Hld 26 2 3 Ein Apfelbaum unter Waldbäumen /ist mein Geliebter unter den Burschen. In seinem Schatten begehre ich zu sitzen. /Wie süß schmeckt seine Frucht meinem Gaumen!
19695 Hohelied Hld 26 2 4 In das Weinhaus hat er mich geführt. /Sein Zeichen über mir heißt Liebe.
19696 Hohelied Hld 26 2 5 Stärkt mich mit Traubenkuchen, /erquickt mich mit Äpfeln; /denn ich bin krank vor Liebe.
19697 Hohelied Hld 26 2 6 Seine Linke liegt unter meinem Kopf, /seine Rechte umfängt mich.
19698 Hohelied Hld 26 2 7 Bei den Gazellen und Hirschen auf der Flur /beschwöre ich euch, Jerusalems Töchter: Stört die Liebe nicht auf, /weckt sie nicht, /bis es ihr selbst gefällt.
19699 Hohelied Hld 26 2 8 Horch! Mein Geliebter! /Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge, /hüpft über die Hügel.
19700 Hohelied Hld 26 2 9 Der Gazelle gleicht mein Geliebter, /dem jungen Hirsch. Ja, draußen steht er /an der Wand unsres Hauses; er blickt durch die Fenster, /späht durch die Gitter.
19701 Hohelied Hld 26 2 10 Der Geliebte spricht zu mir: /Steh auf, meine Freundin, /meine Schöne, so komm doch!
19702 Hohelied Hld 26 2 11 Denn vorbei ist der Winter, /verrauscht der Regen.
19703 Hohelied Hld 26 2 12 Auf der Flur erscheinen die Blumen; /die Zeit zum Singen ist da. Die Stimme der Turteltaube /ist zu hören in unserem Land.
19704 Hohelied Hld 26 2 13 Am Feigenbaum reifen die ersten Früchte; /die blühenden Reben duften. Steh auf, meine Freundin, /meine Schöne, so komm doch!
19705 Hohelied Hld 26 2 14 Meine Taube im Felsennest, /versteckt an der Steilwand, dein Gesicht lass mich sehen, /deine Stimme hören! Denn süß ist deine Stimme, /lieblich dein Gesicht.
19706 Hohelied Hld 26 2 15 Fangt uns die Füchse, /die kleinen Füchse! Sie verwüsten die Weinberge, /unsre blühenden Reben.
19707 Hohelied Hld 26 2 16 Der Geliebte ist mein /und ich bin sein; /er weidet in den Lilien.
19708 Hohelied Hld 26 2 17 Wenn der Tag verweht /und die Schatten wachsen, komm du, mein Geliebter, /der Gazelle gleich, dem jungen Hirsch /auf den Balsambergen.
19709 Hohelied Hld 26 3 1 Des Nachts auf meinem Lager suchte ich ihn, /den meine Seele liebt. /Ich suchte ihn und fand ihn nicht.
19710 Hohelied Hld 26 3 2 Aufstehen will ich, die Stadt durchstreifen, /die Gassen und Plätze, /ihn suchen, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.
19711 Hohelied Hld 26 3 3 Mich fanden die Wächter /bei ihrer Runde durch die Stadt. Habt ihr ihn gesehen, /den meine Seele liebt?
19712 Hohelied Hld 26 3 4 Kaum war ich an ihnen vorüber, /fand ich ihn, den meine Seele liebt. Ich packte ihn, ließ ihn nicht mehr los, /bis ich ihn ins Haus meiner Mutter brachte, /in die Kammer derer, die mich geboren hat.
19713 Hohelied Hld 26 3 5 Bei den Gazellen und Hirschen der Flur /beschwöre ich euch, Jerusalems Töchter: Stört die Liebe nicht auf, /weckt sie nicht, /bis es ihr selbst gefällt.
19714 Hohelied Hld 26 3 6 Wer ist sie, /die da aus der Steppe heraufsteigt /in Säulen von Rauch, umwölkt von Myrrhe und Weihrauch, /von allen Wohlgerüchen der Händler?
19715 Hohelied Hld 26 3 7 Sieh da, das ist Salomos Sänfte; sechzig Helden geleiten sie, /Israels Helden,
19716 Hohelied Hld 26 3 8 alle vertraut mit dem Schwert, /geschult für den Kampf; jeder trägt sein Schwert an der Hüfte /gegen die Schrecken der Nacht.
19717 Hohelied Hld 26 3 9 Einen Tragsessel ließ König Salomo zimmern /aus Holz vom Libanon,
19718 Hohelied Hld 26 3 10 die Pfosten in Silber, /die Lehne in Gold, der Sitz in Purpur, /das Innere mit Steinen belegt.
19719 Hohelied Hld 26 3 11 Ihr Töchter Jerusalems, kommt heraus /und schaut, ihr Töchter Zions, /König Salomo mit der Krone! Damit hat ihn seine Mutter gekrönt /am Tage seiner Hochzeit, /an dem Tag seiner Herzensfreude.
19720 Hohelied Hld 26 4 1 Schön bist du, meine Freundin, /ja, du bist schön. Hinter dem Schleier /deine Augen wie Tauben. Dein Haar gleicht einer Herde von Ziegen, /die herabzieht von Gileads Bergen.
19721 Hohelied Hld 26 4 2 Deine Zähne sind wie eine Herde /frisch geschorener Schafe, /die aus der Schwemme steigen. Jeder Zahn hat sein Gegenstück, /keinem fehlt es.
19722 Hohelied Hld 26 4 3 Rote Bänder sind deine Lippen; /lieblich ist dein Mund. Dem Riss eines Granatapfels gleicht deine Schläfe /hinter dem Schleier.
19723 Hohelied Hld 26 4 4 Wie der Turm Davids ist dein Hals, /in Schichten von Steinen erbaut; tausend Schilde hängen daran, /lauter Waffen von Helden.
19724 Hohelied Hld 26 4 5 Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein, /wie die Zwillinge einer Gazelle, /die in den Lilien weiden.
19725 Hohelied Hld 26 4 6 Wenn der Tag verweht und die Schatten wachsen, /will ich zum Myrrhenberg gehen, /zum Weihrauchhügel.
19726 Hohelied Hld 26 4 7 Alles an dir ist schön, meine Freundin; /kein Makel haftet dir an.
19727 Hohelied Hld 26 4 8 Komm doch mit mir, meine Braut, vom Libanon, /weg vom Libanon komm du mit mir! Weg vom Gipfel des Amana, /von den Höhen des Senir und Hermon; weg von den Lagern der Löwen, /den Bergen der Panther.
19728 Hohelied Hld 26 4 9 Verzaubert hast du mich, /meine Schwester Braut; /ja verzaubert mit einem (Blick) deiner Augen, /mit einer Perle deiner Halskette.
19729 Hohelied Hld 26 4 10 Wie schön ist deine Liebe, /meine Schwester Braut; wie viel süßer ist deine Liebe als Wein, /der Duft deiner Salben köstlicher als alle Balsamdüfte.
19730 Hohelied Hld 26 4 11 Von deinen Lippen, Braut, tropft Honig; /Milch und Honig ist unter deiner Zunge. Der Duft deiner Kleider ist wie des Libanon Duft.
19731 Hohelied Hld 26 4 12 Ein verschlossener Garten ist meine Schwester Braut, /ein verschlossener Garten, /ein versiegelter Quell.
19732 Hohelied Hld 26 4 13 Ein Lustgarten sprosst aus dir, /Granatbäume mit köstlichen Früchten, /Hennadolden, Nardenblüten,
19733 Hohelied Hld 26 4 14 Narde, Krokus, Gewürzrohr und Zimt, /alle Weihrauchbäume, Myrrhe und Aloe, /allerbester Balsam.
19734 Hohelied Hld 26 4 15 Die Quelle des Gartens bist du, /ein Brunnen lebendigen Wassers, /Wasser vom Libanon.
19735 Hohelied Hld 26 4 16 Nordwind, erwache! Südwind, herbei! /Durchweht meinen Garten, /lasst strömen die Balsamdüfte! Mein Geliebter komme in seinen Garten /und esse von den köstlichen Früchten.
19736 Hohelied Hld 26 5 1 Ich komme in meinen Garten, Schwester Braut; /ich pflücke meine Myrrhe, den Balsam; esse meine Wabe samt dem Honig, /trinke meinen Wein und die Milch. Freunde, esst und trinkt, /berauscht euch an der Liebe!
19737 Hohelied Hld 26 5 2 Ich schlief, doch mein Herz war wach. /Horch, mein Geliebter klopft: Mach auf, meine Schwester und Freundin, /meine Taube, du Makellose! Mein Kopf ist voll Tau, /aus meinen Locken tropft die Nacht.
19738 Hohelied Hld 26 5 3 Ich habe mein Kleid schon abgelegt - /wie soll ich es wieder anziehen? Die Füße habe ich gewaschen - /soll ich sie wieder beschmutzen?
19739 Hohelied Hld 26 5 4 Mein Geliebter streckte die Hand durch die Luke; /da bebte mein Herz ihm entgegen.
19740 Hohelied Hld 26 5 5 Ich stand auf, dem Geliebten zu öffnen. /Da tropften meine Hände von Myrrhe am Griff des Riegels.
19741 Hohelied Hld 26 5 6 Ich öffnete meinem Geliebten: /Doch der Geliebte war weg, verschwunden. /Mir stockte der Atem: Er war weg. Ich suchte ihn, ich fand ihn nicht. /Ich rief ihn, er antwortete nicht.
19742 Hohelied Hld 26 5 7 Da fanden mich die Wächter bei ihrer Runde durch die Stadt; /sie schlugen, sie verletzten mich. Den Mantel entrissen sie mir, /die Wächter der Mauern.
19743 Hohelied Hld 26 5 8 Ich beschwöre euch, Jerusalems Töchter: /Wenn ihr meinen Geliebten findet, sagt ihm, /ich bin krank vor Liebe.
19744 Hohelied Hld 26 5 9 Was hat dein Geliebter den andern voraus, /du schönste der Frauen? Was hat dein Geliebter den andern voraus, /dass du so uns beschwörst?
19745 Hohelied Hld 26 5 10 Mein Geliebter ist weiß und rot, /ist ausgezeichnet vor Tausenden.
19746 Hohelied Hld 26 5 11 Sein Haupt ist reines Gold. /Seine Locken sind Rispen, rabenschwarz.
19747 Hohelied Hld 26 5 12 Seine Augen sind wie Tauben an Wasserbächen; /(die Zähne,) in Milch gebadet, sitzen fest.
19748 Hohelied Hld 26 5 13 Seine Wangen sind wie Balsambeete, /darin Gewürzkräuter sprießen, seine Lippen wie Lilien; /sie tropfen von flüssiger Myrrhe.
19749 Hohelied Hld 26 5 14 Seine Finger sind wie Stäbe aus Gold, /mit Steinen aus Tarschisch besetzt. Sein Leib ist wie eine Platte aus Elfenbein, /mit Saphiren bedeckt.
19750 Hohelied Hld 26 5 15 Seine Schenkel sind Marmorsäulen, /auf Sockeln von Feingold. Seine Gestalt ist wie der Libanon, /erlesen wie Zedern.
19751 Hohelied Hld 26 5 16 Sein Mund ist voll Süße; /alles ist Wonne an ihm. Das ist mein Geliebter, /ja, das ist mein Freund, /ihr Töchter Jerusalems.
19752 Hohelied Hld 26 6 1 Wohin ist dein Geliebter gegangen, /du schönste der Frauen? Wohin wandte sich dein Geliebter? /Wir wollen ihn suchen mit dir.
19753 Hohelied Hld 26 6 2 In seinen Garten ging mein Geliebter /zu den Balsambeeten, um in den Gartengründen zu weiden, /um Lilien zu pflücken.
19754 Hohelied Hld 26 6 3 Meinem Geliebten gehöre ich /und mir gehört der Geliebte, /der in den Lilien weidet.
19755 Hohelied Hld 26 6 4 Schön wie Tirza bist du, meine Freundin, /lieblich wie Jerusalem, /prächtig wie Himmelsbilder.
19756 Hohelied Hld 26 6 5 Wende deine Augen von mir, /denn sie verwirren mich. Dein Haar gleicht einer Herde von Ziegen, /die von Gilead herabziehen.
19757 Hohelied Hld 26 6 6 Deine Zähne sind wie eine Herde von Mutterschafen, /die aus der Schwemme steigen. Jeder Zahn hat sein Gegenstück, /keinem fehlt es.
19758 Hohelied Hld 26 6 7 Dem Riss eines Granatapfels gleicht deine Schläfe /hinter deinem Schleier.
19759 Hohelied Hld 26 6 8 Sechzig Königinnen (hat Salomo), /achtzig Nebenfrauen /und Mädchen ohne Zahl.
19760 Hohelied Hld 26 6 9 Doch einzig ist meine Taube, die Makellose, /die Einzige ihrer Mutter, /die Erwählte ihrer Gebärerin. Erblicken sie die Mädchen, /sie preisen sie; /Königinnen und Nebenfrauen rühmen sie.
19761 Hohelied Hld 26 6 10 Wer ist, die da erscheint wie das Morgenrot, /wie der Mond so schön, strahlend rein wie die Sonne, /prächtig wie Himmelsbilder?
19762 Hohelied Hld 26 6 11 In den Nussgarten stieg ich hinab, /um nach dem Sprossen der Palme zu sehen, um zu sehen, ob der Weinstock treibt, /die Granatbäume blühen.
19763 Hohelied Hld 26 6 12 Da entführte mich meine Seele, /ich weiß nicht wie, /zu den Wagen meines edlen Volkes.
19764 Hohelied Hld 26 7 1 Wende dich, wende dich, Schulammit! /Wende dich, wende dich, /damit wir dich betrachten. Was wollt ihr an Schulammit sehen? /Den Lager-Tanz!
19765 Hohelied Hld 26 7 2 Wie schön sind deine Schritte in den Sandalen, /du Edelgeborene. Deiner Hüften Rund ist wie Geschmeide, /gefertigt von Künstlerhand.
19766 Hohelied Hld 26 7 3 Dein Schoß ist ein rundes Becken, /Würzwein mangle ihm nicht. Dein Leib ist ein Weizenhügel, /mit Lilien umstellt.
19767 Hohelied Hld 26 7 4 Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein, /wie die Zwillinge einer Gazelle.
19768 Hohelied Hld 26 7 5 Dein Hals ist ein Turm aus Elfenbein. /Deine Augen sind wie die Teiche zu Heschbon /beim Tor von Bat-Rabbim. Deine Nase ist wie der Libanonturm, /der gegen Damaskus schaut.
19769 Hohelied Hld 26 7 6 Dein Haupt gleicht oben dem Karmel; /wie Purpur sind deine Haare; /ein König liegt in den Ringeln gefangen.
19770 Hohelied Hld 26 7 7 Wie schön bist du und wie reizend, /du Liebe voller Wonnen!
19771 Hohelied Hld 26 7 8 Wie eine Palme ist dein Wuchs; /deine Brüste sind wie Trauben.
19772 Hohelied Hld 26 7 9 Ich sage: Ersteigen will ich die Palme; /ich greife nach den Rispen. Trauben am Weinstock seien mir deine Brüste, /Apfelduft sei der Duft deines Atems,
19773 Hohelied Hld 26 7 10 dein Mund köstlicher Wein, /der glatt in mich eingeht, /der Lippen und Zähne mir netzt.
19774 Hohelied Hld 26 7 11 Ich gehöre meinem Geliebten /und ihn verlangt nach mir.
19775 Hohelied Hld 26 7 12 Komm, mein Geliebter, wandern wir auf das Land, /schlafen wir in den Dörfern.
19776 Hohelied Hld 26 7 13 Früh wollen wir dann zu den Weinbergen gehen /und sehen, ob der Weinstock schon treibt, ob die Rebenblüte sich öffnet, /ob die Granatbäume blühen. /Dort schenke ich dir meine Liebe.
19777 Hohelied Hld 26 7 14 Die Liebesäpfel duften; /an unsrer Tür warten alle köstlichen Früchte, frische und solche vom Vorjahr; /für dich hab ich sie aufgehoben, Geliebter.
19778 Hohelied Hld 26 8 1 Ach, wärst du doch mein Bruder, /genährt an der Brust meiner Mutter. Träfe ich dich dann draußen, /ich würde dich küssen; /niemand dürfte mich deshalb verachten.
19779 Hohelied Hld 26 8 2 Führen wollte ich dich, /in das Haus meiner Mutter dich bringen, /die mich erzogen hat. Würzwein gäbe ich dir zu trinken, /Granatapfelmost.
19780 Hohelied Hld 26 8 3 Seine Linke liegt unter meinem Kopf, /seine Rechte umfängt mich.
19781 Hohelied Hld 26 8 4 Ich beschwöre euch, Jerusalems Töchter: /Was stört ihr die Liebe auf, /warum weckt ihr sie, /ehe ihr selbst es gefällt?
19782 Hohelied Hld 26 8 5 Wer ist sie, /die aus der Steppe heraufsteigt, /auf ihren Geliebten gestützt? Unter dem Apfelbaum hab ich dich geweckt, /dort, wo deine Mutter dich empfing, /wo deine Gebärerin in Wehen lag.
19783 Hohelied Hld 26 8 6 Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz, /wie ein Siegel an deinen Arm! Stark wie der Tod ist die Liebe, /die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt. Ihre Gluten sind Feuergluten, /gewaltige Flammen.
19784 Hohelied Hld 26 8 7 Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; /auch Ströme schwemmen sie nicht weg. Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses, /nur verachten würde man ihn.
19785 Hohelied Hld 26 8 8 Wir haben eine kleine Schwester, /noch ohne Brüste. Was tun wir mit unsrer Schwester, /wenn jemand um sie wirbt?
19786 Hohelied Hld 26 8 9 Ist sie eine Mauer, /bauen wir silberne Zinnen auf ihr. Ist sie eine Tür, /versperren wir sie mit einem Zedernbrett.
19787 Hohelied Hld 26 8 10 Ich bin eine Mauer, /meine Brüste gleichen Türmen. Da hab ich in seinen Augen /Gefallen gefunden.
19788 Hohelied Hld 26 8 11 Salomo besaß einen Weinberg in Baal-Hamon; /den Weinberg übergab er Hütern. Für seine Frucht würde jeder /tausend Silberstücke bezahlen.
19789 Hohelied Hld 26 8 12 Mein eigener Weinberg liegt vor mir. /Die tausend lass ich dir, Salomo, /und zweihundert noch denen, /die seine Früchte hüten.
19790 Hohelied Hld 26 8 13 Die du in den Gärten weilst, /auf deine Stimme lauschen die Freunde; /lass sie mich hören!
19791 Hohelied Hld 26 8 14 Fort, fort, mein Geliebter, /der Gazelle gleich, dem jungen Hirsch /auf den Balsambergen.
19792 Weisheit Weish 27 1 1 Liebt Gerechtigkeit, ihr Herrscher der Erde, /denkt in Frömmigkeit an den Herrn, /sucht ihn mit reinem Herzen!
19793 Weisheit Weish 27 1 2 Denn er lässt sich finden von denen, die ihn nicht versuchen, /und zeigt sich denen, die ihm nicht misstrauen.
19794 Weisheit Weish 27 1 3 Verkehrte Gedanken trennen von Gott; /wird seine Macht herausgefordert, /dann weist sie die Toren zurück.
19795 Weisheit Weish 27 1 4 In eine Seele, die auf Böses sinnt, /kehrt die Weisheit nicht ein, /noch wohnt sie in einem Leib, /der sich der Sünde hingibt.
19796 Weisheit Weish 27 1 5 Denn der heilige Geist, der Lehrmeister, flieht vor der Falschheit, /er entfernt sich von unverständigen Gedanken /und wird verscheucht, wenn Unrecht naht.
19797 Weisheit Weish 27 1 6 Die Weisheit ist ein menschenfreundlicher Geist, /doch lässt sie die Reden des Lästerers nicht straflos; /denn Gott ist Zeuge seiner heimlichen Gedanken, /untrüglich durchschaut er sein Herz /und hört seine Worte.
19798 Weisheit Weish 27 1 7 Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis /und er, der alles zusammenhält, kennt jeden Laut.
19799 Weisheit Weish 27 1 8 Darum bleibt keiner verborgen, der Böses redet, /das Strafurteil geht nicht an ihm vorüber.
19800 Weisheit Weish 27 1 9 Die Pläne des Frevlers werden untersucht; /der Herr erfährt von seinen Reden /und bestraft seine Vergehen.
19801 Weisheit Weish 27 1 10 Denn das eifersüchtige Ohr hört alles, /kein leises Murren bleibt ihm verborgen.
19802 Weisheit Weish 27 1 11 Hütet euch also vor unnützem Murren /und verwehrt eurer Zunge das Verleumden! /Denn euer heimliches Reden verhallt nicht ungehört /und ein Mund, der lügt, tötet die Seele.
19803 Weisheit Weish 27 1 12 Jagt nicht dem Tod nach in den Irrungen eures Lebens /und zieht nicht durch euer Handeln das Verderben herbei!
19804 Weisheit Weish 27 1 13 Denn Gott hat den Tod nicht gemacht /und hat keine Freude am Untergang der Lebenden.
19805 Weisheit Weish 27 1 14 Zum Dasein hat er alles geschaffen /und heilbringend sind die Geschöpfe der Welt. /Kein Gift des Verderbens ist in ihnen, /das Reich des Todes hat keine Macht auf der Erde; /
19806 Weisheit Weish 27 1 15 denn die Gerechtigkeit ist unsterblich.
19807 Weisheit Weish 27 1 16 Die Frevler aber holen winkend und rufend den Tod herbei /und sehnen sich nach ihm wie nach einem Freund; /sie schließen einen Bund mit ihm, /weil sie es verdienen, ihm zu gehören.
19808 Weisheit Weish 27 2 1 Sie tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen: Kurz und traurig ist unser Leben; /für das Ende des Menschen gibt es keine Arznei /und man kennt keinen, der aus der Welt des Todes befreit.
19809 Weisheit Weish 27 2 2 Durch Zufall sind wir geworden /und danach werden wir sein, als wären wir nie gewesen. /Der Atem in unserer Nase ist Rauch /und das Denken ist ein Funke, /der vom Schlag des Herzens entfacht wird;
19810 Weisheit Weish 27 2 3 verlöscht er, dann zerfällt der Leib zu Asche /und der Geist verweht wie dünne Luft.
19811 Weisheit Weish 27 2 4 Unser Name wird bald vergessen, /niemand denkt mehr an unsere Taten. /Unser Leben geht vorüber wie die Spur einer Wolke /und löst sich auf wie ein Nebel, /der von den Strahlen der Sonne verscheucht /und von ihrer Wärme zu Boden gedrückt wird.
19812 Weisheit Weish 27 2 5 Unsere Zeit geht vorüber wie ein Schatten, /unser Ende wiederholt sich nicht; /es ist versiegelt und keiner kommt zurück.
19813 Weisheit Weish 27 2 6 Auf, lasst uns die Güter des Lebens genießen /und die Schöpfung auskosten, /wie es der Jugend zusteht.
19814 Weisheit Weish 27 2 7 Erlesener Wein und Salböl sollen uns reichlich fließen, /keine Blume des Frühlings darf uns entgehen.
19815 Weisheit Weish 27 2 8 Bekränzen wir uns mit Rosen, ehe sie verwelken;
19816 Weisheit Weish 27 2 9 keine Wiese bleibe unberührt /von unserem ausgelassenen Treiben. /Überall wollen wir Zeichen der Fröhlichkeit zurücklassen; /das ist unser Anteil, das fällt uns zu.
19817 Weisheit Weish 27 2 10 Lasst uns den Gerechten unterdrücken, /der in Armut lebt, /die Witwe nicht schonen /und das graue Haar des betagten Greises nicht scheuen!
19818 Weisheit Weish 27 2 11 Unsere Stärke soll bestimmen, was Gerechtigkeit ist; /denn das Schwache erweist sich als unnütz.
19819 Weisheit Weish 27 2 12 Lasst uns dem Gerechten auflauern! /Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. /Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor /und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung.
19820 Weisheit Weish 27 2 13 Er rühmt sich, die Erkenntnis Gottes zu besitzen, /und nennt sich einen Knecht des Herrn.
19821 Weisheit Weish 27 2 14 Er ist unserer Gesinnung ein lebendiger Vorwurf, /schon sein Anblick ist uns lästig;
19822 Weisheit Weish 27 2 15 denn er führt ein Leben, /das dem der andern nicht gleicht, /und seine Wege sind grundverschieden.
19823 Weisheit Weish 27 2 16 Als falsche Münze gelten wir ihm; /von unseren Wegen hält er sich fern wie von Unrat. /Das Ende der Gerechten preist er glücklich /und prahlt, Gott sei sein Vater.
19824 Weisheit Weish 27 2 17 Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, /und prüfen, wie es mit ihm ausgeht.
19825 Weisheit Weish 27 2 18 Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, /dann nimmt sich Gott seiner an /und entreißt ihn der Hand seiner Gegner.
19826 Weisheit Weish 27 2 19 Roh und grausam wollen wir mit ihm verfahren, /um seine Sanftmut kennen zu lernen, /seine Geduld zu erproben.
19827 Weisheit Weish 27 2 20 Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; /er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt.
19828 Weisheit Weish 27 2 21 So denken sie, aber sie irren sich; /denn ihre Schlechtigkeit macht sie blind.
19829 Weisheit Weish 27 2 22 Sie verstehen von Gottes Geheimnissen nichts, /sie hoffen nicht auf Lohn für die Frömmigkeit /und erwarten keine Auszeichnung für untadelige Seelen.
19830 Weisheit Weish 27 2 23 Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen /und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht.
19831 Weisheit Weish 27 2 24 Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt /und ihn erfahren alle, die ihm angehören.
19832 Weisheit Weish 27 3 1 Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand /und keine Qual kann sie berühren.
19833 Weisheit Weish 27 3 2 In den Augen der Toren sind sie gestorben, /ihr Heimgang gilt als Unglück,
19834 Weisheit Weish 27 3 3 ihr Scheiden von uns als Vernichtung; /sie aber sind in Frieden.
19835 Weisheit Weish 27 3 4 In den Augen der Menschen wurden sie gestraft; /doch ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit.
19836 Weisheit Weish 27 3 5 Ein wenig nur werden sie gezüchtigt; /doch sie empfangen große Wohltat. /Denn Gott hat sie geprüft /und fand sie seiner würdig.
19837 Weisheit Weish 27 3 6 Wie Gold im Schmelzofen hat er sie erprobt /und sie angenommen als ein vollgültiges Opfer.
19838 Weisheit Weish 27 3 7 Beim Endgericht werden sie aufleuchten /wie Funken, die durch ein Stoppelfeld sprühen.
19839 Weisheit Weish 27 3 8 Sie werden Völker richten /und über Nationen herrschen /und der Herr wird ihr König sein in Ewigkeit.
19840 Weisheit Weish 27 3 9 Alle, die auf ihn vertrauen, /werden die Wahrheit erkennen /und die Treuen werden bei ihm bleiben in Liebe. /Denn Gnade und Erbarmen wird seinen Erwählten zuteil.
19841 Weisheit Weish 27 3 10 Die Frevler aber werden für ihre Pläne bestraft, /sie, die den Gerechten missachtet haben /und vom Herrn abgefallen sind.
19842 Weisheit Weish 27 3 11 Unglücklich sind alle, /die Weisheit und Belehrung verachten; /leer ist ihre Hoffnung, vergeblich sind ihre Mühen /und wertlos ihre Taten.
19843 Weisheit Weish 27 3 12 Ihre Frauen sind unverständig /und ihre Kinder böse, /fluchbeladen ist ihr Geschlecht.
19844 Weisheit Weish 27 3 13 Selig ist die Kinderlose, die unschuldig blieb /und kein Lager der Sünde kannte; /sie wird gleich einer Mutter geehrt, /wenn die Seelen ihren Lohn empfangen.
19845 Weisheit Weish 27 3 14 Selig ist auch der Kinderlose, /der sich nicht frevelhaft verging /und gegen den Herrn nichts Böses plante; /besondere Gnade wird seiner Treue zuteil /und ein gar köstlicher Anteil am Tempel des Herrn.
19846 Weisheit Weish 27 3 15 Denn ruhmreich ist der Lohn guter Mühe /und unvergänglich die Wurzel der Klugheit.
19847 Weisheit Weish 27 3 16 Doch die Kinder von Ehebrechern verkümmern /und die Nachkommen einer sündigen Verbindung schwinden dahin.
19848 Weisheit Weish 27 3 17 Auch wenn sie lange leben, gelten sie nichts /und ehrlos ist am Ende ihr Alter.
19849 Weisheit Weish 27 3 18 Sterben sie früh, so haben sie keine Hoffnung /und keinen Trost am Tag des Gerichts;
19850 Weisheit Weish 27 3 19 denn schlimm ist das Ende eines schuldhaften Geschlechts.
19851 Weisheit Weish 27 4 1 Besser ist Kinderlosigkeit mit Tugend; unsterblich ist ihr Ruhm, /sie steht in Ehren bei Gott und bei den Menschen.
19852 Weisheit Weish 27 4 2 Ist sie zugegen, ahmt man sie nach; /ist sie entschwunden, sehnt man sie herbei. /In der Ewigkeit triumphiert sie, /geschmückt mit dem Kranz, /Siegerin im Wettstreit um einen edlen Preis.
19853 Weisheit Weish 27 4 3 Doch die große Kinderschar der Frevler bringt keinen Nutzen; /sie ist ein unechtes Gewächs, /treibt keine Wurzeln in die Tiefe /und fasst keinen sicheren Grund.
19854 Weisheit Weish 27 4 4 Breitet es auch eine Zeit lang üppig seine Zweige aus, /so wird es doch vom Wind hin und her geschüttelt /und von der Gewalt der Stürme entwurzelt.
19855 Weisheit Weish 27 4 5 Die Äste, die noch schwach sind, werden geknickt; /ihre Frucht ist unbrauchbar, unreif und ungenießbar, /zu gar nichts geeignet.
19856 Weisheit Weish 27 4 6 Denn die Kinder eines sündigen Beischlafs /treten im Gericht als Zeugen auf /für die Schlechtigkeit ihrer Eltern.
19857 Weisheit Weish 27 4 7 Der Gerechte aber, kommt auch sein Ende früh, /geht in Gottes Ruhe ein.
19858 Weisheit Weish 27 4 8 Denn ehrenvolles Alter besteht nicht in einem langen Leben /und wird nicht an der Zahl der Jahre gemessen.
19859 Weisheit Weish 27 4 9 Mehr als graues Haar bedeutet für die Menschen die Klugheit /und mehr als Greisenalter wiegt ein Leben ohne Tadel.
19860 Weisheit Weish 27 4 10 Er gefiel Gott und wurde von ihm geliebt; /da er mitten unter Sündern lebte, wurde er entrückt.
19861 Weisheit Weish 27 4 11 Er wurde weggenommen, /damit nicht Schlechtigkeit seine Einsicht verkehrte /und Arglist seine Seele täuschte.
19862 Weisheit Weish 27 4 12 Denn der Reiz des Bösen verdunkelt das Gute /und der Taumel der Begierde verdirbt den arglosen Sinn.
19863 Weisheit Weish 27 4 13 Früh vollendet, hat der Gerechte doch ein volles Leben gehabt;
19864 Weisheit Weish 27 4 14 da seine Seele dem Herrn gefiel, /enteilte sie aus der Mitte des Bösen. /Die Leute sahen es, ohne es zu verstehen; /sie nahmen es sich nicht zu Herzen,
19865 Weisheit Weish 27 4 15 dass Gnade und Erbarmen seinen Auserwählten zuteil wird, /Belohnung seinen Heiligen.
19866 Weisheit Weish 27 4 16 Der Gerechte, der entschlafen ist, /verurteilt die Frevler, die noch leben, /die früh vollendete Jugend /das hohe Alter des Ungerechten.
19867 Weisheit Weish 27 4 17 Die Frevler sehen das Ende des Weisen, /verstehen aber nicht, was der Herr mit ihm wollte /und warum er ihn in Sicherheit brachte.
19868 Weisheit Weish 27 4 18 Sie sehen es und gehen darüber hinweg; /doch der Herr lacht über sie.
19869 Weisheit Weish 27 4 19 Dann werden sie verachtete Leichen sein, /ewiger Spott bei den Toten. /Sie werden verstummen, /wenn er sie kopfüber hinabstürzt /und aus ihren Grundfesten reißt. /Sie werden völlig vernichtet und erleiden Qualen; /die Erinnerung an sie verschwindet.
19870 Weisheit Weish 27 4 20 Zitternd kommen sie zum Gericht über ihre Sünden; /ihre Vergehen treten ihnen entgegen und überführen sie.
19871 Weisheit Weish 27 5 1 Dann wird der Gerechte voll Zuversicht dastehen vor denen, die ihn bedrängt /und seine Mühen verachtet haben.
19872 Weisheit Weish 27 5 2 Wenn sie ihn sehen, packt sie entsetzliche Furcht /und sie geraten außer sich /über seine unerwartete Rettung.
19873 Weisheit Weish 27 5 3 Jetzt denken sie anders; /seufzend und voll Angst sagen sie zueinander:
19874 Weisheit Weish 27 5 4 Dieser war es, den wir einst verlachten, /verspotteten und verhöhnten, wir Toren. /Sein Leben hielten wir für Wahnsinn /und sein Ende für ehrlos.
19875 Weisheit Weish 27 5 5 Jetzt zählt er zu den Söhnen Gottes, /bei den Heiligen hat er sein Erbteil.
19876 Weisheit Weish 27 5 6 Also sind wir vom Weg der Wahrheit abgeirrt; /das Licht der Gerechtigkeit strahlte uns nicht /und die Sonne ging nicht für uns auf.
19877 Weisheit Weish 27 5 7 Bis zum Überdruss gingen wir die Pfade des Unrechts /und des Verderbens /und wanderten durch weglose Wüsten, /aber den Weg des Herrn erkannten wir nicht.
19878 Weisheit Weish 27 5 8 Was nützte uns der Übermut, /was brachten uns Reichtum und Prahlerei?
19879 Weisheit Weish 27 5 9 All das ist vorbei wie ein Schatten, /wie eine flüchtige Nachricht.
19880 Weisheit Weish 27 5 10 Wie wenn ein Schiff durch die wogende Flut fährt: /Ist es vorübergezogen, so ist von ihm keine Spur mehr zu finden, /kein Pfad seines Kiels in den Wellen.
19881 Weisheit Weish 27 5 11 Wie wenn ein Vogel durch die Luft fliegt: /Kein Zeichen findet sich von seiner Bahn, er peitscht die leichte Luft mit seinem Flügelschlag /und durchschneidet sie mit gewaltig rauschenden Schwingen, /doch bleibt kein Zeichen seines Weges in ihr zurück.
19882 Weisheit Weish 27 5 12 Oder wie wenn ein Pfeil auf das Ziel geschossen wird: /Die geteilte Luft strömt sofort wieder zusammen, /sodass man seine Bahn nicht mehr erkennt.
19883 Weisheit Weish 27 5 13 So sind wir ins Dasein getreten, um hinzuschwinden; /wir hatten keinerlei Tugend aufzuweisen, /sondern wurden von unserer Schlechtigkeit verschlungen.
19884 Weisheit Weish 27 5 14 Ja, die Hoffnung des Frevlers ist wie die Spreu, die der Wind verweht, /wie der Gischt, den der Sturm verjagt, /wie der Rauch, den der Wind zerstäubt; /sie schwindet wie die Erinnerung an einen flüchtigen Gast.
19885 Weisheit Weish 27 5 15 Die Gerechten aber leben in Ewigkeit, /der Herr belohnt sie, der Höchste sorgt für sie.
19886 Weisheit Weish 27 5 16 Darum werden sie aus der Hand des Herrn /das Reich der Herrlichkeit empfangen und die Krone der Schönheit. Denn er wird sie mit seiner Rechten behüten /und mit seinem Arm beschützen.
19887 Weisheit Weish 27 5 17 Er rüstet sich mit seinem Eifer /und macht die Schöpfung zur Waffe, mit der er die Feinde bestraft.
19888 Weisheit Weish 27 5 18 Als Panzer zieht er Gerechtigkeit an /und als Helm setzt er strenges Gericht auf.
19889 Weisheit Weish 27 5 19 Als Schild nimmt er unüberwindliche Heiligkeit /
19890 Weisheit Weish 27 5 20 und grimmigen Zorn schärft er zum Schwert; /zusammen mit ihm kämpft die ganze Welt gegen die Toren.
19891 Weisheit Weish 27 5 21 Treffsicher fahren die Blitzespfeile dahin; /abgeschossen aus den Wolken wie von einem wohlgerundeten Bogen, /fliegen sie auf ihr Ziel.
19892 Weisheit Weish 27 5 22 Eine Steinschleuder entsendet Hagelkörner, /die voll von göttlichem Zorn sind. Das Wasser des Meeres wütet gegen die Feinde /und Ströme schlagen grimmig über ihnen zusammen.
19893 Weisheit Weish 27 5 23 Der Atem des Allmächtigen erhebt sich gegen sie /und trägt sie wie ein Sturm davon. So bringt die Gesetzlosigkeit Verheerung über die ganze Erde /und das böse Tun stürzt die Throne der Mächtigen.
19894 Weisheit Weish 27 6 1 Hört also, ihr Könige, und seid verständig, /lernt, ihr Gebieter der ganzen Welt!
19895 Weisheit Weish 27 6 2 Horcht, ihr Herrscher der Massen, /die ihr stolz seid auf Völkerscharen!
19896 Weisheit Weish 27 6 3 Der Herr hat euch die Gewalt gegeben, /der Höchste die Herrschaft, /er, der eure Taten prüft und eure Pläne durchforscht.
19897 Weisheit Weish 27 6 4 Ihr seid Diener seines Reichs, /aber ihr habt kein gerechtes Urteil gefällt, das Gesetz nicht bewahrt /und die Weisung Gottes nicht befolgt.
19898 Weisheit Weish 27 6 5 Schnell und furchtbar wird er kommen und euch bestrafen; /denn über die Großen ergeht ein strenges Gericht.
19899 Weisheit Weish 27 6 6 Der Geringe erfährt Nachsicht und Erbarmen, /doch die Mächtigen werden gerichtet mit Macht.
19900 Weisheit Weish 27 6 7 Denn der Herrscher des Alls scheut niemand /und weicht vor keiner Größe zurück. Er hat Klein und Groß erschaffen /und trägt gleiche Sorge für alle;
19901 Weisheit Weish 27 6 8 den Mächtigen aber droht strenge Untersuchung.
19902 Weisheit Weish 27 6 9 An euch also, ihr Herrscher, richten sich meine Worte, /damit ihr Weisheit lernt und nicht sündigt.
19903 Weisheit Weish 27 6 10 Wer das Heilige heilig hält, wird geheiligt, /und wer sich darin unterweisen lässt, findet Schutz.
19904 Weisheit Weish 27 6 11 Verlangt also nach meinen Worten; /sehnt euch danach und ihr werdet gute Belehrung empfangen.
19905 Weisheit Weish 27 6 12 Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit; /wer sie liebt, erblickt sie schnell, /und wer sie sucht, findet sie.
19906 Weisheit Weish 27 6 13 Denen, die nach ihr verlangen, /gibt sie sich sogleich zu erkennen.
19907 Weisheit Weish 27 6 14 Wer sie am frühen Morgen sucht, braucht keine Mühe, /er findet sie vor seiner Türe sitzen.
19908 Weisheit Weish 27 6 15 Über sie nachzusinnen ist vollkommene Klugheit; /wer ihretwegen wacht, wird schnell von Sorge frei.
19909 Weisheit Weish 27 6 16 Sie geht selbst umher, um die zu suchen, die ihrer würdig sind; /freundlich erscheint sie ihnen auf allen Wegen /und kommt jenen entgegen, die an sie denken.
19910 Weisheit Weish 27 6 17 Ihr Anfang ist aufrichtiges Verlangen nach Bildung; /das eifrige Bemühen um Bildung aber ist Liebe.
19911 Weisheit Weish 27 6 18 Liebe ist Halten ihrer Gebote; /Erfüllen der Gebote sichert Unvergänglichkeit, /
19912 Weisheit Weish 27 6 19 und Unvergänglichkeit bringt in Gottes Nähe.
19913 Weisheit Weish 27 6 20 So führt das Verlangen nach Weisheit zur Herrschaft hinauf.
19914 Weisheit Weish 27 6 21 Ihr Herrscher der Völker, wenn ihr Gefallen an Thronen und Zeptern habt, /dann ehrt die Weisheit, damit ihr ewig herrscht.
19915 Weisheit Weish 27 6 22 Ich will verkünden, was die Weisheit ist und wie sie wurde, /und will euch kein Geheimnis verbergen. Ich will ihre Spur vom Anfang der Schöpfung an verfolgen, /ihre Kenntnis will ich verbreiten /und nicht an der Wahrheit vorbeigehen.
19916 Weisheit Weish 27 6 23 Verzehrender Neid soll mich nicht auf meinem Weg begleiten; /denn er hat mit der Weisheit nichts gemein.
19917 Weisheit Weish 27 6 24 Eine große Anzahl von Weisen ist Heil für die Welt, /ein kluger König ist Wohlstand für das Volk.
19918 Weisheit Weish 27 6 25 Lasst euch also durch meine Worte unterweisen; /es wird euch von Nutzen sein.
19919 Weisheit Weish 27 7 1 Auch ich bin ein sterblicher Mensch wie alle anderen, /Nachkomme des ersten, aus Erde gebildeten Menschen. Im Schoß der Mutter wurde ich zu Fleisch geformt, /
19920 Weisheit Weish 27 7 2 zu dem das Blut in zehn Monaten gerann durch den Samen des Mannes /und die Lust, die im Beischlaf hinzukam.
19921 Weisheit Weish 27 7 3 Geboren atmete auch ich die gemeinsame Luft, /ich fiel auf die Erde, die Gleiches von allen erduldet, /und Weinen war mein erster Laut wie bei allen.
19922 Weisheit Weish 27 7 4 In Windeln und mit Sorgen wurde ich aufgezogen; /
19923 Weisheit Weish 27 7 5 kein König trat anders ins Dasein.
19924 Weisheit Weish 27 7 6 Alle haben den einen gleichen Eingang zum Leben; /gleich ist auch der Ausgang.
19925 Weisheit Weish 27 7 7 Daher betete ich und es wurde mir Klugheit gegeben; /ich flehte und der Geist der Weisheit kam zu mir.
19926 Weisheit Weish 27 7 8 Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, /Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr.
19927 Weisheit Weish 27 7 9 Keinen Edelstein stellte ich ihr gleich; /denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand /und Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm.
19928 Weisheit Weish 27 7 10 Ich liebte sie mehr als Gesundheit und Schönheit /und zog ihren Besitz dem Lichte vor; /denn niemals erlischt der Glanz, /der von ihr ausstrahlt.
19929 Weisheit Weish 27 7 11 Zugleich mit ihr kam alles Gute zu mir, /unzählbare Reichtümer waren in ihren Händen.
19930 Weisheit Weish 27 7 12 Ich freute mich über sie alle, /weil die Weisheit lehrt, sie richtig zu gebrauchen, /wusste aber nicht, dass sie auch deren Ursprung ist.
19931 Weisheit Weish 27 7 13 Uneigennützig lernte ich und neidlos gebe ich weiter; /ihren Reichtum behalte ich nicht für mich.
19932 Weisheit Weish 27 7 14 Ein unerschöpflicher Schatz ist sie für die Menschen; /alle, die ihn erwerben, erlangen die Freundschaft Gottes. /Sie sind empfohlen durch die Gaben der Unterweisung.
19933 Weisheit Weish 27 7 15 Mir aber gewähre Gott, nach meiner Einsicht zu sprechen /und zu denken, wie die empfangenen Gaben es wert sind; denn er ist der Führer der Weisheit /und hält die Weisen auf dem rechten Weg.
19934 Weisheit Weish 27 7 16 Wir und unsere Worte sind in seiner Hand, /auch alle Klugheit und praktische Erfahrung.
19935 Weisheit Weish 27 7 17 Er verlieh mir untrügliche Kenntnis der Dinge, /sodass ich den Aufbau der Welt und das Wirken der Elemente verstehe,
19936 Weisheit Weish 27 7 18 Anfang und Ende und Mitte der Zeiten, /die Abfolge der Sonnenwenden und den Wandel der Jahreszeiten,
19937 Weisheit Weish 27 7 19 den Kreislauf der Jahre und die Stellung der Sterne,
19938 Weisheit Weish 27 7 20 die Natur der Tiere und die Wildheit der Raubtiere, /die Gewalt der Geister und die Gedanken der Menschen, /die Verschiedenheit der Pflanzen und die Kräfte der Wurzeln.
19939 Weisheit Weish 27 7 21 Alles Verborgene und alles Offenbare habe ich erkannt; /denn es lehrte mich die Weisheit, die Meisterin aller Dinge.
19940 Weisheit Weish 27 7 22 In ihr ist ein Geist, /gedankenvoll, heilig, einzigartig, mannigfaltig, zart, beweglich, /durchdringend, unbefleckt, klar, /unverletzlich, das Gute liebend, scharf,
19941 Weisheit Weish 27 7 23 nicht zu hemmen, wohltätig, menschenfreundlich, /fest, sicher, ohne Sorge, alles vermögend, alles überwachend /und alle Geister durchdringend, /die denkenden, reinen und zartesten.
19942 Weisheit Weish 27 7 24 Denn die Weisheit ist beweglicher als alle Bewegung; /in ihrer Reinheit durchdringt und erfüllt sie alles.
19943 Weisheit Weish 27 7 25 Sie ist ein Hauch der Kraft Gottes /und reiner Ausfluss der Herrlichkeit des Allherrschers; /darum fällt kein Schatten auf sie.
19944 Weisheit Weish 27 7 26 Sie ist der Widerschein des ewigen Lichts, /der ungetrübte Spiegel von Gottes Kraft, /das Bild seiner Vollkommenheit.
19945 Weisheit Weish 27 7 27 Sie ist nur eine und vermag doch alles; /ohne sich zu ändern, erneuert sie alles. Von Geschlecht zu Geschlecht tritt sie in heilige Seelen ein /und schafft Freunde Gottes und Propheten;
19946 Weisheit Weish 27 7 28 denn Gott liebt nur den, /der mit der Weisheit zusammenwohnt.
19947 Weisheit Weish 27 7 29 Sie ist schöner als die Sonne /und übertrifft jedes Sternbild. /Sie ist strahlender als das Licht;
19948 Weisheit Weish 27 7 30 denn diesem folgt die Nacht, /doch über die Weisheit siegt keine Schlechtigkeit.
19949 Weisheit Weish 27 8 1 Machtvoll entfaltet sie ihre Kraft von einem Ende zum andern /und durchwaltet voll Güte das All.
19950 Weisheit Weish 27 8 2 Sie habe ich geliebt und gesucht von Jugend auf, /ich suchte sie als Braut heimzuführen /und fand Gefallen an ihrer Schönheit.
19951 Weisheit Weish 27 8 3 Im Umgang mit Gott beweist sie ihren Adel, /der Herr über das All gewann sie lieb.
19952 Weisheit Weish 27 8 4 Eingeweiht in das Wissen Gottes, /bestimmte sie seine Werke.
19953 Weisheit Weish 27 8 5 Ist Reichtum begehrenswerter Besitz im Leben, /was ist dann reicher als die Weisheit, die in allem wirkt?
19954 Weisheit Weish 27 8 6 Wenn Klugheit wirksam ist, /wer in aller Welt ist ein größerer Meister als sie?
19955 Weisheit Weish 27 8 7 Wenn jemand Gerechtigkeit liebt, /in ihren Mühen findet er die Tugenden. Denn sie lehrt Maß und Klugheit, /Gerechtigkeit und Tapferkeit, /die Tugenden, die im Leben der Menschen nützlicher sind als alles andere.
19956 Weisheit Weish 27 8 8 Wenn jemand nach reicher Erfahrung strebt: /sie kennt das Vergangene und errät das Kommende, sie versteht, die Worte schön zu formen und Rätselhaftes zu deuten; /sie weiß im Voraus Zeichen und Wunder /und kennt den Ausgang von Perioden und Zeiten.
19957 Weisheit Weish 27 8 9 So beschloss ich, sie als Lebensgefährtin heimzuführen; /denn ich wusste, dass sie mir guten Rat gibt /und Trost in Sorge und Leid.
19958 Weisheit Weish 27 8 10 Mit ihr werde ich Ruhm beim Volke haben /und trotz meiner Jugend vom Alter geehrt sein.
19959 Weisheit Weish 27 8 11 Ich werde als scharfsinniger Richter gelten /und in den Augen der Mächtigen Staunen erregen.
19960 Weisheit Weish 27 8 12 Schweige ich, so warten sie in Spannung, /spreche ich, so merken sie auf, /rede ich länger, so legen sie die Hand auf den Mund.
19961 Weisheit Weish 27 8 13 Mit ihr werde ich Unsterblichkeit erlangen /und ewigen Ruhm bei der Nachwelt hinterlassen.
19962 Weisheit Weish 27 8 14 Völker werde ich sorgsam leiten /und Nationen werden mir untertan sein.
19963 Weisheit Weish 27 8 15 Schreckliche Tyrannen werden mich fürchten, wenn sie von mir hören; /in der Volksversammlung werde ich mich als tüchtig und im Krieg als tapfer erweisen.
19964 Weisheit Weish 27 8 16 Komme ich nach Hause, /dann werde ich bei ihr ausruhen; denn der Umgang mit ihr hat nichts Bitteres, /das Leben mit ihr kennt keinen Schmerz, /sondern nur Frohsinn und Freude.
19965 Weisheit Weish 27 8 17 Als ich dies bei mir überlegte und in meinem Herzen erwog, /dass das Leben mit der Weisheit Unsterblichkeit bringt,
19966 Weisheit Weish 27 8 18 die Freundschaft mit ihr reine Freude /und die Mühen ihrer Hände unerschöpflichen Reichtum, dass stete Gemeinschaft mit ihr Klugheit bringt /und das Zwiegespräch mit ihr Ruhm -, /da ging ich auf die Suche nach ihr, um sie heimzuführen.
19967 Weisheit Weish 27 8 19 Ich war ein begabtes Kind und hatte eine gute Seele erhalten,
19968 Weisheit Weish 27 8 20 oder vielmehr: gut, wie ich war, kam ich in einen unverdorbenen Leib.
19969 Weisheit Weish 27 8 21 Ich erkannte aber, dass ich die Weisheit nur als Geschenk Gottes erhalten könne - und schon hier war es die Klugheit, die mich erkennen ließ, wessen Gnadengeschenk sie ist. Daher wandte ich mich an den Herrn und sprach zu ihm aus ganzem Herzen:
19970 Weisheit Weish 27 9 1 Gott der Väter und Herr des Erbarmens, /du hast das All durch dein Wort gemacht.
19971 Weisheit Weish 27 9 2 Den Menschen hast du durch deine Weisheit erschaffen, /damit er über deine Geschöpfe herrscht.
19972 Weisheit Weish 27 9 3 Er soll die Welt in Heiligkeit und Gerechtigkeit leiten /und Gericht halten in rechter Gesinnung.
19973 Weisheit Weish 27 9 4 Gib mir die Weisheit, die an deiner Seite thront, /und verstoß mich nicht aus der Schar deiner Kinder!
19974 Weisheit Weish 27 9 5 Ich bin ja dein Knecht, der Sohn deiner Magd, /ein schwacher Mensch, dessen Leben nur kurz ist, /und gering ist meine Einsicht in Recht und Gesetz.
19975 Weisheit Weish 27 9 6 Wäre einer auch vollkommen unter den Menschen, /er wird kein Ansehen genießen, wenn ihm deine Weisheit fehlt.
19976 Weisheit Weish 27 9 7 Du bist es, der mich zum König deines Volkes /und zum Richter deiner Söhne und Töchter erwählt hat.
19977 Weisheit Weish 27 9 8 Du hast befohlen, einen Tempel auf deinem heiligen Berg zu bauen /und einen Altar in der Stadt deiner Wohnung, /ein Abbild des heiligen Zeltes, das du von Anfang an entworfen hast.
19978 Weisheit Weish 27 9 9 Mit dir ist die Weisheit, die deine Werke kennt /und die zugegen war, als du die Welt erschufst. Sie weiß, was dir gefällt /und was recht ist nach deinen Geboten.
19979 Weisheit Weish 27 9 10 Sende sie vom heiligen Himmel /und schick sie vom Thron deiner Herrlichkeit, damit sie bei mir sei und alle Mühe mit mir teile /und damit ich erkenne, was dir gefällt.
19980 Weisheit Weish 27 9 11 Denn sie weiß und versteht alles; /sie wird mich in meinem Tun besonnen leiten /und mich in ihrem Lichtglanz schützen.
19981 Weisheit Weish 27 9 12 Dann wird dir mein Handeln gefallen; /ich werde dein Volk gerecht regieren /und des Throns meines Vaters würdig sein.
19982 Weisheit Weish 27 9 13 Denn welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen, /oder wer begreift, was der Herr will?
19983 Weisheit Weish 27 9 14 Unsicher sind die Berechnungen der Sterblichen /und hinfällig unsere Gedanken;
19984 Weisheit Weish 27 9 15 denn der vergängliche Leib beschwert die Seele /und das irdische Zelt belastet den um vieles besorgten Geist.
19985 Weisheit Weish 27 9 16 Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, /und finden nur mit Mühe, was doch auf der Hand liegt; /wer kann dann ergründen, was im Himmel ist?
19986 Weisheit Weish 27 9 17 Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben /und deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast?
19987 Weisheit Weish 27 9 18 So wurden die Pfade der Erdenbewohner gerade gemacht /und die Menschen lernten, was dir gefällt;
19988 Weisheit Weish 27 9 19 durch die Weisheit wurden sie gerettet.
19989 Weisheit Weish 27 10 1 Sie hat den Urvater der Welt nach seiner Erschaffung behütet, als er noch allein war; sie hat ihn aus seiner Sünde befreit
19990 Weisheit Weish 27 10 2 und ihm die Kraft gegeben, über alles zu herrschen.
19991 Weisheit Weish 27 10 3 Ein Ungerechter aber, der in seinem Zorn von ihr abfiel, ging durch seine Leidenschaft zugrunde, die ihn zum Brudermord trieb.
19992 Weisheit Weish 27 10 4 Die Weisheit hat die Erde, die seinetwegen überflutet wurde, wieder gerettet und den Gerechten auf wertlosem Holz durch die Wasser gesteuert.
19993 Weisheit Weish 27 10 5 Als die Völker, einmütig nur in ihrer Schlechtigkeit, durch die Verwirrung ihrer Sprache getrennt wurden, erwählte sie den Gerechten und behütete ihn, sodass er vor Gott ohne Tadel war und trotz der Liebe zu seinem Kind stark blieb.
19994 Weisheit Weish 27 10 6 Als die Frevler zugrunde gingen, rettete sie einen Gerechten, sodass er vor dem Feuer fliehen konnte, das auf die fünf Städte fiel;
19995 Weisheit Weish 27 10 7 von ihrer Schlechtigkeit zeugen heute noch rauchendes Ödland und Pflanzen, die zur Unzeit Früchte tragen, und eine Salzsäule ragt als Denkmal einer ungläubigen Seele empor.
19996 Weisheit Weish 27 10 8 Jene, die an der Weisheit achtlos vorübergingen, erlitten nicht nur Schaden, weil sie das Gute nicht erkannten, sondern sie hinterließen auch den Lebenden ein Mahnmal ihrer Torheit, damit nicht verborgen bleibe, worin sie sich verfehlt hatten.
19997 Weisheit Weish 27 10 9 Die Weisheit aber rettete ihre Diener aus jeglicher Mühsal.
19998 Weisheit Weish 27 10 10 Einen Gerechten, der vor dem Zorn des Bruders floh, geleitete sie auf geraden Wegen, zeigte ihm das Reich Gottes und enthüllte ihm heilige Geheimnisse. Sie machte ihn reich bei seiner harten Arbeit und vermehrte den Ertrag seiner Mühen.
19999 Weisheit Weish 27 10 11 Sie half ihm gegen die Habsucht seiner Unterdrücker und verschaffte ihm Wohlstand.
20000 Weisheit Weish 27 10 12 Sie beschützte ihn vor seinen Feinden und gab ihm Sicherheit vor seinen Verfolgern. In einem harten Kampf verlieh sie ihm den Siegespreis, damit er erkannte, dass Gottesfurcht stärker als alles andere ist.
20001 Weisheit Weish 27 10 13 Einen Gerechten, der verkauft worden war, ließ sie nicht im Stich, sondern bewahrte ihn vor der Sünde.
20002 Weisheit Weish 27 10 14 Sie stieg mit ihm in den Kerker hinab und verließ ihn während seiner Gefangenschaft nicht, bis sie ihm das königliche Zepter brachte und Gewalt über seine Bedrücker. Sie überführte alle, die ihn beschuldigt hatten, als Lügner und verlieh ihm ewigen Ruhm.
20003 Weisheit Weish 27 10 15 Sie hat ein heiliges Volk, ein untadeliges Geschlecht, aus der Gewalt einer Nation gerettet, die es unterdrückte.
20004 Weisheit Weish 27 10 16 Sie ging in die Seele eines Dieners des Herrn ein und widerstand schrecklichen Königen durch Zeichen und Wunder.
20005 Weisheit Weish 27 10 17 Sie gab den Heiligen den Lohn ihrer Mühen und geleitete sie auf wunderbarem Weg. Sie wurde ihnen am Tag zum Schutz und in der Nacht zum Sternenlicht.
20006 Weisheit Weish 27 10 18 Sie führte sie durch das Rote Meer und geleitete sie durch gewaltige Wasser.
20007 Weisheit Weish 27 10 19 Ihre Feinde aber ließ sie in der Flut ertrinken und spülte sie aus der Tiefe des Abgrunds ans Land.
20008 Weisheit Weish 27 10 20 Darum plünderten die Gerechten die Frevler aus, sie priesen, Herr, deinen heiligen Namen und lobten einmütig deine schützende Hand.
20009 Weisheit Weish 27 10 21 Denn die Weisheit hat den Mund der Stummen geöffnet und die Zungen der Unmündigen hat sie beredt gemacht.
20010 Weisheit Weish 27 11 1 Sie ließ alles gelingen, was sie unter der Führung des heiligen Propheten unternahmen.
20011 Weisheit Weish 27 11 2 Sie zogen durch eine unbewohnte Wüste und schlugen in unwegsamen Gegenden ihre Zelte auf.
20012 Weisheit Weish 27 11 3 Sie leisteten ihren Feinden Widerstand und wehrten ihre Gegner ab.
20013 Weisheit Weish 27 11 4 Als sie dürsteten und dich anriefen, wurde ihnen Wasser aus schroffem Fels gegeben, sodass sie ihren Durst stillen konnten aus hartem Gestein.
20014 Weisheit Weish 27 11 5 Denn was ihren Feinden zur Strafe wurde, das empfingen sie als Wohltat in ihrer Not.
20015 Weisheit Weish 27 11 6 Der ständig fließende Strom wurde durch schmutziges Blut getrübt.
20016 Weisheit Weish 27 11 7 So wurden jene für den befohlenen Kindermord gestraft. Diesen aber gabst du wider Erwarten reichlich Wasser,
20017 Weisheit Weish 27 11 8 nachdem du ihnen vorher durch ihren Durst gezeigt hattest, wie ihre Gegner von dir bestraft wurden.
20018 Weisheit Weish 27 11 9 Denn als sie geprüft und, wenn auch nur milde, zurechtgewiesen wurden, da erkannten sie, wie die Frevler im Zorn gerichtet und gepeinigt worden waren.
20019 Weisheit Weish 27 11 10 Sie hast du wie ein mahnender Vater auf die Probe gestellt, die Frevler aber wie ein strenger König gerichtet und verurteilt.
20020 Weisheit Weish 27 11 11 Fern von den Gerechten wurden sie ebenso geplagt wie damals, als sie ihnen noch nahe waren;
20021 Weisheit Weish 27 11 12 denn zweifaches Leid und Seufzen brachte ihnen die Erinnerung an das Vergangene:
20022 Weisheit Weish 27 11 13 Als sie nämlich hörten, dass ihre eigene Bestrafung jenen sogar zur Wohltat geworden war, da erkannten sie das Wirken des Herrn.
20023 Weisheit Weish 27 11 14 Den sie einst ausgesetzt und weggeworfen, den sie mit Hohn abgewiesen hatten, den mussten sie am Ende von allem bestaunen, nachdem sie einen viel schlimmeren Durst gelitten hatten als die Gerechten.
20024 Weisheit Weish 27 11 15 Zur Strafe für ihre frevlerische Torheit, in die sie sich verirrt hatten, als sie vernunftloses Gewürm und armseliges Ungeziefer verehrten, sandtest du ihnen eine Menge vernunftloser Tiere.
20025 Weisheit Weish 27 11 16 Sie sollten erkennen: Man wird mit dem gestraft, womit man sündigt.
20026 Weisheit Weish 27 11 17 Für deine allmächtige Hand, die aus ungeformtem Stoff die Welt gestaltet hat, wäre es keine Schwierigkeit gewesen, eine Menge von Bären gegen sie zu senden oder grimmige Löwen
20027 Weisheit Weish 27 11 18 oder unbekannte, neu geschaffene, wuterfüllte Tiere, die Feuer sprühenden Atem aushauchen oder zischenden Dampf ausstoßen oder schreckliche Funken aus den Augen sprühen.
20028 Weisheit Weish 27 11 19 Nicht nur ihre verderbliche Gewalt hätte sie zermalmen, schon ihr Furcht erregender Anblick hätte sie vernichten können.
20029 Weisheit Weish 27 11 20 Aber abgesehen davon hätten sie durch einen einzigen Hauch fallen können, verfolgt von deinem Strafgericht und fortgeweht vom Sturm deiner Macht. Du aber hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet.
20030 Weisheit Weish 27 11 21 Denn du bist immer imstande, deine große Macht zu entfalten. Wer könnte der Kraft deines Arms widerstehen?
20031 Weisheit Weish 27 11 22 Die ganze Welt ist ja vor dir wie ein Stäubchen auf der Waage, wie ein Tautropfen, der am Morgen zur Erde fällt.
20032 Weisheit Weish 27 11 23 Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst, und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit sie sich bekehren.
20033 Weisheit Weish 27 11 24 Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen.
20034 Weisheit Weish 27 11 25 Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre?
20035 Weisheit Weish 27 11 26 Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.
20036 Weisheit Weish 27 12 1 Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist.
20037 Weisheit Weish 27 12 2 Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach; du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden, damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden und an dich glauben, Herr.
20038 Weisheit Weish 27 12 3 Du hast auch die früheren Bewohner deines heiligen Landes gehasst,
20039 Weisheit Weish 27 12 4 weil sie abscheuliche Verbrechen verübten, Zauberkünste und unheilige Festbräuche;
20040 Weisheit Weish 27 12 5 sie waren erbarmungslose Kindermörder und verzehrten beim Opfermahl Menschenfleisch und Menschenblut. Darum beschlossest du, mitten im Gelage die Teilnehmer
20041 Weisheit Weish 27 12 6 und deren Eltern, die mit eigener Hand hilflose Wesen töteten, durch die Hände unserer Väter zu vernichten;
20042 Weisheit Weish 27 12 7 denn das Land, das dir vor allen anderen teuer ist, sollte eine seiner würdige Bevölkerung von Gotteskindern erhalten.
20043 Weisheit Weish 27 12 8 Doch selbst mit jenen gingst du schonend um, weil sie Menschen waren; du sandtest deinem Heer Hornissen voraus, um sie nach und nach zu vernichten.
20044 Weisheit Weish 27 12 9 Obgleich du die Macht hattest, in einer Schlacht die Frevler den Gerechten in die Hand zu geben oder sie durch wilde Tiere oder ein unerbittliches Wort mit einem Schlag auszurotten,
20045 Weisheit Weish 27 12 10 vollzogst du doch erst nach und nach die Strafe und ließest so Zeit für die Umkehr. Dabei wusstest du genau, dass ihr Ursprung böse und ihre Schlechtigkeit angeboren war und dass sich ihr Denken in Ewigkeit nicht ändern werde;
20046 Weisheit Weish 27 12 11 sie waren schon von Anfang an ein verfluchter Stamm. Keine Furcht vor irgendjemand hat dich dazu bestimmt, sie für ihre Sünden ohne Strafe zu lassen.
20047 Weisheit Weish 27 12 12 Denn wer darf sagen: Was hast du getan? Wer vermag sich deinem Urteilsspruch zu widersetzen? Wer könnte dich anklagen wegen des Untergangs von Völkern, die du selbst geschaffen hast? Wer wollte gegen dich auftreten als Anwalt schuldiger Menschen?
20048 Weisheit Weish 27 12 13 Denn es gibt keinen Gott außer dir, der für alles Sorge trägt; daher brauchst du nicht zu beweisen, dass du gerecht geurteilt hast.
20049 Weisheit Weish 27 12 14 Kein König und kein Herrscher kann dich zur Rede stellen wegen der Menschen, die du gestraft hast.
20050 Weisheit Weish 27 12 15 Gerecht, wie du bist, verwaltest du das All gerecht und hältst es für unvereinbar mit deiner Macht, den zu verurteilen, der keine Strafe verdient.
20051 Weisheit Weish 27 12 16 Deine Stärke ist die Grundlage deiner Gerechtigkeit und deine Herrschaft über alles lässt dich gegen alles Nachsicht üben.
20052 Weisheit Weish 27 12 17 Stärke beweist du, wenn man an deine unbeschränkte Macht nicht glaubt, und bei denen, die sie kennen, strafst du die trotzige Auflehnung.
20053 Weisheit Weish 27 12 18 Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde und behandelst uns mit großer Nachsicht; denn die Macht steht dir zur Verfügung, wann immer du willst.
20054 Weisheit Weish 27 12 19 Durch solches Handeln hast du dein Volk gelehrt, dass der Gerechte menschenfreundlich sein muss, und hast deinen Söhnen die Hoffnung geschenkt, dass du den Sündern die Umkehr gewährst.
20055 Weisheit Weish 27 12 20 Du hast die Feinde deiner Kinder, auch wenn sie den Tod verdienten, sehr nachsichtig und nur nach und nach gestraft und ihnen Zeit und Möglichkeit gegeben, sich von ihrer Schlechtigkeit abzuwenden.
20056 Weisheit Weish 27 12 21 Aber wie viel umsichtiger noch hast du deine Söhne bestraft, deren Vätern du Gutes verheißen hast, als du mit ihnen unter Eid den Bund schlossest.
20057 Weisheit Weish 27 12 22 Während du uns erziehst, geißelst du unsere Feinde zehntausendfach, damit wir als Richter deine Güte uns zum Vorbild nehmen und auf Erbarmen hoffen, wenn wir selber vor dem Gericht stehen.
20058 Weisheit Weish 27 12 23 Du hast jene, die in Torheit und Unrecht dahinlebten, mit ihren eigenen Gräueln gepeinigt.
20059 Weisheit Weish 27 12 24 Allzu weit waren sie in die Irre gegangen, als sie die allerhässlichsten und verachtetsten Tiere für Götter hielten und wie unverständige Kinder sich täuschen ließen.
20060 Weisheit Weish 27 12 25 Darum hast du ihnen wie unvernünftigen Kindern eine Strafe gesandt, die sie zum Gespött machte.
20061 Weisheit Weish 27 12 26 Wer sich aber durch eine Strafe, die ihn zum Gespött macht, nicht warnen lässt, der wird eine Strafe erleiden, die der Macht Gottes entspricht.
20062 Weisheit Weish 27 12 27 In ihren Leiden wurden sie zornig über die Tiere, die sie für Götter hielten und mit denen sie jetzt gestraft wurden. So erfuhren sie jenen, von dem sie vorher nichts wissen wollten, und erkannten ihn als den wahren Gott; deshalb war ja auch die äußerste Strafe über sie gekommen.
20063 Weisheit Weish 27 13 1 Töricht waren von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Beim Anblick der Werke erkannten sie den Meister nicht,
20064 Weisheit Weish 27 13 2 sondern hielten das Feuer, den Wind, die flüchtige Luft, den Kreis der Gestirne, die gewaltige Flut oder die Himmelsleuchten für weltbeherrschende Götter.
20065 Weisheit Weish 27 13 3 Wenn sie diese, entzückt über ihre Schönheit, als Götter ansahen, dann hätten sie auch erkennen sollen, wie viel besser ihr Gebieter ist; denn der Urheber der Schönheit hat sie geschaffen.
20066 Weisheit Weish 27 13 4 Und wenn sie über ihre Macht und ihre Kraft in Staunen gerieten, dann hätten sie auch erkennen sollen, wie viel mächtiger jener ist, der sie geschaffen hat;
20067 Weisheit Weish 27 13 5 denn von der Größe und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen.
20068 Weisheit Weish 27 13 6 Dennoch verdienen jene nur geringen Tadel. Vielleicht suchen sie Gott und wollen ihn finden, gehen aber dabei in die Irre.
20069 Weisheit Weish 27 13 7 Sie verweilen bei der Erforschung seiner Werke und lassen sich durch den Augenschein täuschen; denn schön ist, was sie schauen.
20070 Weisheit Weish 27 13 8 Doch auch sie sind unentschuldbar:
20071 Weisheit Weish 27 13 9 Wenn sie durch ihren Verstand schon fähig waren, die Welt zu erforschen, warum fanden sie dann nicht eher den Herrn der Welt?
20072 Weisheit Weish 27 13 10 Unselig aber sind jene, die auf Totes ihre Hoffnung setzen und Werke von Menschenhand als Götter bezeichnen, Gold und Silber, kunstvolle Gebilde und Tiergestalten oder einen nutzlosen Stein, ein Werk uralter Herkunft.
20073 Weisheit Weish 27 13 11 Da sägte ein Holzschnitzer einen geeigneten Baum ab, entrindete ihn ringsum geschickt, bearbeitete ihn sorgfältig und machte daraus ein nützliches Gerät für den täglichen Gebrauch.
20074 Weisheit Weish 27 13 12 Die Abfälle seiner Arbeit verwendete er, um sich die Nahrung zu bereiten, und aß sich satt.
20075 Weisheit Weish 27 13 13 Was dann noch übrig blieb und zu nichts brauchbar war, ein krummes, knotiges Stück Holz, das nahm er, schnitzte daran so eifrig und fachgemäß, wie man es tut, wenn man am Abend von der Arbeit abgespannt ist, formte es zum Bild eines Menschen
20076 Weisheit Weish 27 13 14 oder machte es einem armseligen Tier ähnlich, beschmierte es mit Mennig und roter Schminke, überstrich alle schadhaften Stellen,
20077 Weisheit Weish 27 13 15 machte ihm eine würdige Wohnstatt, stellte es an der Wand auf und befestigte es mit Eisen.
20078 Weisheit Weish 27 13 16 So sorgte er dafür, dass es nicht herunterfiel, wusste er doch, dass es sich nicht helfen kann; es ist ein Bild und braucht Hilfe.
20079 Weisheit Weish 27 13 17 Aber wenn er um Besitz, Ehe und Kinder betet, dann schämt er sich nicht, das Leblose anzureden. Um Gesundheit ruft er das Kraftlose an,
20080 Weisheit Weish 27 13 18 Leben begehrt er vom Toten. Hilfe erfleht er vom ganz Hilflosen und gute Reise von dem, was nicht einmal den Fuß bewegen kann.
20081 Weisheit Weish 27 13 19 Für seine Arbeit, für Gewinn und Erfolg seines Handwerks bittet er um Kraft von einem, dessen Hände völlig kraftlos sind.
20082 Weisheit Weish 27 14 1 Ein anderer, der sich zu einer Seefahrt rüstet, auf der er wilde Wogen durchqueren wird, ruft ein Holz an, das gebrechlicher ist als das Fahrzeug, das ihn trägt.
20083 Weisheit Weish 27 14 2 Das Fahrzeug hat der Erwerbstrieb ersonnen und die Weisheit eines Künstlers hergestellt.
20084 Weisheit Weish 27 14 3 Deine Vorsehung, Vater, steuert es; denn du hast auch im Meer einen Weg gebahnt und in den Wogen einen sicheren Pfad.
20085 Weisheit Weish 27 14 4 Damit zeigst du, dass du imstande bist, aus jeder Lage zu retten, so dass auch jemand, der keine Erfahrung hat, ein Schiff besteigen kann.
20086 Weisheit Weish 27 14 5 Du willst, dass die Werke deiner Weisheit nicht ungenutzt bleiben. Darum vertrauen Menschen ihr Leben sogar einem winzigen Holz an und fahren wohlbehalten auf einem Floss durch die Brandung.
20087 Weisheit Weish 27 14 6 So hat auch in der Urzeit beim Untergang der übermütigen Riesen die Hoffnung der Welt sich auf ein Floss geflüchtet und, durch deine Hand gesteuert, der Welt den Samen eines neuen Geschlechtes hinterlassen.
20088 Weisheit Weish 27 14 7 Denn Segen ruht auf dem Holz, durch das Gerechtigkeit geschieht.
20089 Weisheit Weish 27 14 8 Fluch hingegen trifft das von Händen geformte Holz und seinen Bildner, ihn, weil er es bearbeitet hat, jenes, weil es Gott genannt wurde, obwohl es vergänglich ist.
20090 Weisheit Weish 27 14 9 Denn Gott sind in gleicher Weise Frevler wie Frevel verhasst;
20091 Weisheit Weish 27 14 10 mit dem Bildner wird sein Werk der Strafe verfallen.
20092 Weisheit Weish 27 14 11 Darum kommt auch über die Götzenbilder der Völker das Gericht, weil sie in Gottes Schöpfung zum Gräuel geworden sind, zum Anstoß für die Seelen der Menschen und zur Schlinge für die Füße der Toren.
20093 Weisheit Weish 27 14 12 Mit dem Gedanken an Götzenbilder beginnt der Abfall und ihre Erfindung führt zur Sittenverderbnis.
20094 Weisheit Weish 27 14 13 Weder waren sie von Anfang an da, noch werden sie ewig bleiben.
20095 Weisheit Weish 27 14 14 Durch die eitle Ruhmsucht der Menschen sind sie in die Welt gekommen; darum ist ihnen auch ein jähes Ende zugedacht.
20096 Weisheit Weish 27 14 15 Bedrückt durch allzu frühe Trauer ließ ein Vater von seinem Kind, das gar schnell hinweggerafft wurde, ein Bildnis machen; so ehrte er einen toten Menschen als Gott und führte bei seinen Leuten geheime Kulte und festliche Bräuche ein.
20097 Weisheit Weish 27 14 16 Im Lauf der Zeit verfestigte sich die frevelhafte Sitte und wurde schließlich als Gesetz befolgt;
20098 Weisheit Weish 27 14 17 die Standbilder erhielten auf Anordnung der Herrscher göttliche Verehrung. Konnten die Menschen einen König nicht unmittelbar ehren, weil er weit weg wohnte, dann vergegenwärtigten sie den Fernen; sie machten von dem verehrten König ein Bildnis, das allen sichtbar war, um dem Abwesenden, als ob er gegenwärtig wäre, mit Eifer zu huldigen.
20099 Weisheit Weish 27 14 18 Der Ehrgeiz des Künstlers führte dazu, dass auch jene, die den König gar nicht kannten, ihm göttliche Verehrung erwiesen.
20100 Weisheit Weish 27 14 19 Wohl um dem Herrscher zu gefallen, bot er seine ganze Kunst auf, um ihn schöner darzustellen, als er war.
20101 Weisheit Weish 27 14 20 Von der Anmut des Bildes hingerissen, betete die Menge den, der noch kurz zuvor nur als Mensch geehrt wurde, jetzt wie einen Gott an.
20102 Weisheit Weish 27 14 21 Der Welt ist dies zum Verhängnis geworden: Die Menschen haben, unter dem Druck von Unglück oder Herrschermacht, Stein und Holz den Namen beigelegt, der mit niemand geteilt werden kann.
20103 Weisheit Weish 27 14 22 Als ob es nicht genug wäre, in der Erkenntnis Gottes zu irren, nennen sie in dem heftigen Zwiespalt, den die Unwissenheit in ihr Leben bringt, so große Übel auch noch Frieden.
20104 Weisheit Weish 27 14 23 Bei kindermörderischen Festbräuchen, heimlichen Kulten oder wilden Gelagen mit fremdartigen Sitten
20105 Weisheit Weish 27 14 24 halten sie weder Leben noch Ehe rein, sondern einer tötet heimtückisch den andern oder beleidigt ihn durch Ehebruch.
20106 Weisheit Weish 27 14 25 Alles ist ein wirres Gemisch von Blut und Mord, Diebstahl und Betrug, Verdorbenheit, Untreue, Aufruhr und Meineid;
20107 Weisheit Weish 27 14 26 es herrscht Umkehrung der Werte, undankbare Vergesslichkeit, Befleckung der Seelen, widernatürliche Unzucht, Zerrüttung der Ehen, Ehebruch und Zügellosigkeit.
20108 Weisheit Weish 27 14 27 Die Verehrung der namenlosen Götzenbilder ist aller Übel Anfang, Ursache und Höhepunkt.
20109 Weisheit Weish 27 14 28 Sie rasen im Freudentaumel, weissagen Lügen, leben in Ungerechtigkeit oder schwören leichthin einen Meineid.
20110 Weisheit Weish 27 14 29 Im Vertrauen auf leblose Götzen fürchten sie nicht, dass ihre Meineide ihnen schaden könnten.
20111 Weisheit Weish 27 14 30 Jedoch für beides wird sie die gerechte Strafe treffen: dass sie sich von Gott eine verkehrte Vorstellung machten, indem sie Götzenbilder verehrten, und dass sie unter Missachtung der Heiligkeit des Eides hinterlistig und ungerecht schworen.
20112 Weisheit Weish 27 14 31 Es ist nie die Macht derer, bei denen sie schworen, sondern immer die den Sündern gebührende Strafe, die die Vergehen der Frevler verfolgt.
20113 Weisheit Weish 27 15 1 Du aber, unser Gott, bist gütig, wahrhaftig und langmütig; voll Erbarmen durchwaltest du das All.
20114 Weisheit Weish 27 15 2 Auch wenn wir sündigen, gehören wir dir, da wir deine Stärke kennen; doch wir wollen nicht sündigen, da wir wissen, dass wir dein Eigentum sind.
20115 Weisheit Weish 27 15 3 Denn es ist vollendete Gerechtigkeit, dich zu verstehen; und deine Stärke zu kennen ist die Wurzel der Unsterblichkeit.
20116 Weisheit Weish 27 15 4 Die arglistige Erfindung der Menschen hat uns nicht verführt, die unfruchtbare Arbeit der Maler, eine mit bunten Farben besudelte Gestalt.
20117 Weisheit Weish 27 15 5 Ihr Anblick erregt die Sehnsucht der Toren und weckt in ihnen das Verlangen nach der leblosen Gestalt eines toten Bildes.
20118 Weisheit Weish 27 15 6 Liebhaber des Bösen und solcher Hoffnungen würdig sind alle, die es anfertigen, die nach ihm verlangen und die es anbeten.
20119 Weisheit Weish 27 15 7 Der Töpfer knetet mühsam den weichen Ton, um daraus Gefäße zu unserem Gebrauch zu formen. Aus dem gleichen Lehm bildet er solche, die sauberen Zwecken dienen, und solche für das Gegenteil, alle in gleicher Weise; über den Gebrauch eines jeden entscheidet der Töpfer.
20120 Weisheit Weish 27 15 8 Aus dem gleichen Lehm formt er in verkehrter Mühe auch einen nichtigen Gott, er, der vor kurzem aus Erde entstand und bald dorthin zurückkehrt, woher er genommen ist, wenn seine Seele, das ihm anvertraute Darlehen, zurückgefordert wird.
20121 Weisheit Weish 27 15 9 Doch es kümmert ihn nicht, dass er dahinschwinden wird und nur ein kurzes Leben hat. Er wetteifert mit Goldschmieden und Silbergießern, er ahmt Kupferschmiede nach und sieht seinen Ruhm darin, Trugbilder zu formen.
20122 Weisheit Weish 27 15 10 Asche ist sein Herz, noch weniger wert als Erdenstaub seine Hoffnung, und sein Leben ist wertloser als Lehm.
20123 Weisheit Weish 27 15 11 Seinen eigenen Bildner hat er nämlich nicht erkannt, den, der ihm eine wirkende Seele eingehaucht und Lebensatem eingeblasen hat.
20124 Weisheit Weish 27 15 12 Nein, er hält unser Leben für ein Kinderspiel, das Dasein für einen einträglichen Jahrmarkt; er sagt, man müsse aus allem, auch aus Schlechtem, Gewinn ziehen.
20125 Weisheit Weish 27 15 13 Denn er weiß besser als alle, dass er sündigt, wenn er aus dem gleichen Erdenstoff nicht nur zerbrechliche Gefäße, sondern auch Götzenbilder fertigt.
20126 Weisheit Weish 27 15 14 Ganz unverständig aber und ärmer als eines Kindes Seele waren die Feinde, die dein Volk knechteten.
20127 Weisheit Weish 27 15 15 Sie hielten alle Götzen der Völker für Götter, Götter, die weder ihre Augen gebrauchen können, um zu sehen, noch ihre Nase, um die Luft zu atmen, noch ihre Ohren, um zu hören, noch die Finger ihrer Hände, um zu tasten, und deren Füße nicht gehen können.
20128 Weisheit Weish 27 15 16 Ein Mensch hat sie gemacht, einer, dem der Geist nur geliehen ist, hat sie gebildet; kein Mensch hat die Kraft, einen Gott zu bilden, der auch nur ihm selber ähnlich wäre.
20129 Weisheit Weish 27 15 17 Als Sterblicher schafft er mit frevelhaften Händen nur Totes. Er ist besser als seine angebeteten Gebilde; denn er bekam einmal Leben, diese aber nie.
20130 Weisheit Weish 27 15 18 Sie verehren sogar die widerlichsten Tiere, die dümmsten im Vergleich mit den anderen,
20131 Weisheit Weish 27 15 19 solche, die nicht einmal schön sind, sodass man an ihnen Gefallen finden könnte, soweit das beim Anblick von Tieren möglich ist, die zudem Gottes Lob und seinen Segen verloren haben.
20132 Weisheit Weish 27 16 1 Darum wurden sie mit Recht durch ähnliche Tiere gezüchtigt und durch eine Menge von Ungeziefer gequält.
20133 Weisheit Weish 27 16 2 Während sie auf solche Weise gezüchtigt wurden, hast du deinem Volk eine Wohltat erwiesen und mit den Wachteln seinem heftigen Verlangen eine fremdartige Nahrung gegeben.
20134 Weisheit Weish 27 16 3 Während jenen in ihrem Hunger die Esslust verging wegen der Hässlichkeit der gegen sie gesandten Tiere, bekamen diese nach nur kurzer Entbehrung sogar eine fremdartige Speise.
20135 Weisheit Weish 27 16 4 Über jene Unterdrücker sollte unabwendbarer Hunger kommen; diese aber sollten nur kurz spüren, wie ihre Feinde gequält wurden.
20136 Weisheit Weish 27 16 5 Auch damals, als die schreckliche Wut wilder Tiere über sie hereinbrach und sie durch die Bisse tückischer Schlangen umkamen, dauerte dein Zorn nicht bis ans Ende.
20137 Weisheit Weish 27 16 6 Zur Warnung wurden sie nur kurz in Schrecken versetzt und bekamen ein Rettungszeichen, damit sie sich an die Vorschrift deines Gesetzes erinnerten.
20138 Weisheit Weish 27 16 7 Wer sich dorthin wandte, wurde nicht durch das gerettet, was er anschaute, sondern durch dich, den Retter aller.
20139 Weisheit Weish 27 16 8 Dadurch hast du unsere Feinde überzeugt, dass du es bist, der aus allem Übel erlöst.
20140 Weisheit Weish 27 16 9 Denn sie wurden durch die Bisse der Heuschrecken und der Stechfliegen getötet, ohne dass es ein Heilmittel für sie gab; sie verdienten es ja, durch solches Ungeziefer gezüchtigt zu werden.
20141 Weisheit Weish 27 16 10 Deine Söhne aber wurden nicht einmal durch die Zähne Gift spritzender Schlangen überwältigt; denn dein Erbarmen kam ihnen zu Hilfe und heilte sie.
20142 Weisheit Weish 27 16 11 Sie wurden gebissen, aber schnell wieder gerettet, damit sie sich an deine Worte erinnerten; denn sie sollten nicht in tiefes Vergessen versinken, sondern sich ungehindert deiner Wohltaten erfreuen.
20143 Weisheit Weish 27 16 12 Weder Kraut noch Wundpflaster machte sie gesund, sondern dein Wort, Herr, das alles heilt.
20144 Weisheit Weish 27 16 13 Du hast Gewalt über Leben und Tod; du führst zu den Toren der Unterwelt hinab und wieder herauf.
20145 Weisheit Weish 27 16 14 Ein Mensch kann zwar in seiner Schlechtigkeit töten; doch den entschwundenen Geist holt er nicht zurück und die weggenommene Seele kann er nicht befreien.
20146 Weisheit Weish 27 16 15 Unmöglich ist es, deiner Hand zu entfliehen.
20147 Weisheit Weish 27 16 16 Denn die Frevler, die behaupten, dich nicht zu kennen, wurden durch die Kraft deines Armes gezüchtigt: Ungewöhnliche Regengüsse, Hagelschauer und schreckliche Wolkenbrüche peitschten auf sie nieder und Feuer verzehrte sie.
20148 Weisheit Weish 27 16 17 Das Seltsamste war, dass das Wasser, das sonst alles löscht, die Kraft des Feuers noch verstärkte; denn die Natur kämpft für die Gerechten.
20149 Weisheit Weish 27 16 18 Das eine Mal wurde die Flamme gezähmt, damit sie nicht die Tiere verzehrte, die gegen die Ruchlosen gesandt waren; diese sollten sehen und erkennen, dass sie von Gottes Strafe verfolgt wurden.
20150 Weisheit Weish 27 16 19 Das andere Mal brannte die Flamme mit ungewöhnlicher Kraft mitten im Wasser, um die Erzeugnisse des schuldbeladenen Landes zu vernichten.
20151 Weisheit Weish 27 16 20 Dein Volk dagegen nährtest du mit der Speise der Engel und unermüdlich gabst du ihm fertiges Brot vom Himmel. Deine Gabe gewährte jeden Genuss und entsprach jedem Geschmack;
20152 Weisheit Weish 27 16 21 sie offenbarte deine zarte Liebe zu deinen Kindern. Sie erfüllte das Verlangen eines jeden, der sie genoss, und verwandelte sich in alles, was einer wollte.
20153 Weisheit Weish 27 16 22 Schnee und Eis hielten dem Feuer stand und schmolzen nicht. Deine Kinder sollten erkennen, dass nur die Früchte der Feinde vom Feuer vernichtet wurden, das im Hagel brannte und in den Regengüssen blitzte,
20154 Weisheit Weish 27 16 23 und dass es umgekehrt sogar seine eigene Kraft vergaß, damit die Gerechten Nahrung hätten.
20155 Weisheit Weish 27 16 24 Denn die Schöpfung, die dir, ihrem Schöpfer, dient, steigert ihre Kräfte, um die Schuldigen zu bestrafen, und hält sie zurück, um denen Gutes zu tun, die auf dich vertrauen.
20156 Weisheit Weish 27 16 25 Darum diente sie auch damals deinem Geschenk, das alle ernährte, und verwandelte sich in alles, was die Bittenden wünschten.
20157 Weisheit Weish 27 16 26 Deine geliebten Söhne, Herr, sollten daraus lernen: Nicht die verschiedenartigen Früchte ernähren den Menschen, sondern dein Wort erhält alle, die dir vertrauen.
20158 Weisheit Weish 27 16 27 Denn dasselbe, das vom Feuer nicht vernichtet wurde, schmolz sogleich, wenn es ein flüchtiger Sonnenstrahl erwärmte.
20159 Weisheit Weish 27 16 28 So sollte man erkennen, dass man, um dir zu danken, der Sonne zuvorkommen und sich noch vor dem Aufgang des Lichtes an dich wenden muss.
20160 Weisheit Weish 27 16 29 Denn die Hoffnung des Undankbaren schmilzt wie winterlicher Reif und verrinnt wie unnützes Wasser.
20161 Weisheit Weish 27 17 1 Groß und nicht zu ergründen sind deine Entscheide; darum verfiel in Irrtum, wer sich nicht belehren ließ.
20162 Weisheit Weish 27 17 2 Denn die Frevler meinten, das heilige Volk knechten zu können; und jetzt lagen sie da, Gefangene der Finsternis, Gefesselte einer langen Nacht, eingeschlossen in den Häusern, von der ewigen Vorsehung verbannt.
20163 Weisheit Weish 27 17 3 Sie glaubten, mit ihren geheimen Sünden unter der dunklen Decke der Vergessenheit verborgen zu sein; da packte sie furchtbares Entsetzen. Sie wurden durch Trugbilder aufgeschreckt und auseinander gejagt.
20164 Weisheit Weish 27 17 4 Auch der geheimste Winkel, in den sie sich flüchteten, konnte sie nicht vor Furcht bewahren; Schrecken erregendes Getöse umbrauste sie, und düstere Gespenster mit finsteren Mienen tauchten auf.
20165 Weisheit Weish 27 17 5 Keine Kraft irgendeines Feuers war stark genug, Licht zu bringen; nicht einmal der strahlende Glanz der Gestirne vermochte es, diese entsetzliche Nacht zu erhellen.
20166 Weisheit Weish 27 17 6 Nur einen schaurigen Feuerherd, der sich von selbst entzündet hatte, sahen sie aufglühen; verschwand die Erscheinung, so hielten sie, außer sich vor Entsetzen, die Dinge, die sie sahen, für noch schlimmer.
20167 Weisheit Weish 27 17 7 Da versagten die Gaukeleien der Zauberkunst und die Probe auf das prahlerische Wissen fiel schmählich aus.
20168 Weisheit Weish 27 17 8 Jene, die immer versprachen, Furcht und Verwirrung von der kranken Seele zu bannen, krankten nun selber an einer lächerlichen Angst.
20169 Weisheit Weish 27 17 9 Auch wenn nichts Schreckliches sie ängstigte, wurden sie durch raschelndes Getier und zischelnde Schlangen aufgescheucht und vergingen vor Furcht. Nicht einmal in die Luft wollten sie blicken, der man doch nirgends entfliehen kann.
20170 Weisheit Weish 27 17 10 Denn die Schlechtigkeit bezeugt selbst ihr feiges Wesen, wenn sie gestraft wird. Unter dem Druck des Gewissens befürchtet sie immer das Schlimmste.
20171 Weisheit Weish 27 17 11 Furcht ist ja nichts anderes als der Verzicht auf die von der Vernunft angebotene Hilfe.
20172 Weisheit Weish 27 17 12 Je weniger man solche Hilfe erwartet, umso schlimmer erscheint es, die Ursache der Qual nicht zu kennen.
20173 Weisheit Weish 27 17 13 In Wahrheit hatte jene Nacht keine Gewalt; aus den Tiefen der machtlosen Totenwelt war sie heraufgestiegen. Sie aber, die wie sonst schlafen wollten,
20174 Weisheit Weish 27 17 14 wurden bald durch Schreckgespenster aufgescheucht, bald durch Mutlosigkeit gelähmt; denn plötzliche und unerwartete Furcht hatte sie befallen.
20175 Weisheit Weish 27 17 15 So wurde jeder dort, wo er zu Boden sank, ein Gefangener, der in einen Kerker ohne Eisenfesseln eingeschlossen war.
20176 Weisheit Weish 27 17 16 Ob Bauer oder Hirt oder ein Taglöhner, der einsam arbeitete, alle wurden überrascht und mussten sich dem unentrinnbaren Zwang fügen, alle wurden durch die gleiche Kette der Finsternis gefesselt.
20177 Weisheit Weish 27 17 17 Das Pfeifen des Windes, der wohlklingende Gesang der Vögel auf den Zweigen der Bäume, das Rauschen ungestüm strömender Wasser, das wilde Donnern stürzender Felsen,
20178 Weisheit Weish 27 17 18 das Laufen hüpfender Tiere, die man nicht sehen konnte, das laute Gebrüll wilder Raubtiere, das aus den Schluchten der Berge zurückgeworfene Echo: alles und jedes jagte ihnen lähmende Furcht ein.
20179 Weisheit Weish 27 17 19 Die ganze Welt stand in strahlendem Licht und alle gingen ungehindert ihrer Arbeit nach.
20180 Weisheit Weish 27 17 20 Nur über jene breitete sich drückende Nacht aus, Bild der Finsternis, die sie dereinst aufnehmen sollte. Doch mehr als unter der Finsternis litten sie unter ihrer eigenen Angst.
20181 Weisheit Weish 27 18 1 Deinen Heiligen dagegen strahlte hellstes Licht. Die anderen hörten ihre Stimme, ohne sie selbst zu sehen, und priesen sie glücklich, mochten diese vorher noch so viel erduldet haben.
20182 Weisheit Weish 27 18 2 Sie dankten ihnen, dass sie für das früher erlittene Unrecht keine Rache nahmen, und baten um Verzeihung für ihr feindliches Verhalten.
20183 Weisheit Weish 27 18 3 Statt jener Finsternis gabst du den Deinen eine flammende Feuersäule als Führerin auf unbekanntem Weg, als freundliche Sonne auf ihrer ruhmvollen Wanderung.
20184 Weisheit Weish 27 18 4 Jene hingegen hatten es verdient, des Lichtes beraubt und in Finsternis gefangen zu sein, weil sie einst deine Söhne eingeschlossen und gefangen hielten, durch die das unvergängliche Licht des Gesetzes der Welt gegeben werden sollte.
20185 Weisheit Weish 27 18 5 Sie hatten beschlossen, die Kinder der Heiligen zu töten, und nur ein einziges Kind wurde ausgesetzt und gerettet. Zur Strafe hast du ihnen viele ihrer eigenen Kinder weggenommen und sie alle auf einmal in gewaltiger Wasserflut vernichtet.
20186 Weisheit Weish 27 18 6 Jene Nacht wurde unseren Vätern vorher angekündigt; denn sie sollten zuversichtlich sein und sicher wissen, welchen eidlichen Zusagen sie vertrauen konnten.
20187 Weisheit Weish 27 18 7 So erwartete dein Volk die Rettung der Gerechten und den Untergang der Feinde.
20188 Weisheit Weish 27 18 8 Während du die Gegner straftest, hast du uns zu dir gerufen und verherrlicht.
20189 Weisheit Weish 27 18 9 Denn im Verborgenen feierten die frommen Söhne der Guten ihr Opferfest; sie verpflichteten sich einmütig auf das göttliche Gesetz, dass die Heiligen in gleicher Weise Güter wie Gefahren teilen sollten, und sangen schon im Voraus die Loblieder der Väter.
20190 Weisheit Weish 27 18 10 Da hallte ihnen das wirre Geschrei der Feinde entgegen und sie hörten die laute Klage über die toten Kinder.
20191 Weisheit Weish 27 18 11 Das gleiche Urteil traf Herrn und Knecht; der Mann aus dem Volk und der König hatten das gleiche Leid zu tragen.
20192 Weisheit Weish 27 18 12 Durch die gleiche Todesart hatten alle zusammen unzählige Tote. Es waren nicht genügend Lebende da, um sie zu begraben; denn mit einem Schlag waren die besten Nachkommen vernichtet worden.
20193 Weisheit Weish 27 18 13 Bisher waren sie durch die Künste ihrer Zauberer ungläubig geblieben; jetzt aber mussten sie beim Untergang der Erstgeborenen bekennen: Dieses Volk ist Gottes Sohn.
20194 Weisheit Weish 27 18 14 Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war,
20195 Weisheit Weish 27 18 15 da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab als harter Krieger mitten in das dem Verderben geweihte Land.
20196 Weisheit Weish 27 18 16 Es trug das scharfe Schwert deines unerbittlichen Befehls, trat hin und erfüllte alles mit Tod; es berührte den Himmel und stand auf der Erde.
20197 Weisheit Weish 27 18 17 Plötzlich schreckten sie furchtbare Traumgesichte auf und ungeahnte Ängste überfielen sie.
20198 Weisheit Weish 27 18 18 Einer stürzte hier, ein anderer dort halb tot zu Boden und bekannte, aus welchem Grund er sterben musste.
20199 Weisheit Weish 27 18 19 Denn die erschreckenden Träume hatten es ihnen vorausgesagt; sie sollten nicht umkommen, ohne zu wissen, warum sie so Schlimmes erlitten.
20200 Weisheit Weish 27 18 20 Auch die Gerechten lernten eine Probe des Todes kennen: Eine große Anzahl wurde in der Wüste dahingerafft; doch der Zorn hielt nicht lange an.
20201 Weisheit Weish 27 18 21 Ein Mann ohne Tadel sprang als Vorkämpfer ein mit der Waffe seines heiligen Dienstes, mit Gebet und sühnendem Räucherwerk. Er trat dem Zorn entgegen, machte dem Unheil ein Ende und zeigte so, dass er dein Diener war.
20202 Weisheit Weish 27 18 22 Er überwand die Not nicht durch Körperkraft und nicht durch Waffengewalt, sondern durch das Wort bezwang er den Strafenden, indem er ihn an die eidlich bekräftigten Bündnisse mit den Vätern erinnerte.
20203 Weisheit Weish 27 18 23 Denn als die Toten sich schon häuften, trat er dazwischen, hielt seinen Ansturm auf und schnitt ihm den Weg zu den Lebenden ab.
20204 Weisheit Weish 27 18 24 Auf seinem langen Gewand war die ganze Welt dargestellt, auf den vier Reihen der Edelsteine waren die ruhmreichen Namen der Väter eingeschnitten und auf seinem Stirnband dein hoheitsvoller Name.
20205 Weisheit Weish 27 18 25 Davor wich der Verderber voll Furcht zurück; denn es genügte schon diese Probe des Zornes.
20206 Weisheit Weish 27 19 1 Über die Frevler kam erbarmungsloser Zorn, bis sie vernichtet waren; denn Gott wusste im Voraus, wie sie sich verhalten würden:
20207 Weisheit Weish 27 19 2 Sie selbst hatten den Abzug der Gerechten gestattet und sie sogar dazu gedrängt; dann aber änderten sie ihren Sinn und verfolgten sie.
20208 Weisheit Weish 27 19 3 Sie waren noch mit der Bestattung der Toten beschäftigt und klagten an ihren Gräbern, als sie in ihrer Torheit einen anderen Entschluss fassten und denen wie Entlaufenen nachsetzten, denen sie flehentlich zugeredet hatten wegzugehen.
20209 Weisheit Weish 27 19 4 Das selbst verschuldete Verhängnis trieb sie in diesen Untergang und ließ sie alles vergessen, was geschehen war; denn sie sollten über die bisherigen Plagen hinaus die äußerste Strafe erleiden.
20210 Weisheit Weish 27 19 5 Deinem Volk aber sollte sich ein unerwarteter Weg eröffnen, während jene einen ungewöhnlichen Tod fanden.
20211 Weisheit Weish 27 19 6 Das Wesen der ganzen Schöpfung wurde neu gestaltet; sie gehorchte deinen Befehlen, damit deine Kinder unversehrt bewahrt blieben.
20212 Weisheit Weish 27 19 7 Man sah die Wolke, die das Lager überschattete, trockenes Land tauchte auf, wo zuvor Wasser war; es zeigte sich ein Weg ohne Hindernisse durch das Rote Meer, eine grüne Ebene stieg aus der gewaltigen Flut.
20213 Weisheit Weish 27 19 8 Von deiner Hand behütet, zogen sie vollzählig hindurch und sahen staunenswerte Wunder.
20214 Weisheit Weish 27 19 9 Sie weideten wie Rosse, hüpften wie Lämmer und lobten dich, Herr, ihren Retter.
20215 Weisheit Weish 27 19 10 Denn sie dachten zudem auch an das, was im fremden Land geschehen war: wie Mücken nicht von Tieren, sondern von der Erde hervorgebracht wurden und wie der Fluss nicht Wassertiere, sondern eine Menge Frösche auswarf.
20216 Weisheit Weish 27 19 11 Schließlich sahen sie auch Vögel auf eine neue Weise entstehen, als sie, um ihre Gier zu befriedigen, nach üppigen Speisen verlangten.
20217 Weisheit Weish 27 19 12 Zu ihrem Trost entstiegen nämlich Wachteln dem Meer.
20218 Weisheit Weish 27 19 13 Die Strafen kamen über die Sünder nicht ohne Warnung durch wuchtige Blitze. Mit Recht mussten sie für ihre bösen Taten leiden, weil sie einen so schlimmen Fremdenhass gezeigt hatten.
20219 Weisheit Weish 27 19 14 Während andere die Unbekannten, die zu ihnen kamen, nicht aufnahmen, machten diese sogar Gäste, die ihre Wohltäter waren, zu Sklaven.
20220 Weisheit Weish 27 19 15 Noch mehr: Gewiss wird auch jene eine Strafe treffen, weil sie Fremde feindselig empfangen hatten;
20221 Weisheit Weish 27 19 16 diese aber haben Gäste, die sie festlich aufgenommen hatten und die schon die gleichen Bürgerrechte genossen, mit schwerem Frondienst geplagt.
20222 Weisheit Weish 27 19 17 Wie jene an der Türe des Gerechten mit Blindheit geschlagen wurden, so auch diese, als sie von dichter Finsternis umgeben waren und jeder versuchte, seine Türe zu finden.
20223 Weisheit Weish 27 19 18 Die Elemente verändern sich untereinander, wie auf einer Harfe die Töne den Rhythmus ändern und doch den gleichen Klang behalten. Dies lässt sich aus der Betrachtung der Geschehnisse deutlich erkennen.
20224 Weisheit Weish 27 19 19 Landtiere verwandelten sich in Wassertiere und schwimmende Tiere stiegen ans Land.
20225 Weisheit Weish 27 19 20 Das Feuer steigerte im Wasser die ihm eigene Kraft und das Wasser vergaß seine löschende Wirkung.
20226 Weisheit Weish 27 19 21 Flammen verzehrten nicht das Fleisch der hinfälligen Tiere, die hineingerieten, noch schmolz im Feuer die eisartige, leicht schmelzende himmlische Speise.
20227 Weisheit Weish 27 19 22 In allem hast du, Herr, dein Volk groß gemacht und verherrlicht; du hast es nicht im Stich gelassen, sondern bist ihm immer und überall beigestanden.

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